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Mittwoch, 6. August 2025

Spontan auf und davon III

Stadtluft macht frei, so heißt ein altes Sprichwort. 
Bei Victor hat man auch genau diesen Eindruck. Er hat diese Woche zwei freie Tage aber wird nicht "nach Hause" kommen. 
Nein, er möchte sich etwas akklimatisieren und weiter einrichten und überhaupt fühlt er sich sehr wohl. 
Das ist natürlich ein bisschen traurig (für uns), denn wir haben fast das Gefühl, dass er froh ist, endlich von uns weg zu sein, aber andererseits ist es auch gut. 
Anscheinend genießt er es, auf eigenen Beinen zu stehen, für sich selbst zu sorgen, kochen, aufräumen, putzen...
Ist es nicht das, was Eltern eigentlich wollen? Kinder so zu erziehen, oder es ihnen so vorzuleben, dass sie ohne weiteres alleine in der Welt zurechtkommen?
Mission geglückt. 
Zudem hat er uns eingeladen, ihn zu besuchen und die Wohnung anzusehen - und (da hat er sich selber eingeladen) wir könnten ja zusammen essengehen. 
 
Die letzten Jahre in der Schule haben ihm sehr zugesetzt, auch eine Liaison mit einem Mädchen (die sich als sehr manipulativ entpuppt hat) tat ihm wirklich nicht gut. Die Folge waren Antriebslosigkeit, depressive Stimmung und das Gefühl in einem Loch ohne Ausgang zu sitzen. 
Wie anders ist es nun: Er hat Energie, er macht Pläne, er hat Lust zu seiner Arbeit - auch wenn das etwas ist, das er machen "muss", so ist es anderes, als Schule. 
Vielleicht möchte er auch dieses Gefühl von Freiheit, Ausgeglichenheit und Energie bis zum letzten auskosten. 
 
Sei es ihm gegönnt, ich freue mich für ihn, denn zuvor hatte er arge Bedenken, ob er wirklich schon ausziehen wollte. Nun geht es ihm gut damit.  

Dienstag, 5. August 2025

Spontan auf und davon II

Das war sie also die erste Nacht. 
Ein bisschen aufregend für alle - keine Möglichkeit schnell zu helfen, keine Deeptalk am Abend und auch keine "Kontrolle", ob das Kind am Morgen aufsteht. 
 
Aber er hat anscheinend gut geschlafen, es sei noch alles etwas ungewohnt, aber ansonsten fühle er sich wohl und es sei alles in Ordnung. 
 
 
Diese Beiträge sind langweilig?
 
Ja, vielleicht für Euch, aber Ihr braucht sie nicht zu lesen. 
Da ich manche Dinge mit niemandem teilen kann (außer mit Bea, aber wir brauchen uns nicht die ganze Zeit die gleichen Gedanken "zuzuechoen", wird ja langweilig und wir sind auch kein Thunfisch), schreibe ich auch Kleinigekeiten auf, um einfach mal einige Dinge zu reflektieren. 
 
Es ist schön zu sehen, dass das Kind, dass man einige Jahre gepflegt und gegossen hat, nun auf eigenen Beinen stehen möchte und seine Freude daran hat. 
Gleichzeitig ist einem Weh ums Herz, weil Hänschenklein nun in die Welt hinauszieht. 
Andererseits ist es schön, dass es nur eine Wegstunde ist, so ist man im Notfall schnell zur Stelle.  

Montag, 4. August 2025

Spontan auf und davon

Nun ist es soweit. Letzten Freitag verkündete Victor: Morgen ziehe ich aus. 
Das kam überraschend. Denn am Donnerstag hieß es noch: Ich weiß nicht, vielleicht auch nicht und irgendwie ist das doch ein großer Schritt...
Das kam nicht überraschend. Es war klar, dass es eine sinnvolle Lösung sein würde, wenn er eine gute Wegstunde entfernt, ein Jahr arbeiten soll. 
 
Die Wohnung war ihm erst angeboten worden, dann hieß es, das wäre etwas schwierig, aber plötzlich ging es dann doch - und das war ganz spontan am letzten Donnerstag. 
 
Nun sind wir am Wochenende aus- und umgezogen und sind nun alle gespannt, wie das wohl wird. Es ist eine kleine WG, drei Zimmer, eine Wohnküche und ein Bad. Alles zusammen in einem heruntergekommenen Haus, dessen Dachgeschoss etwas lieblos zu einer Wohnung umgebaut worden ist. 
Der Bau soll auch in absehbarer Zeit abgerissen werden und Victor wurde schon gesagt, dass er wohl noch einmal umziehen müsse - ich schätze es anders ein. 
 
Sein Zimmer besteht aus einem knarzenden Dielenboden, einem IVAR-Regal, einem Kleiderschrank mit nur einer Tür, einem alten Bett, einem kleinen Tisch und einem Stuhl. Immerhin gibt es zwei Fenster und eine Deckenleuchte. 
 
Unter uns: Es müsste mal geputzt werden. Der Flur ordentlich gesaugt, das Altglas stapelt sich und die Küche wirkt auch etwas schmuddelig. 
Aber hier ist Zurückhaltung angesagt. Es ist nicht unsere Wohnung. Er ist (sowas wie) erwachsen und er kann, wird und möchte für sich selber sorgen. 
 
Heute Abend soll er dort die erste Nacht verbringen, vorher wollte er noch einige Poster aufhängen und sich etwas einrichten. Er hat ein kleines Schränkchen vom Dachboden bekommen, seine alte Anlage ist mitgekommen und der Wasserkocher, den er vor einigen Jahren in der Schule abgestaubt hat. 
Für den ersten Hunger hat er ein Kilo Nudeln und etwas Pesto mitgenommen, dazu eine Tasse und etwas Tee. 
 
Wir hoffen sehr, dass er einen guten Start in seinen Dienst hat und ihm die Arbeit  spaßmacht - dann wird sich der Rest von alleine finden. 
 
