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Dienstag, 15. Oktober 2024

Ein neuer Frühling

Groß war die Hoffnung - und so schnell gab es eine Bauchlandung. 

Zum Musikzug war ein "Neuzugang" gekommen, der großen Schwärmerei wegen hatte ein Mädchen - der Einfachheit halber bleiben wir mal bei "Anna" - schon einige Übungsabende bei uns verbracht. 
Dann hat sie jemand bequatscht, ein Instrument zu lernen. 
Die Wahl fiel aufs Saxophon, somit war ich schon wieder mit im Boot und habe an einem folgenden Abend versucht, der neuen Anna das Instrument nahezubringen. 

Um es kurz zu machen - wir haben am selben Abend entschieden, die Sache auf sich beruhen zu lassen. 
Bei ihr sah es so aus, als wüsste sie gar nicht, was sie mit dem Instrument anfangen sollte. Es wirkte wirklich nicht so, als wäre überhaupt Bereitschaft da, ernsthaft anfangen zu wollen. Ja, sie hat ein paar Töne rausbekommen; dünn und luftig, so wie man es von Anfängern halt kennt. 
Aber das Prinzip, wie sie die Töne produziert hat sie anscheinend nicht verstanden. Es war mehr Zufall, wenn ein Ton kam und sie ließ sich auch nicht erkennen, dass sie irgendwie etwas lernte. 
Also bei jedem Mal etwas mehr Gefühl dafür bekam, was sie besser, "richtiger" oder auch anders hätte machen können. 
Sie hat dann auch recht schnell gesagt, dass das wohl nichts für sie wäre und üben würde sie auch nicht (wollen). So war die erste Übungsstunde auch gleich die letzte. 
Da sie keinerlei Ambitionen hegte, auch noch ein anderes Instrument zu probieren, bleibt nur, diese Anna unter "immerhin hat sie es mal versucht" abzuhaken. 

Ehrlicherweise gebe ich zu, dass ich es gut finde, dass sie deutlich abgesagt hat. Das erspart mir und auch ihr eine Woche Hoffen, Bangen und Frust und vor allem mir auch einen weiteren Abend, an dem ich früher und wirklich pünktlich los muss. 

Ein bisschen schade ist es dann doch, weil wir gut noch ein weiteres spielendes Mitglied hätten haben können. Egal ob am Saxophon, an der Trompete oder sonstwo. 
Aber vielleicht findet sich mal wieder jemand, der dann auch Lust hat, ein Instrument zu lernen und nicht nur kommt, weil er überredet wurde.

Dienstag, 10. Oktober 2023

Einfach, billig und trotzdem gut

Es ist ja so. Bei jeder Gelegenheit meckere ich über die billigen Saxophone aus dem Internet. 
Natürlich habe ich Recht. Es gibt da draußen ganz schlimme Dinger, die eigentlich nur zur Deko taugen. 
Aber anscheinend habe ich die eine oder andere Marke auch unterschätzt. 
Die Dame, die bei uns im Musikzug das erste Altsax spielt, hat ein Alto von Arnolds & Sons. 
Eigentlich habe ich die immer im Billigstsegment und bei Instrumenten um EUR 200 gesehen. 
Gerade habe ich mal geguckt und selbst bei Amaz.. kosten die fast 600 EUR. 
Vielleicht doch etwas mehr Qualitätsanspruch dahinter, als ich dachte. 

