Montag, 28. Juli 2014

Gegensatz und Sieg

Da ich mich ja immer für Saxophone interessiere und dabei gerne mal durchs Netz surfe um mir Angebote anzusehen, Testberichte, Werbetexte und überhaupt, da kommen mir immer mal wieder die gleichen Fragen.

So haben wir unlängst ein chinesisches Buffet 400 Alto (im groben eine Selmer-Kopie) erstanden.
Da dieser unter Buffets Aufsicht entstand, ist die Qualität ganz ordentlich.

Im Netz, im Katalog und in Online-Shops wird das 400 gerne als "intermediate" beworben. Soll heißen, dies Sax ist für den fortgeschrittenen Anfänger, den Fortgeschrittenen und für den Profi, der ein vernünftiges Zweitinstrument haben möchte.

Darunter gibt es noch das 100, was als Anfängermodell eingestuft wird.
Beide Modelle werden mit Qualität, gutem Klang, gutem Finish usw beworben.

Jetzt fallen mir hier so einige Dinge auf.
Der Saxdoc meines Vertrauens hatte auch mal ein Buffet 100 Alto in den Fingern. Er hat es umgehend in die Kategorie Edelschrott gesteckt und es als Leihinstrument freigegeben. Weil es einfach nicht dem Standard genügt, den Yamaha bei günstigen Schülermodellen schon gesteckt hat.

Da ist schon eine Diskrepanz zwischen Werbung und Realität.
Das 400 als "intermediate" (am liebsten als "fast-schon-Profi") einzustufen findet er auch mutig - für Fortgeschrittene in Ordnung, aber "Profi"...

Zudem kommt auch das 400 mit einem billigen Mundstück daher, das eigentlich auf den Müll gehört. Der Klang mit einem einigermaßen vernünftigen Mundstück ist gut, aber das "Serien-Mundstück" ist fast nicht spielbar!

Weiterhin offenbarte mir der Saxdoc, dass die Instrumente, die in den USA als "Profi" eingestuft werden, bei uns allerhöchstens als "Fortgeschritten" angesehen werden.
Das macht eine internationale Vermarktung nicht einfacher.
Wobei das nicht mein Problem ist.

Unterm Strich frage ich mich, ob diese Vermarktungsstrategie nicht irgendwie kurzsichtig ist.
Es werden Produkte beworben und beweihräuchert, die in der Realität den Ansprüchen nicht, oder nur ungefähr genügen.
Anstatt entweder gleich bessere Produkte zu verkaufen oder die nicht so tollen Produkte etwas einfacher zu "betexten".
Man hat ja schon beim Buffet 100 den Eindruck, man kauft ein Selmer-Light-Produkt.
Von den Mundstücken reden wir besser gar nicht.
Es gibt günstige Mundstücke, die wirklich nach Saxophon klingen;
Rico Graftonit (oder wie das auch immer heißt), Yamaha und Expression - alles in der Klasse von 20-50 EUR.
Wer Saxophone in China baut, kann doch bestimmt verhandeln, ein Kontingent an MPCs ohne Label zu kaufen, damit zumindest ein spielbares Exemplar dem (im Prinzip) gar nicht schlechten Instrument beigelegt wird.

Aber wahrscheinlich verstehe ich nur zuwenig davon.

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