... und wir - wir wohnen jetzt alleine. Wobei das nicht so richtig stimmt. Victor wird immer mal ein oder zwei Tage bei uns sein und bis Ende des Sommers ist auch Frl. Yolande nebst Ehemann in Spe bei uns. 
Es wird nicht langweilig. Wie wohl November und Dezember werden, das ist irgendwie die dunkelste Zeit im Jahr und davor graut es mir dann doch ein wenig - aber jetzt scheint noch die Sonne und wir hoffen, dass es noch einige Zeit so bleibt. 

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Endes schwieriges Frauenbild

Nun gibt es ja diese Bewegung, die aus alten Büchern alles tilgen möchte, was aus heutiger Sicht politisch nicht mehr korrekt erscheint. 
So ist der Vater von Pippi Langstrumpf schon länger kein "Negerkönig" mehr, sondern ein "Südseekönig".
So wenig, wie er vormals über die "Neger" geherrscht hat, so wenig herrscht er nun über die Südsee. 
Der eine, wie der andere Begriff passt nicht. Allerdings haben die Eingeborenen ihn zum König gemacht - im Gegensatz zur Südsee. 
Ein Sternchen mit Fußnote wäre schön gewesen, auch Kinder verstehen eine Erklärung wie: Als das Buch geschrieben wurde, war "Neger" eine gebräuchliche Bezeichnung für dunkelhäutige Menschen und nicht unbedingt abwertend gemeint. Heute wird der Begriff vermieden.
Dann könnte eine Reihe alternativer Begriffe genannt werden. 


Schon schwieriger wird es bei Michael Endes "Jim Knopf", denn Lukas schlägt vor, das dunkelhäutige Baby "Jim" zu nennen, weil es ein "Negerkind" ist. 
Wow, das klingt nicht nur heute böse rassistisch, sondern war es damals auch schon. Vor allem, den Namen "Jim" mit der Begründung zu wählen, weil das Kind dunkelhäutig ist. 
Wie will man das "reparieren"? Soll es nun so heißen: "Wir nennen ihn Jim, weil er dunkelhäutig ist"?
Wäre das weniger rassistisch? Ebenso schwierig wäre: "Wir nennen ihn Jim, weil er ausssieht, wie ein Jim"? Der Punkt ist zu verstehen? Nur der Austausch von einzelnen Wörtern macht einen Text nicht weniger rassistisch. 
Aber ist es auch rassistisch gemeint? Sehen wir uns das liebevolle, väterliche und freundschaftliche Verhältnis von Jim und Lukas an. Da spielt die Hautfarbe eigentlich nur in sofern eine Rolle, dass sich Jim bei Lukas wohlfühlt, weil auch Lukas` Haut dunkel ist und da sehen wir schon, wie sehr Ende sich in Jim hineinversetzt hat und nachfühlen kann, wie es einem Farbigen inmitten einer weißen Gesellschaft geht. 
In meinen Augen geht dieser Punkt an Herrn Ende. 

Deutlich schwieriger wird es, wenn wir einen Punkt betrachten, über den selten bis nie etwas zu lesen oder zu hören ist. Die Frauen in Endes Buch. 
 
Es treten in zwei Bänden vier Frauen auf - drei werden im ersten Band vorgestellt und im zweiten Band kommt die Vierte dazu.
Alle anderen Protagonisten sind Männer, siebzehn - sollte ich mich nicht grundlegend verzählt haben. Von der Wilden Dreizehn noch gar nicht zu sprechen, denn mit denen kommen (Spoiler-Alarm!) zwölf weitere dazu. Damit stehen 29 männliche Sprechrollen (große Auftritte habe nicht alle) 4 Frauen gegenüber. 

Die Männer sind großherzig, mutig, karrierbewusst, ausgesprochen einfältig und gehorsam, antiautoritär eingestellt, dienstbeflissen oder intelligent. Nicht alles zugleich, sondern schön auf die guten und auf die bösen Menschen aufgeteilt.

Was bleibt da für die Frauen übrig?

Frau Waas ist liebevoll, ein wenige anarchistisch und auch mutig - sie behält das Negerbaby obwohl sie große Angst hat, dass ihr "Betrug" auffliegt. Aber Ende verleiht ihr auch Eigenschaften, die sie in keinem guten Licht dastehen lassen. Sie ist betulich, wie eine alte Tante. Erscheint ungebildet und weiß nicht, "was für Leute Drachen sind", zwar ist sie gut um Haushalt (nähen, kochen, backen), aber damit wird eher das "Hausfrauenimage" zementiert. Zudem ist sie immer wieder ängstlich und stets besorgt.
Dabei aber auch wieder passiv - sie lässt es einfach geschehen, dass Jim heimlich abhaut. 
Unter uns: Bea hätte die Welt aus den Angeln gehoben, hätte eines ihrer Kinder so etwas gemacht. 
Die Kinder dürfen gerne in die Welt ziehen - aber nicht ohne, dass man weiß, wo sie abbleiben. 

Prinzessin Li-Si erscheint ebensowenig in einem guten Licht. Sie ist zwar sehr intelligent, aber auch listig, aufmüpfig, frech, naseweis, ängstlich und besserwisserisch. 
Sie ist nicht einmal emanzipiert und forsch, weil sie die gleichen Rechte einfordert wie Jim sie sich rausnimmt (auf Abenteuerfahrt gehen), sie möchte es bloß, weil sie trozig ist und das ungerecht empfindet - da hat sie nicht einmal Unrecht und Jim ist da auch nicht sonderlich diplomatisch. 
Aber sie zeigt eher ein unreflektiertes Verhalten, als den Willen zur Veränderung des Status quo an sich. Jim und sie begegnen sich im Konflikt auf Augenhöhe. Vor allem lässt Jim hier ziemlich deutlich den Macker oder Macho raushängen.