Gestern kam besagte Dame zu mir und sagte, das tiefe Cis klänge nicht. "C" ist super, aber das "Cis" quietscht nach oben weg. Ein kurzer Blick und meine Vermutung wurde bestätigt. Die Kopplung der Gis- und der Cis-Mechanik funktioniert. Nicht in Ordnung war dagegen die Koppelung der F- und Gis-Klappe. 
Kurz erklärt: Um einige Tonfolgen, bzw. Grifffolgen zu vereinfachen gibt es Kopplungen, die dem Spieler etwas Arbeit abnehmen sollen. 
So öffnet die Mechanik für das tiefe Cis auch das Gis und erlaubt so etwas Schlusigkeit beim Greifen oder auch entspanntere Tonwechsel in bestimmten Lebenslagen.
Wird dagegen die F-Klappe gedrückt, drückt ein kleiner Hebel die (normalerweise geschlossene) Gis-Klappe nochmal extra zu.  
Fügen wir beides zusammen: Soll das tiefe Cis klingen, will die Mechanik auch die Gis-Klappe öffnen - dann quietscht aber das Cis nach oben weg, darum schließt die F-Klappe die Gis-Klappe und das Cis klingt. 
Hier war es nun so, dass die Gis-Klappe doch ein bisschen aufging - das reichte, um einen Missklang zu erzeugen. 
Einige Umdrehungen an der entsprechenden Einstellschraube und das Problem war Geschichte. 

... und? Was war es jetzt wert, diesen Artikel zu lesen?
Alte Saxophone, billige Saxphone und auch einige Firmen von heute haben dieses Hebelchen zwischen F und Gis sehr einfach ausgeführt. Kein Schräubchen, nix zum schnellen Einstellen. 
Im Gegenteil, es muss etwas Kork zugeschnitten und angeklebt werden oder das Hebelchen braucht eine zarte Biegung. Alles, was aufwendig ist oder mehr Schaden anrichten kann, als dass es gut wird. 

Das Billo-Sax (Hihihi, mal wieder "Billo" verwendet) hat dagegen ein Einstellschräubchen, was nicht einmal jedes Premium-Sax hat. 
Darum war es der Artikel wert, geschrieben zu werden und ich werde mal meine Ansichten zu den billigen China-Tröten überdenken müssen.

Mittwoch, 27. September 2023

Anna VI

Habe ich richtig mitgezählt? Es müsste die sechste Anna sein. 
Diese Anna hat vor Jahren schon Saxophon in einer Band gespielt und nach einigen Jahren Babypause möchte sie gerne wieder Musik machen. 
Herzlich willkommen.
Unser Musikzug hat sogar ein vernünftiges Saxophon für sie gekauft - die Gelegenheit und das (gebrauchte) Saxophon waren da. 
Tatsächlich hatte sie ein eigenes von ihrem Mann geschenkt bekommen, aber...
Habe es ja selbst nicht geglaubt, das Ding war nicht schön. 200 Euro aus dem Internet, eine No-Name-Marke und sah nach Saxophon aus. 
Aber die Tasten standen wild nach hier und da, Klappenabstände willkürlich, Schrauben standen hervor, unangenehme Kanten hier und da, ein "Billo-Mundstück" (um mich mal eines modernen Jargons zu bemühen; Billo bedeutet billigst.)
Sie sagte selber, sie bekommt da nur Quietschen raus. 
Mit dem Mundstück - kein Wunder! 
Habe mit meinem Selmer Soloist einige brauchbare Testtöne spielen können, aber das war's auch. 
Die tiefe Cis-Klappe hat eigentlich keine Funktion, außer, dass sie dichthält (immerhin!), aber öffnen lässt sie sich nicht über die dafür gedachte Mechanik. 
Das geht als Regeninstrument oder für Guggenmusik (die es bei uns gar nicht gibt). 

So möchte ich zwei Sachen ausdrücken: Freude über eine neue Anna, die ich nicht grundsätzlich ausbilden muss und die Warnung, einfach auf obskuren Websites irgendwelche billigen Saxophone zu kaufen oder No-Name-Saxes gebraucht holen. 
Kauft beim Händler, am Besten vor Ort, am Besten mit Beratung und nachdem ihr das Instrument angespielt habt. Nehmt jemanden mit der Ahnung hat, falls nur wenig Spielerfahrung da ist. 
Besser einen großen Schein investieren und Jahre oder Jahrzehnte Freude an einem Instrument haben, als nur wenig hinzulegen und sich bei jedem spielen zu ärgern, was vielleicht dazu führt, dass man aufgibt oder sich doch ein besseres Instrumtent holt. 
Wer billig kauft, kauft zweimal - der alte Spruch hat noch immer Gültigkeit.