Fau Malzahn ist die böse Antagonistin in Person. Boshaft, rachsüchtig, uneinsichtig, rassistisch (aber darüber spricht ja wieder niemand). Als "Goldener Drache der Weisheit" ist sie zwar allwissend, aber schweigsam und spricht nur mit Jim und Lukas. 
Ja, nun ist sie auch dankbar, aber sympathisch macht es sie nicht.
 
Prinzessin Sursulapitschi, die Meerjungfrau, hat eine etwas beschränkte Sichtweise, wenige Verständnis für die Bedürfnisse anderer, ist dafür aber hilfreich und niedlich. 

Für ein positives oder gar progressives Frauenbild spricht das nicht.
Jim und Lukas werden als antiautoritär, mutig und entschlossen gezeigt. 
Männer der Tat, die allen Widrigkeiten der Welt trotzen, einem ungewissen Schicksal, vielleicht auch dem Tode mit einem grimmig lachenden Gesicht entgegengehen. 

Tja, und die Frauen: FrauWaas versorgt den Haushalt, am Anfang vom zweiten Buch wird erzählt, dass Li-si bei ihr lernt/lernen soll, einen Haushalt zu führen. In den großen Ferien, wohlgemerkt.
Malzahn ist eine Lehererin - hui! Das macht Lust auf Schule und die kleine Sursulapitschi tanzen vergnügt und etwas weltfremd durch ihr Leben. 

DAS ist alles nicht mehr zeitgemäß. Aber alles am "N"-Wort aufzuhängen, greift zu kurz.

Montag, 2. Dezember 2024

Plätzchen Idylle

Was war es früher ein für ein Ereignis, mit den Kindern zu backen. 
Es wurden Rezepter rausgesucht - also die Blagen haben gesagt, was sie backen wollen und die Rezepte mussten von den Erwachsenen rausgesucht werden, dann wurde geplant und endlich kam das Wochenende. Bei Musik und Tee, Kerzenschein und Keksduft wurde gerührt, ausgerollt und ausgestochen. Verziert, geformt und gebacken. 

Jetzt hat es sich natürlich geändert, die Kinder sind groß, man steht alleine davor. 
Keine Musik, kein fröhliches Geplapper, die Kekse werden im nach industriellen Maßstäben geformt und gebacken, die Reihenfolge sinnvoll abgestimmt und der Platz auf den Blechen wird bestmöglich ausgenutzt. 

Ob ich noch einmal einen anderen Zugang zum Plätzchen backen bekomme?

Montag, 21. Oktober 2024

"Warum hassen Sie mich"

Kennt noch jemand die Folge aus der Serie "Friends", in der Chandler (durch eine Verkettung unglücklicher Umstände) alleine im Theater in einer One-Woman-Show sitzt, in der eine Schauspielerin eine Darbietung einer frustrierten Frau auf die Bühne bringt?
Chandler fühlte sich wirklich deplatziert - nicht nur, weil es wirklich nur um Frauenthemen ging, sondern auch, weil er alleine in der ersten Reihe saß - komplett im Focus der Darstellerin und da niemand neben ihm saß fühlte er sich auch immer direkt angesprochen.

Ein bisschen so fühlten wir uns auch, als wir zur offenen Vorlesebühne gegangen sind. 
Victor hatte sich in den Kopf gesetzt, dort etwas vorzutragen, was er selber geschrieben hat.
So saßen wir also im leidlich gefüllten, aber hübsch dekorierten Publikumsraum und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
Ein Mittfünzigerin, alternativ gekleidet, betrat die Bühne, sezte sich, sprach eine kurze Begrüßung mit einer Ankündigung, wer alles lesen wolle und dass Hubert mit der Gitarre für etwas musikalische Umrahmung sorgen würde. 
 
Das Spiel begann, es wurde gelesen: Kurzgeschichten, Gedichte, Hörspiele, selbstgeschriebenes, gefundenes und auch etwas frei vorgetragenes. 
Victor war an zweiter Stelle und so hegten wir die Hoffnung, nach der Pause gehen zu können.  
Nicht, dass es langweilig oder enttäuschend gewesen wäre, aber an einem Sonntagnachmittag könnte man bei gutem Wetter auch etwas im Garten tun. 
Doch Victor wollte bleiben und alle anderen auch. Der Raum war nach der Pause so voll, wie vor der Pause. Es gab keine Peinlichkeiten, nichts, wo man schreiend rausrennen wollte, es war alles in Ordnung. Fast schon enttäuschend, dass es keinen Lapsus gab, nichts, über das man hätte etwas meckern können. Professionell, freundlich, die Qualität durchaus vernünftig. Die Atmosphäre durch und durch positiv. Niemand hat gebuht, es wurde immer geklatscht und schließlich gab es später sogar noch direkten Zuspruch für Victor, dem einige gesagt haben, wie sehr sie sich in seinen Gedichten wiedergefunden hätten.

Wir haben uns bei dem Gedanken erwischt, auch zur nächsten freien Vorlesebühne zu gehen - ganz freiwillig.

Dienstag, 17. September 2024

Die Stirne bieten - wer kann, der kann.

 Freistunde in der Schule und das Gemüt von einigen schlägt über die Stränge. 
Man solle doch über eine nicht so sehr beliebten Klassenkameradin eine "lustige" Präsentation über den Beamer zu jagen - zur allgemeinen Belustigung. 
 
Warum steht nur Victor auf und benennt es als das, was es ist: Mobbing.
Einer stachelt auf, andere machen mit, die Mehrheit schweigt. 
Nur einer lehnt sich auf. 
 
Was ist bei der Erziehung von 24 Jugendlichen schiefgelaufen?

Montag, 22. April 2024

Keine Party für Niemand

Natürlich weiß ich, dass es in der Überschrift "Keine Party für niemanden" heißen muss - abgesehen davon, dass wir es hier mit einer doppelten Verneinung zu tun haben, also heißt es eigentlich: Party für alle!
Aber es war als Anlehnung an einen bekannten Text der "Scherben" gedacht. 
Hier ist der Moment, wo ein Raunen durch die Menge gehen darf, weil die Andeutung endlich verstanden wurde. 
 