Montag, 15. November 2021

Wenn Idole nicht mehr so ideal sind...

Tenorsaxophon, das war immer mein Traum.
Der rauchige Subtone, das jazzige Image, das coole Aussehen.

Aber mein Vater hat sein Tenor schon vor Jahrzehnten verkauft, und spielte auf einem Altsax.
So blieb mir nix anderes übrig, als auch Altsax zu spielen.

Über das Alto kam ich dann zu Candy Dulfer, die war frisch, sexy und funky.
Wobei mich vor allem die Musik ansprach.
Der Funk hat mich begleitet und hier war halt das Altsax viel präsenter, als das Tenor.

Zwischenzeitlich hatte ich mir ein Tenor geliehen, aber der Funke sprang nicht recht über.
Dann kam das Bariton, was mich so sehr fasziniert hat, dass ich mir Jahre später ein eigenes zugelegt habe. Aber das Alto blieb und bleibt die Nr. eins!

Candy spielt Alto, weil ihr das Tenor zu schwer ist, auch wenn sie meint, das Altsax sei ein Girlie-Instrument. Aber auf auf dem Girlie-Sax spielt sie unglaublich virtuos, funky, dreckig und laut.
Der Funk kennt viele Spielarten. Der von Candy Dulfer, Maceo Parker und Fred Weasley gefällt mir gut. 
Musikalisch entwickelte Candy sich weiter, so muss es ja auch sein.
Es wurde sehr elektronisch, die Drums kamen aus dem Rechner, Hupfdohlen sprechgesangen und MC's rappten ihren Kram.
Während Ende der 90er böse Zungen behaupteten, Candy sei in den 80ern stehen geblieben, finde ich, dass sie sich heute anhört, als sei sie in den 90ern angekommen.
Ein Jahrzehnt, dass musikalisch nicht meinem Geschmack entsprach und -spricht.
Auch ihre neueste CD (LP, Download - was immer ihr wollt) findet keine Gnade vor meinen Ohren.
Es klingt weichgespült und beliebig, nichts, wo der Fuß wippt, das Herz im Takt zuckt und man am liebsten aufspringen und tanzen möchte.
Langweilig.
Fertig aus.

Am Alter kann es nicht liegen: Maceo Parker ist funky, wie eh und je.
So ist es halt. Das Idol meiner Jugend hat mir nicht mehr viel zu sagen.

Dienstag, 2. Juni 2020

When I want Sax...

Jetzt habe ich sie.
Die (Auto-)Biographie von Candy Dulfer.
Tatsächlich für einen Schleuderpreis hinterhergeworfen. Die ursprünglichen 25 EUR haben wohl viele abgeschreckt und da sie nur auf niederländisch erhältlich ist, kann der Markt nicht so groß sein.

Mir ist das egal, ich lese dann eben auf niederländisch, was ich zwar nicht kann, aber die Sprache ist mit unserer doch verwandt.

Einige Klippen gilt es zu umschiffen und nicht jeder Satz ist mir klar, aber den großen Zusammenhang kann ich erkennen. Falls mir ein Schlüsselsatz oder ein wichtiger Absatz ganz fremd bleibt, nutze ich dict.cc und übersetze mir die Worte, die mir fehlen.