Worum es geht, sind aber weder Liedtexte, noch Musikgruppen. 
Es geht um das Verhalten von Menschen, das nicht der Erwartung entspricht, die man an sie hat. 
 
So hat Victor vor kurzem eine Party bei uns gefeiert. Die Runde war recht klein, weil einige wegen mentaler Probleme abgesagt haben. 
Jetzt erwartet man, dass eine Punker-Fete laut und schrill wäre. Dass gegröhlt wird und gesoffen, die Musik bis zum Anschlag aufgedreht und sich die Nachbarn beschweren. 
 
Nichts davon. 
Gut, es gab einen Alkoholabsturz nebst Erbrechen - das war's. 
Ansonsten gab es gute Musik (naja, überwiegend), Lautstärke völlig in Ordnung. Es wurde Gemüse in Dipps getaucht und "gesnackt" (das heißt, als "Snack gegessen"). Neben Bier gab es selbstgemachte Liköre und sonst kaum etwas hartes. 
Sogar Salzstangen - Inbegriff der Spießigkeit - waren beliebt.  
Dazu dann Deep Talk vom feinsten und wir als Eltern wurden willkommengeheißen, sollten einen mittrinken und wurden in ernsthafte Gespräche verwickelt. 
Die Party war gegen 1.00 Uhr vorbei (hat ja auch schon um 19.00 Uhr angefangen). 
Dabei sprechen wir hier nicht von einem Kindergeburtstag, sondern 18+ mit lauter wildaussehnden Personen.
 
Vergangenes Wochenende war Victor zu "Freunden" gefahren. 
Mit unserem Auto, über die Staatsgrenze, in eine fremde Stadt und diese Freunde hat er auf einer Schulexkursion im vergangenen Jahr nur einmal kurz gesehen. 
Natürlich auch Punks. Die gibt es ja anscheinend in jeder größeren Stadt. 
 
Kurz und gut: Er ist gut angekommen und hat eine schöne Zeit in der Punk-WG verbracht. Zwischendurch hat er uns geschrieben: 
"Sind am Strand spazieren."
"Kochen leckeres Essen."
"Haben Spiele gespielt."
"Gehen bald zu Bett." (Das war gegen 23.00 Uhr)
"Habe gut geschlafen, wir frühstücken auf dem Balkon."
"Fahren zu einer Aussichtsplattform, die Sonne genießen."

Bitte, was sind das für Punks? Ich hatte erwartet, dass die zu einer wilden Feier gehen, die Nacht zum Tage machen und er völlig übermüdet und kaputt wieder zuhause ankommt. Aber nichts - er kommt nach Hause und geht ersteinmal eine Runde joggen, weil er noch Energie und Bewegungsdrang hat. 

Finde nur ich dieses Verhalten merkwürdig?

Mittwoch, 22. November 2023

Das Schweigen dröhnt laut.

Als ob ein Schweigen auch leise dröhnen könnte. 
Nur um das einmal gesagt zu haben. 

Victor hat eine Freundin. 
Große Liebe beiderseits. 
Aber Chloé hat leider einen Knacks. Da kann sie auch nichts für. Das äußert sich darin, jemanden um sich zu brauchen, der Sicherheit gibt. 
Am liebsten 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche. 
Das kann Victor nicht leisten. Das kann niemand leisten. 
Sie weiß es, sie ist in Therapie, aber es im Alltag umzusetzen - da hapert es. 
 
In den ersten Wochen hat er aber sein Bestes getan. Wir haben ihn kaum gesehen und selbst wenn sie hier waren, war nur zu den Mahlzeiten eine Begegnung möglich.  
Allerdings eine der vierten oder fünften Art. 
Denn körperlich waren sie da, vom Kopf her ganz woanders. 
 
Es erinnerte schon etwas an John und Yoko - alleine waren sie nicht mehr zu bekommen. 
Nun hat es innerhalb weniger Wochen mehrmals geknallt. Victor möchte mehr, als seine Freizeit alleine mit Chloé zu verbringen. Er möchte andere Freunde treffen, möchte alleine sein, möchte zu Konzerten oder auch einfach mal einige Stunden für die Schule arbeiten, ohne nebenbei noch telefonisch erreichbar zu sein.
Das kann Chloé aber nicht verstehen. Das will sie nicht verstehen. 
Dramen über Dramen und das seit Wochen. 

Mehrmals war Victor schon davor einen Schlussstrich zu ziehen - auch weil die Kommunikation über Probleme und Lösungen schwierig ist. 
Nun gab es eine Woche "Abstand" - gesehen haben sie sich trotzdem mal, aber halt nur kurz, auf der Straße, mal im Bus. Victor ging es damit gut. Er hat Freunde besucht, war unterwegs, hat für die Schule gearbeitet. Chloé dagegen hatte es nicht so gut. 
Anscheinend hat Victor sich aber einige Freiheiten "erkämpft", denn er verbringt wieder ziemlich viel Zeit selbstbestimmt. Auffallend ist, dass er kaum davon spricht, wann und wo er sie sieht, wiederzusehen gedenkt oder was für das Wochenende geplant ist. Insgesamt wirkt er auch deutlich entspannter. 

Das Schweigen über Chloé ist derart laut, dass man sich gar nicht zu fragen traut.

Mittwoch, 14. September 2022

Nimm Abschied und gesunde!

Tja, die Überschrift hatte ich schon ausformuliert (bzw. Herr Hesse hat das für mich übernommen) und meinte dann dann wohl, ich wüsste noch, was ich schreiben wollte, denn seit Juni steht dieser Post als Entwurf im Hintergrund und harrt der Dinge, die ich schreiben wollte. 
 
Aber was wollte ich denn eigentlich schreiben?
Vielleicht von Victors Abschluss aus der Schule?
Der Abschied von den Nappels aus seiner Klasse. 
Ebenso von liebgewonnen und weniger liebgewonnenen Lehrer.
usw. usw. usw. 
 