Doch es gibt auch viele "Vokabeln", die vertraut klingen.
Genau das ist der Schlüssel, wenn einiges laut (und sicherlich sehr falsch :-) ausgesprochen wird, dann erschließt sich oft der Sinn eines Wortes.
"zin" = Sinn
"zag" = sagen
"en" = "and" = und

"daar" = da (oder dort)

Wobei es auch "false friends" gibt. Die sehen und klingen einem deutschen Wort ähnlich,
bedeuten dann aber etwas ganz anderes:
"haar" = "her" = sie (oder ihr)  und keinesfalls "haben" oder "hatten"
"hoofd" = Haupt/Kopf und keinesfalls "Heft"

Einige Sachen benötigen einen kleinen Umweg, bevor ich sie verstehe.
"pesten" = ärgern, hier gibt es bei uns tatsächlich de Redewendung: "er pestet rum" und damit ist gemeint, dass jemand, ärgert, piesackt oder einfach nur nervt.
"altijd" = "all time" = immer
"uur" = "Hour" = Uhr
"een keer" = ein Mal  - een keer-> eine Kehre-> eine Runde-> ein Mal
Manchmal ergibt sich der Wortsinn aus dem Zusammenhang und man findet eine "Herleitung" für einen Begriff. Dann muss man beim nächsten Mal nur noch kurz oder gar nicht überlegen.

So geht das Lesen immer etwas flüssiger.
Es ist also ein großer Spaß und ich bin gespannt, wass Candy noch alles zu erzählen hat.

Montag, 19. August 2019

Törööö!!

Vor einigen Jahren wurde mein Baritonsax neu gepolstert, ausgebeult, gerichtet und die Tonlöcher geplant. Gut, wem das alles nichts sagt: Es wurde einmal schick gemacht.
Jetzt fiel mir auf, dass einige Töne nicht so kamen, wie gewollt. Es gab regelrechte Problemtöne.
Vorerst suchte ich den Fehler bei mir; wenig Übezeit, viel Übebedarf - kurz und gut, wer nicht regelmäßig 10km läuft, sollte sich nicht für einen Marathon anmelden.

Doch im Urlaub habe ich regelmäßig geübt und trotzdem wurde es nicht besser.
Somit stand dann doch mal ein Besuch beim Saxdoc an.
Der nächste kompetente Doc ist gut zwei Stunden Autoweg entfernt. Hin und zurück also vier, wenn kein Stau dazwischenkommt. Zuzüglich der ein oder zwei Stunden Arbeitszeit am Saxophon.
Tatsächlich sprechen wir hier von einer Tagesreise.
Kann jemand verstehen, dass ich diesen Weg gescheut habe?

Zum Glück kommt alle zwei bis vier Wochen ein Holzblasinstrumentenmachermeister in der Nähe vorbei. Kurzentschlossen habe ich das Horn eingepackt, das Sax abgegeben und nach einer Stunde kam die Erlösung: Das Instrument ist wieder einsatzbereit.
Tatsächlich lag es nicht (nur) an mir: Das tiefe E deckte nicht mehr gut und das G gar nicht mehr,
hier war sogar ein Böckchen nicht mehr im Kurs.
Für alle nicht Saxophonisten: Macht mit dem Fingernagel ein kleines Loch in einen Actim@l-Deckel und schüttelt das Fläschchen anschließend.
Das Ergebnis ist eine große Sauerei, weil die degenerierte Milch nach überall hin spritzt.
Auf's Saxophon übertragen bedeutet das, die Luft entweicht an den falschen Stellen und dadurch klingt es einfach saumäßig. Wer Erinnerungen ans Blockflötenspiel hat, weiß, wie wichtig es ist, die Finger richtig auf die Löcher zu legen.

Das soll nun alles wieder funktionieren, ich kann es kaum erwarten, drauf zu spielen.

Mittwoch, 7. August 2019

Anna, The Neverending Story

Treue Leser können sich vielleicht noch an Anna erinnern.
Damit meine ich die echte, erste, ursprüngliche Anna.
Von ihr habe ich 2013/14 geschrieben.
Anna wollte Saxophon lernen und machte im ersten halben Jahr auch leidlich Fortschritte.
Doch danach stagniere alles.
Es ging nicht voran, Übungsstunden wurden verschwitzt,  geübt wurde auch nicht, kurz und gut; es machte keinen Spaß. Ihr nicht und mir auch nicht.
Bis dahin habe ich immer gedacht, wer ein Instrument grundsätzlich spielen kann, sollte such eine bekannte Melodie nachspielen können.
Egal, ob nach Noten oder nach Gehör - aber hier klappte nix.
Zum Glück nahte ihr Schulabschluss und sie hat nach zwei Jahren freiwillig aufgehört.