Es mag sich ein jeder selber ausdenken, denn ich weiß gar nicht mehr, worum es ging. 
Tatsächlich habe ich auch gar nicht viel Lust zu schreiben. 
Mir ist da nicht nach. 
Zuviel Arbeit und viel zuviel, was ich privat um die Finger habe. 

Also bis bald.


Donnerstag, 19. Mai 2022

... und sonst so?

Bei dem ganzen Mist, der weltweit passiert, mag man sich gar nicht recht zu Wort melden, um seinen üblichen Kram von sich zu geben. 
 
Aber der passiert halt trotzdem. 
 
Victor war auf Klassenfahrt - die vier Häuse Gryffindor, Slytherin, Hufflepuff und Rawenclaw sind ins benachbarte Ausland gefahren, um den Gemeinschaftsgeist zu stärken.  
Daraus ist dann für zwei Häuse ein großes Chillout geworden, während Syltherin und Gryffindor ausgebeint wurden; jeden Tag mussten einige Stars aufgrund von Corona das Sommerhaus verlassen, bis nur noch Hufflepuff und Rawenclaw übrig waren. 
Victor war in Rawenclaw und hat mit seinen Kumpels (und Kumpelinen) den Tag zwischen Strand, Dünen, Sauna und Netflix verbracht. Viel Spaß, viel Nixtun, viel gute Laune und etwas im eigenen Saft garen. 
Während Hufflepuff die Woche ziemlich langweilig fand. 
 
So unterschiedlich kann es sein.  
 
Yolande ist dagegen alleine in Prag, genießt die Kultur, geht in die Oper und erfreut sich an schönen Dingen.
Aber zum Wochenende ist sie wieder in ihrem Studiendomizil, weil sie bei einem Konzert mitwirkt. 
 
... während nur wenige Kilometer weiter der Russe seinen Nachbarn plattmacht. 

Montag, 10. Januar 2022

Wissen ist Nacht!

Der Satz "Wissen ist Nacht" spiel im Roman "Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär" eine zentrale Rolle.
Wer das Buch kennt - also das Buch, nicht das Hörbuch - weiß, dass es eine Schwarte ist. 
700 oder 800 Seiten - mit Abzügen bei der B-Note. Es gibt viele Zeichnungen, teilweise über eine ganze Seite, der Schrift ist nicht allzuklein und es gibt einen Rand, an dem Unterüberschriften stehen. 
 
Worauf ich hinausmöchte: Nicht jedes Kind mag lesen. War vor 30 Jahren nicht anders als heute, mit dem Unterschied, dass es außer Fernsehen und Gameboy wenig anderes gab.  
Sofern wir von basteln, Modellbau, Sport, draußen spielen, Freunde treffen, musizieren/Musik hören, zeichnen oder backen/kochen absehen. Das sind halt alles Dinge, die Aktion bedeuten. 
Wer sich nicht langweilen wollte, musste aktiv werden. 
Heute nimmt uns das Smartphone jede Langeweile. 

Alles in allem kein großer Anreiz mehr das Lesen zu kultivieren. 
Hier habe ich in einer Fußnote beschrieben, dass Victor Mühe beim Lesenlernen hatte. 
Vielleicht gibt es sogar einen "richtigen" Beitrag darüber, aber den habe ich nicht gefunden. 
Tatsächlich habe ich viel mit ihm geübt und unser beider Geduld wurde arg strapaziert. 

Er hat lesen gelernt, aber es war nie sein liebstes Hobby. 
Doch irgendwann hat er entdeckt, dass er neues lernen kann, wenn er liest. Neue Welten taten sich auf. Er ist geschichtlich interessiert und so waren plötzlich Bücher im Fokus, in denen deutsches Zeitgeschehen als Roman verarbeitet wurde. 
Siehe da, er liest fleißig, gerne, versteht, was er liest. 
Bücher mit 200, 300, 400 Seiten. 
Das hätte ich vor 10 Jahren noch nicht gedacht. 

Damit möchte ich eines hervorheben: Eltern, lest mit Euren Kindern! Nehmt Euch Zeit. Lest vor, macht neugierig, verbringt "Quality Time" mit den Blagen. Führt sie positiv an Bücher heran. 
Es lohnt sich. Gemeinsam "erlebte" (erlesene) Geschichten verbinden. Das können immer wieder Anknüpfpunkte für Gespräche sein, ihr bleibt im Gespräch und "verliert" die Kinder nicht. 

Das Ergebnis zählt! Selbst wenn Sie Groschenromane lesen oder Fanfic, Disneys lustige Taschebücher oder auch Mangas. Die Fähigkeit einer Handlung zu folgen, geschriebene Inhalte aufzunehmen und zu verstehen sind auch in einer "digitalisierten" Welt unbezahlbar. 
Nehmt Euren Kindern diese Chance nicht sondern eröffnet ihnen durchs Lesen neue Welten. 

Victor liest gerade "Käptn Blaubär", ein Wälzer mit 700 Seiten oder mehr - natürlich ist das keine deutsche Hochliteratur, aber er liest freiwillig und gerne. Zu sagen, er kämpft sich da durch, wäre falsch. Er erobert sich spielend einen Kontinent namens Zamonien und das alles ohne Druck und Ärger. 

Eltern - nehmt Euch Zeit für die Kinder und lest - es zahlt sich tausendfach zurück!

Dienstag, 26. Oktober 2021

Aus einem Stall

Dieser Post ist schon älter. Irgendwie ist er untergegangen und wurde nie veröffentlicht. 
Es mag schon vier oder fünf Jahre her sein, dass ich diese Aufstellung gemacht habe. 
Sie ist nicht mehr up to date. Einiges hat sich überholt, anderes ist geblieben. 
Trotzdem stelle ich jetzt den originalen Text online, einfach nur als Hinweis darauf, dass auch leibliche Geschwister sehr unterschiedlich oder gegensätzlich sein können.
Das zu akzeptieren und alle Kinder anzunehmen und zu lieben, heißt, Familie zu leben. 

In der australischen Mädchenserie "Sleepover Club" hieß eine der (oft zitierten) Regeln: 
"Gib Deinen Freundinen kein schlechtes Gefühl."
Grundsätzlich sollte das auch für die Kinder gelten. Wenn eines kein Fleisch essen möchte, oder sich über die Weingummis, die Tante Chlothilde immer schenkt, nicht freut, dann sollte man signalisieren, dass es in Ordnung ist. Evtl. einen Weg finden, wie Unbehagen so aus dem Weg geräumt werden kann, ohne dass sich jemand ans Bein gepinkelt fühlt. 

Nun viel Spaß beim Lesen und macht Euch Eure eigene Gedanken. 

Zwei Kinder aus einem Stall:
Yolande mag:
Schule
lesen
Fremdsprachen
Fisch
Schwarzbrot
Obst und Gemüse
keine Litschies
Käse, Kräuterquark
schlafen
Sport
geselliges Beisammensein
kein Weingummi
Brokkoli
Wise Guys

Victor mag:
keine Schule
Bücher ohne etwas zu lesen
keine Fremdsprachen
Fleisch
Graubrot
Äpfel und Litschies - aber auch nur die!
Aufschnitt aus toten Tieren
wach sein
spielen (aber kein Sport und Fußball ist "schwul"!)
alleine sein
Weingummi
Blumenkohl
Bravo-Hits

Besonders beim Essen sind die beiden wirklich konträr, da eine Schnittmenge zu finden, ist ein wirklich schwieriger Akt.

Was der eine mag, mag der andere gar nicht.

Doch es gibt auch Schnittmengen:
Beide mögen Musik, beide sind gerne draußen und klettern auch viel.
Beide mögen Eis und Schokolade (allerdings geht hier Vollmilch gegen Bitter).
Gerne zuhause sind auch alle beide.
Zudem mögen sie beide nicht unbedingt gerne neue (Essens-)Sachen probieren.
...und reden. Manchmal glaube ich, dass diese Kinder Schmerzen haben, wenn sie nicht reden können! "Sei doch mal leise!", wie oft möchte ich diesen Satz sagen - manchmal tue ich das auch.

Freitag, 24. September 2021

Immer an der Wand lang

Hier ein Beitrag, der schon einige Jahre "eigentlich fertig" rumgelegen hat. 
Jetzt ist es schon fast zu spät, den noch glaubwürdig zu posten. Die Kinder sind groß, gemeinsames Basteln oder Plätzchen-Backen kommt so gut wie nicht mehr vor.
Aber vielleicht spricht der Inhalt doch noch den einen oder anderen Eltern aus der Seele:
 

Meine Wenigkeit, als Generation nach der Nachkriegs-Generation wurde stets drauf geeicht, sparsam zu sein. Nichts zu verschwenden, alles bis aufs Letzte auszunutzen.

So lernte ich nicht nur, Yoghurtbecher und Nutellagläser so auszukratzen, dass sie bereits vor dem Abwasch praktisch sauber waren, Äpfel aß ich inkl. brauner Stellen und mit Kerngehäuse, Geld gab ich nur aus, nachdem ich es drei bis vier mal gedreht hatte und beim Verwerten von Papierbögen, Stoff(resten) und Plätzchenteig war ich nicht zu schlagen.
Ganz klar wurde am äußersten Rand angefangen, jede Ecke wurde genutzt, es wurde Teil an Teil gelegt, damit kein Material verschwendet wurde.
Dabei ist mir nicht bewusst, dass mir das aufgedrückt wurde oder ich aktiv angeleitet wurde.
Es war einfach so.

Derartige Feinheiten fehlen den Kindern heute anscheinend völlig.
Kekse werden mitten aus dem Teig rausgestochen, Papier wird in einer Ecke bemalt und dann weggeworfen und von den leeren Yoghurt-Bechern könnte in Kind in der dritten Welt noch eine Woche lang essen.
Ja, ich übertreibe boshaft, das ist mir bewusst.

Aber warum schaffe ich es nicht, meine Sparsamkeit - zumindest die guten Seiten davon - sinnreich zu vermitteln und weiterzugeben??

Kinder sind der Spiegel, der mir täglich vorgehalten wird.

Dienstag, 12. Januar 2021

Weihnachten und Silvester

Das neue Jahr ist schon halb rum und ich habe noch immer nichts geschrieben. 
Dabei gäbe es so viel. 
Fangen wir mal damit an, dass wir Weihnachten hatten. 
2020 war alles anders. 
Tatsächlich sollte 2019 das letzte Jahr sein, in dem Estelle für den Weihnachts-Familiengottesdienst verantwortlich war. Also hatten Yolande und ich auch das letzte Mal einen Auftritt als Saxophon-Duett. 
Soweit war die Planung. Dann kam Corona und es gab nicht einmal einen richtigen Gottedienst. 
Sehr schade, aber was half alles lamentieren. Unser Herr Pasteur ist, von der Feuerwehr begleitet, durch die Dörfer gefahren und hat Straßenandachten gehalten. Einfälle muss man haben. 
Ansonsten hatten wir es ruhig, so wie auch Silvester. Gemütlich essen, Dinner For One, etwas spielen und dann gemeinsam nach draußen, um das neue Jahr zu begrüßen. 
Es war stiller als sonst, aber auch andere hatten noch Batterien und Raketen gehortet, also gab es immerhin etwas an Feuerwerk. Knaller, Kanonenschläge und dergleichen waren aber sehr selten zu hören. 
Am nächsten Tag waren also auch kaum Reste auf der Straße zu beseitigen. 
Es war das letzte Mal, dass wir als Familie zusammen gefeiert haben. 
2021 wird Yolande mit ihren Freunden und Victor mit seinen Freunden feiern. Wir Alten müssen dann selber ein Fass aufmachen. 
Sofern wir die zweite, dritte und vierte Welle überleben. 
Im Moment wütet das Virus schlimmer als zuvor und niemand weiß so recht, was noch passieren wird. 
Tatsächlich finde ich, die sollten einige Anti-Corona-Demos steigen lassen, mit verbindlicher, namentlicher Anmeldung und einem damit verbundenen Verzicht auf ärztliche Hilfe, bzw. Sauerstoffgabe/Beatmung im Falle einer Erkrankung. 
Einige Probleme ließen sich so einfach lösen. 