Jetzt ist Anna groß, hat einen Job und einen Nebenjob.
Leider da, wo ich auch gerne eingekauft habe.
Soweit nicht schlimm, aber letztens sprach sie mich drauf an, dass sie gerne wieder spielen würde.
Hmmm.

Sie weiß es noch nicht, aber ganz sicher nicht bei mir.

Donnerstag, 6. September 2018

Aus die Maus!

Im Musikzug haben wir eine echt tolle Tenorsaxophonistin.
Die spielt alles! Zuverlässig! Immer da!
Jetzt hat sie ein Kind bekommen.
Weil absehbar war, dass sie eine Zeit würde pausieren müssen, habe ich mich großspurig angeboten, ihren Part vertretungsweise zu übernehmen.
Das Tenorsax ist irgendwie doch wichtiger als das Bariton (sieht aber nicht so cool aus!).
Jetzt, wo ich seit dem Frühling Tenor spiele und langsam halbwegs alles (wieder) kann, es mir Spaß macht und es wirklich anfängt zu klingen - kommt sie natürlich wieder.
Ich bleibe noch etwas beim Tenor, aber wenn der Herbst einsetzt, gehe ich wohl wieder aufs Bari zurück, denn eigentlich ist es das dicke Ende, für das mein Herz schlägt...

Donnerstag, 9. März 2017

Aha - so geht es also doch

Zum Halbjahr wurde Yolande angeboten, vom Altsax auf ein Tenorsax umzusteigen.
Es ist in der Schulbigband ein Leihinstrument freigeworden und sie konnte nun die erste Geige das erste Tenorsax übernehmen (auch das einzige in der Bigband :-)
Um sich an das Instrument zu gewöhnen hat sie es mit nach Hause bekommen.
Ein gutes Instrument der Marke Jupiter, zum Zeitpunkt des Kaufes war es frisch herausgekommen und hatte durchweg gute Kritiken bekommen (mit Suchmaschine zu finden).
Doch Yolande war totunglücklich, denn sie bekam keinen ordentlichen Ton heraus.

Jetzt ist der Umstieg vom kleinen Alto aufs größere Tenor vielleicht mit dem Umstieg von einem Polo auf einen Passat zu vergleichen - eigentlich ist alles gleich, nur der Passat sieht größer aus.
Aber beim Einparken, beim Geschwindigkeitsempfinden usw. merkt man doch viele Unterschiede.

Also galt es zunächst Aufbauarbeit zu leisten: Umgewöhne, wird schon, nur Mut...

Doch dann nahm ich das Tenor, steckte "mein" Mundstück (das vom oft zitierten geliehenen Sax meines Onkels) auf und konnte butterweich von oben bis unten spielen.
Tatsächlich konnte Yolande das mit meinem Mundstück auch.

Es lag also "nur" am Mundstück, dass entweder nicht zu Yolande oder nicht optimal zum Tenor ober beiden passte.

Strahlende Augen, weil sie nun doch einen schönen Klang erzeugen konnte.
Der Umstieg von Polo auf Passat ist vielleicht doch einfacher als gedacht.



Hier könnte der Beitrag zuende sein, aber weil ich es so gerne sage, folgt noch die
abschließende Moral der Geschichte:

Das Mundstück ist beim Saxophon ein wichtiger Teil, der zum Klang und zur Funktion beiträgt.
Harmonieren Spieler, Mundstück und Instrument nicht miteinander, klingt es mies und Frust stellt sich ein.
Dabei können die einfachsten Mundstücke (z.B. Yamaha C4) schon zu einem besseren Klang und einem großen Erfolgserlebnis führen, wenn man das Standardplastikding, das dem nagelneuen (teuren) Sax beigelegt war genervt in die Ecke geworfen hat.