Meine treuen Leser merken, auch dieses Jahr spare ich nicht mit zynischen Bemerkungen, Sarkasmus und abfälligen Bemerkungen über alle anderen. 

Frohes neues Jahr.

Freitag, 11. Dezember 2020

Vom Vorlesen und Keksebacken

Tatsächlich kommen jetzt erstmal einige Absätze Geplänkel, in denen ich mich wie üblich über meine Mitmenschen lustig mache. 
Der wirklich wichtige Teil kommt erst weiter unten. 

Schon immer habe ich gerne gebacken. Plätzchen, Kuchen, Brot. 
Dabei neige ich zu den einfachen Rezepten. Die Sachen müssen Hand und Fuß haben, kein Schickimicki, kein Goldrand und vor allem muss es schmecken. 
Modetorten in quietschbunten Farben, sind bei mir nicht zu finden. 

Der Erfolg gibt mir recht. Mein Kuchen wird gerne gegessen, meine Plätzchen finden regen Absatz. 

Jetzt geht es in die nächste Generation - Yolande sitzt in einer fernen x-beliebigen Universitätsstadt, betreibt Home-Studying (schreibt man das wirklich so?) und backt Weihnachtskekse. 
So kamen auch prompt per Newmedia erst Bilder und später auch Kommentare. 

Sie beschrieb ein mir bekanntes Szenario: Die Kekse kommen gut an, sind schon fast weg und diejenigen, denen ein Döschen geschenkt wurde melden (von sich aus), wie lecker die sind und ob es evtl. noch einen klitzekleinen Nachschub geben könne. 

Dem gegenüber stehen dann die Plätzchen, die uns geschenkt werden. 
Es ist ja lieb gemeint, aber bitte behaltet eure Steinküchlein. Wir brauchen kein Staubgebäck und auch keine Dekokekse ohne Geschmack. 
Warum tut ihr uns und auch euch selbst das an?
Könnt oder wollt Ihr das nicht besser machen?
Schmecken euch die eigenen Kekse, oder seid ihr so freigiebig, weil ihr die loswerden wollt und sie auch euch nicht munden?
Nein, nicht jedes Rezept ergibt leckeres Gebäck. Das ist auch bei mir so, aber ich sortiere aus. 
Schmeckt der Keks nicht fliegt das Rezept ins Altpapier. 
Bei Fehlversuchen, die auf meine Kappe gehen, mache ich Notizen und probiere es ein anderes Mal erneut und bringe (hoffentlich) eine Verbesserung ein. 
Aber Lebensmittelabfälle werden von mir nicht zur Tarnung hübsch eingepackt und verschenkt. 
So misantrophisch bin nicht einmal ich. 
Interessant dabei, dass auch Yoland mir berichtet, wie sehr sich ihre Erfahrung mit meiner o.g. Beschreibung deckt. 

Jetzt zu den wichtigen Dingen im Leben. 
Yolande berichtete aus ihrem Studium, wie ein Prof die Wichtigkeit des Vorlesens bei Kindern herausgestellt hat. 
Das sei nicht nur eine gemütliche Zeit zusammen, sondern es verbessere die Konzentrationsfähigkeit, den Wortschatz, trage zu einer positiven Einstellung zur Sprache im allgemeinen bei und zu guter Letzt haben Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde bessere Noten in Sprachen und Mathematik. 
Jungs profitieren deutlich mehr vom Vorlesen, als Mädchen. 

Nicht, dass wir immer alls gut und richtig gemacht hätten, aber Vorlesen war immer ein Bestandteil des Abendrituals. Ist es so schwer, sich mal diese Viertelstunde um das Blag zu kümmern und etwas zu lesen? Warum ist das nicht allgemeiner Konsens.

Auch wenn Eltern nicht oder nicht sicher lesen können, dann kann anhand eines Bilderbuches eine Geschichte erzählt werden. Lasst Phantasie zu, gebt dem Kind Raum, die Geschichte mitzugestalten und entwickelt eigene Ansätze. Das gemeinsame Lesen (und Leben) bietet Chancen - nehmt sie wahr. 

Nein, nicht jedes Kind wird durch Vorlesen zum Einstein. 
Wahrscheinlich gar kein Kind, wenn es nicht das entsprechende genetische Potential mitbekommen hat.
Aber die Schulzeit wird für alle leichter, wenn Jungemädchenkindjugendlicher mit einem positiven Verhältnis zu Buch und Sprache durchs Leben geht. 
 
In diesem Sinne - raus mit den Büchern und dann wird vorgelesen!

Mittwoch, 11. November 2020

Identische Symptome

Bei einem gemütlichen Abend mit Freunden (also noch vor Corona) plauderten wir über dies and das.
So kam es zur Sprache, dass deren Sohn in den schönen Frühjahrs- und Sommermonaten
mit dem Fahrrad zur Schule gefahren ist. Immerhin sind das fast 20km. Für sich genommen
ist das schon eine reife Leistung. Dann stellt der Herr Papa allerdings fest, dass sich das Rad nur
schwer bewegen ließ. Die Rücktrittbremse war irgendwie halb fest, die Bremsbeläge schleiften,
alles in allem Kleinigkeiten, die den Fahrgenuss doch schmälerten.
Doch nichts, was sich nicht mit etwas Werkzeug und Zuwendung zu beheben ging.
Nun fährt das Rad wieder leicht und gut, der Sohn ist begeistert.