Mein Tip: Mundstücke beim Händler kaufen, aus einer größeren Auswahl anspielen und aussuchen und auch Mundstücke der gleichen Art, Größe und Form ausprobieren. Dann selbst wenn "Yamaha C4" draufsteht, gibt es Unterschiede, Abweichungen, Montagsmodelle und Spitzenteile - die alle identisch aussehen und ihren Charakter erst im Spiel offenbaren.
Lieber ein tolles Mundstück und ein Einsteigerinstrument, als 5000 für ein Saxophon auf den Tisch legen und dann beim Mundstück sparen - mit dem Ergebnis, dass der Klang nicht schön ist.

Donnerstag, 24. November 2016

China-Tröten

Vor einiger Zeit habe ich darüber berichtet, dass unser Musikzug billige Saxophone gekauft hat und versprach darüber noch etwas zu schreiben.

Wer im Netz ein wenig gräbt, findet einiges zu günstigen Saxophonen aus China - sowohl positives als auch negatives.

Jetzt folgt die nächste unnötige Bewertung; aufgrund meines profunden Halbwissens natürlich völlig subjektiv und völlig überflüssig :-)

Vielleicht eines vorweg, damit eine kleine Grundlage da ist, um meine (und andere) Bewertung zu verstehen:
Das Saxophon ist ein Instrument mit vielen Klappen, Stangen und Schrauben.
Im Prinzip greift es sich erstmal wie eine deutsche Blockflöte, größere Hände sind eigentlich auch nicht nötig.
Allerdings muss das Klappenwerk und die Verbindung zwischen verschiedenen Klappen gut eingestellt sein, weil sonst manche Töne nicht richtig klingen; also zu hoch oder zu tief sind (das heißt dann "falsch intoniert").
Zudem liegt es an der Bauform des Instruments, dass einige Töne dazu neigen falsch zu intonieren und der Musikant muss das ausgleichen.
Gute Instrumente, wie z.B. von Yamaha oder Yanagisava intonieren sehr gut, aber andere Fabrikate können so richtig schlimm daneben liegen und selbst Profis können auf solchen Gurken nur mit Mühe ordenlich spielen.
Abschließend noch angemerkt, während bei der Flöte die Fingerkuppen die Tonlöcher dichtdrücken, verschließen beim Saxophon Lederpolster die Löcher - liegen diese Polster nicht gut auf, kann ein Instrument unspielbar sein, weil sich die Luft den kürzesten Weg sucht und einfach an ungewünschter Stelle entweicht.

Nun noch zur Fertigung in China.
Ein duales Ausbildungssystem wie wir es kennen, gibt es dort nicht, soweit ich weiß. In vielen Fabriken werden Arbeiter angelernt und machen dann ihren "Job". Oft auch ohne zu verstehen, was und warum sie es tun.
Nach dem Chinesischen Neujahrsfest kehren viele Arbeiter gar nicht an ihren alten Arbeitsplatz zurück sondern suchen sich andere Arbeit, da das neue Jahr auch gerne als persönlicher Neuanfang gesehen wird.
Daraus ergibt sich keine beständige Belegschaft und es ist schwierig, die Arbeiter "nachhaltig" zu schulen, damit eine gleichbleibende Qualität geliefert werden kann.

So erklären sich Bewertungen, bei denen Saxophone, die unter einem "Marken"-Namen verkauft werden, völlig unterschiedliche Bewertungen erhalten - ein Instrument wurde vielleicht von gut eingearbeitete Leuten gebaut, ein anderes jedoch von Neulingen, die ihre ersten Montageversuche machten.
Auch die filigrane Einstellung der Instrumente fällt unterschiedlich aus; je nachdem wer das gemacht hat - siehe oben.
Selbst teuerste Markeninstrumente sind nur nach fachkundiger Einstellung spielba. Diese wird allerdings in der Regel vom Hersteller selbst gemacht - somit sind diese Instrumtene "out of the box" und ganz ohne Nacharbeit spielbar.
Doch eine schiefe Klappe oder ein undichtes Polster vergällt den Spielspaß bei jedem Saxophon, egal ob für 200 EUR von E-Bay oder für 5000 EUR vom High-End-Anbieter.

Um diesen vielen Variablen noch die Krone aufzusetzen, fange ich jetzt an, über das Zubehör zu schwadronieren.
Wirklich wichtig - mindestens genauso wichtig wie das Horn an sich, ist das Mundstück.
So, wie ein Porsche auf Rädern für einen 2CV (Ente) nicht ordentlich fahren kann, gibt es Mundstücke, auf denen man entweder nicht schön spielen kann (weil billigbillig) oder die einfach nicht zum Instrument (und/oder zum Spieler) passen. Ein günstiges Horn und ein passendes Mundstück ist eine bessere Kombination, als ein Profi-Sax und ein 08/15 Mundstück aus der Grabbelkiste. 

Nachdem wir das alles jetzt wissen, zurück zu den beiden Startones aus dem Hause Thomann.
Thomann wirbt mit Qualität zu kleinem Preis und tatsächlich waren beide Saxophone gundsätzlich in Ordnung.
Ich habe das Alto sowohl mit dem beigelegten Billig-Zubehör-Mundstück, als auch mit meinem "normalen" Mundstück angespielt.
Es sprach tadellos von unten bis oben an und auch die Intonation war vernünftig (alle Töne stimmten, bzw. waren in einem Bereich, den man akzeptieren kann).
Die Federn, die fürs Klappenöffnen und -schließen zuständig sind, waren recht straff eingestellt. Man muss also schon beherzt zugreifen - besser, als wenn man keinen Widerstand spürt und kein Gefühl dafür bekommt, ob man eine Klappe wirklich "auf" oder schon "halb geschlossen" hat. Denn auch das beeinflusst den Ton.

Das Tenor habe ich nur mit dem beigelegten Zubehör-Mundstück angespielt - siehe oben.
Hier fällt mir allerdings wieder auf, dass kopieren und kapieren zwei unterschiedlich Dinge sind.
Um auf einem Instrument "viel am Stück" spielen zu können (also z.B. einen Auftritt von einer Stunde und mehr) sollten sich die Hände in der benötigten Position wohlfühlen.
Vielleicht mit einem Fahrrad vergleichbar - wer schon mal auf einem Rad mit einem schiefen Sattel und einem krummen Lenker gefahren ist, bei dem die Handbremse nur unter Verrenkung zu greifen ist, weiß ein gut eingestelltes Rad richtig zu schätzen.
Die Position der rechten Hand scheint ein Problem zu sein, denn das liest man öfters, dass die Haltung hier suboptimal ist.
An diesem Saxophon muss man den kleinen Finger sehr weit strecken, um die Klappe für das tiefe C zu erreichen und die Position Daumenhakens ist etwas zu tief. Eine entspannte Handhaltung ergibt sich so nicht.
Vergleiche ich das mit meinen Ostblockgurken von Amati, dann stelle ich fest, dass ich sowohl auf dem Alto, als auch auf dem Bariton eine gute Handhaltung habe - es ist also möglich, die Hörner nach halbwegs ergonmischen Gesichtspunkten zu bauen. Einschränkend muss ich aber eines zugeben: Beim Bari hake ich meinen rechten Daumen nicht unter den Daumenhaken, sondern lege ihn darüber - Beim Bari ist ja alles etwas großzügiger dimensioniert, da habe ich also etwas mehr Platz.