Wenn ich daran denke, wie es "früher" war...
Im Alter zwischen 10 und 17 habe ich viel an meinem Rad geschraubt.
Das Rad war ein "Rennrad", das ich als Werbeprämie für den Bertelsmann Club bekommen habe.
Also ein "normales" Fahrrad ohne Schutzbleche und Beleuchtung, dafür mit 10-Gang-Schaltung,
Rennlenker mit entsprechenden Bremshebeln und Pedalen, an denen Schnallen für die Füße
waren. Irgendwann war die Welle vom Tretlager ausgenudelt und musste ersetzt werden,
dem Zahnkranz habe ich mal neue Lagerkugeln gegönnt, (die man damals noch lose beim
Fahrradhändler bekam), die Gangschaltung war auch hakelig und benötigte oft etwas Zuwendung.
Auch Rost war ein Thema und das Rad war später nicht mehr weiß, sondern rostschutzfarbenrot.
Bei alledem war ich nicht alleine. Mein bester Kumpel hat auch viel geschraubt, umgebaut,
angebaut, gemalt. Oft haben wir das zusammen gemacht.
Unsere Räder liefen - immer!
Dagegen haben sich unsere Eltern rausgehalten, bei Fragen standen sie parat, aber ansonsten
lag das in unserer Verantwortung.

Woran liegt es, dass sowas heute nicht mehr funktioniert.
Was ich da hörte erinnert mich an Yolande und Victor - wenn am Fahrrad was nicht funktioniert,
wird da nicht von gesprochen, sondern es wird hingenommen.
Victor sagt zumindest Bescheid, wenn die Bremsen nicht mehr richtig arbeiten oder schleifen,
aber selber mal den Schraubenschlüssel in die Hand nehmen? Gar nicht dran zu denken. 


Hört man ein wenig "zwischen den Zeilen", dann ist dieses Verhalten anscheinend gang und gäbe.
Egal ob bei Fahrrädern, bei Kleidung, Schultaschen...
Es wird drauf gewartet, bis Mama oder Papa feststellt, was gemacht werden muss und
das dann auch wirklich macht. Aber Eigeninitative ist irgendwie nicht zugegen.

Jetzt frage ich mich: Was hat diese Elterngeneration falsch gemacht?

Montag, 27. Januar 2020

Männerwochenende

Victor und ich hatte ein Männerwochenende.

Was Männer da so machen?

Wir waren im Baumarkt.
Wir haben im Hobbykeller lustige Sachen gebastelt.
Wir haben Männeressen gekocht und gegessen:
Sonnabend gab es Bratkartoffeln und Sonntag Gulasch - die Variante ohne Gemüsekram.
Wir haben bis spät in die Nacht Filme geguckt und haben Bier getrunken (bzw. alkohlfreie Fassbrause).
Er war noch im Fitnesscenter, ich hatte noch einen Auftritt.
Zum Schluss haben wir noch etwas aufgeräumt und den Ofen angemacht.

Schön war es.

Aber schön war es auch, als Bea wieder da war.

Montag, 9. September 2019

Schluss und aus.

Jetzt war es soweit.
Jolande ist ausgezogen.
Nicht zwei Straßen weiter, oder in die nächste Stadt - nein, wir sprechen hier von rund 6 Stunden Autobahn, bei viel Verkehr auch mal 8 Stunden.

Da war man 18 Jahre Papa, Freund, Vertrauter, Seelentröster, Nachhilfelehrer, Taxifahrer, Begleiter zu Konzerten oder Theater, Meckerpott, Korrektiv, Aufbauhelfer und Scheuerpfahl.
Habe sie herumgetragen, wenn sie nicht schlafen konnte, angefeuert, wenn es nötig tat, Wunden verbunden, Spielzeug repariert, fahrrad- und autofahren gelehrt, sie immer zur Selbständigkeit ermuntert...

... und dann ist sie auf und davon.

Es fällt uns sicher schwerer als ihr.
Sie war immer die Große, immer ein Gegenüber, immer präsent.
Fransçoise und mir fehlt auf einmal ein intellektueller Gesprächspartner, jemand, der seine Wäsche im ganzen Haus verteilt und alles stehen und liegen lässt. Das Mädchen, dass jeden Tag als Kindergeburtstag sieht und schon morgens singend umherhüpft.
Auch Victor wird sie vermissen, denn er kennt kein Leben ohne sie - ab jetzt ist er Einzelkind.
Die große Schwester, mit der er herumalbern konnte, die Musik mit ihm hörte, die für ihn da war und alles wusste - ein Whatsapp-Kontakt ist kein Ersatz dafür.

Kurz gedrückt, ein knappes Tschüss und dann war es soweit.
Willkommen im neuen Leben.



Dienstag, 3. September 2019

Spiel ein Spiel mit mir

Spiele spielen ist lehrreich und wichtig.
Nebenbei macht es auch Spaß.

Gute Gründe, auch als Familie mit den Kindern zu spielen.
Blablabla, lest Euch die Vorteile und spielerisch vermittelten Werte in einschlägigen Zeitschriften durch.

Hier geht es nur um den Spaß!

Hoch im Kurs steht bei uns gerade "Mogelmotte" - ein Spiel, bei dem Karten abgelegt werden müssen.
Fast so wie Uno, aber einfacher (es gibt nur drei verschiedene Aktionskarten), die Runden sind kürzer und vor allem das, was das Spiel wirklich witzig macht:
Karten dürfen und müssen "weggemogelt" werden.
In den Ärmel schieben, unter den Tisch fallen lassen, draufsetzen - ganz egal.
Hauptsache man wird seine Karten los.
Eine ist die "Wächterwanze" = Aufpasser und muss mit Argusaugen über die Spieler wachen, während er ganz normal mitspielt.

Wir haben selten so viel gelacht.

Eine klare Empfehlung von mir für dieses Spiel!