Nun mein Fazit:
Für kleines Geld gibt es brauchbare Saxophone.
Mit einem ordentlichen Mundstück ist auch der Klang gut.
Die Ansprache fand ich recht leicht - man muss nicht "kämpfen", um einen Ton zu erzeugen - ideal für Anfänger, allerdings bedeutet es auch ein Limit "nach oben". Wer die Grenzen so eines Instruments austesten will, wird sie relativ schnell finden, bei wirklich laut und wirklich viel Druck macht so ein Instrument irgendwann nicht mehr mit.
Was sich erst mit der Zeit zeigen wird, ist, ob die Instrumente konstant bleiben und wie sich die Mechanik verhält, wenn sie altert.
Eines kann ich jetzt schon sagen: Die Koffer taugen nicht viel. Beim Alto-Etui ist schon eine Ecke rausgebrochen und an beiden Außenhüllen ist zu sehen, wie schnell schon kleines Anecken zu dauerhaften Macken führt.

Dienstag, 5. Juli 2016

Der Saxophonklang im Allgemeinen

Es war soweit.
Die Saxophonschüler luden zum Vorspielen ein.
Nicht meine, sondern die Schüler von Yolandes Lehrer.
Größtenteils Alt-Saxophonspielerinnen (auch einige Spieler :-) - den das Alto ist nicht nicht nur ein Einsteigerhorn - es wird auch gerne von kleinen Mädchen gespielt, weil es so schön leicht ist.
Dazu einige Sopran-Spieler, zwei Tenöre und ein Bariton, sowie vier Klarinetten.

Genug der Langeweile - es war ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm.
Interessant fand ich, wie unterschiedlich die Spieler geklungen haben.
Bestes Beispiel: Ein Schüler (geschätzt 17 oder 18) spielte auf einem Buffet Crampon 400 - das Modell, dass auch Yolande spielt. Sein Klang gefiel mir persönlich nicht so, wobei er gut und sicher spielte.
Yolande klang ganz anders auf ihrem Instrument mit ihrem Mundstück.
Natürlich ist ihr Klang für mich sehr vertraut, doch er gefällt mir auch sehr gut.

Mir zeigt es einmal mehr, wie unterschiedlich der Klang auf einem eigentlich identischen Instrument sein kann. Das Mundstück, das Blatt, die Blattschraube und nicht zuletzt der Spieler selber beeinflussen das, was man hört. Ebenso wichtig ist es, eine eigene Klangvorstellung zu haben, denn diese kann man durch "Hardware" unterstützen und hervorbingen.
Sollte man keine Ahnung haben, wie sich das Instrument anhört (anhören kann), ist alles andere vergebene Liebesmüh.

Dienstag, 10. Mai 2016

Dreh- und Angelpunkt der Welt

Zum Maibaumaufstellen hatte ich das Tenor-Sax einer erkrankten Mitspielerin ausgeliehen. Mit ihrem Sax und meinem Mundstück habe ich den Auftritt einigermaßen bewältigt.

Abschließend habe ich festgestellt, dass ich auf ihrem Saxophon nicht spielen mag. Woran das lag konnte ich erst nicht definieren.
Später ging mir auf, nachdem ich das alte Tenor meines Vaters (es gehört eigentlich meinem Onkel und ich habe es nur ausgeliehen, bzw. es steht im Schrank und der Koffer staubt ein) hervorgeholt habe, wie sehr sich das alte Sax (meines Vaters, ca. 50er Jahre) vom modernen Selmer-Nachbau (etwa 2010) unterscheidet.

Die Öse, in die man seinen Tragegurt einhakt sitzt ganz anders:
Das 50er-Jahre-Sax hängt mir, wenn ich es nicht festhalte, fast direkt vom Mund und es ist leicht in die richtige Spielposition zu bringen (in Anlehnung an die "10 nach 10 Uhr"-Griffhaltung, mit der man das Autolenkrad halten soll, beschreibe ich die Position des frei hängenden Instruments mit "5 vor 6").
Die Position der Tasten ist in Ordnung, hier und da muss ich etwas Abstriche machen...

Das Saxophon, dessen Design dem Marktführer (?) Selmer kreativ nachempfunden wurde, hat eine "moderne" Tastenanordnung (die ich als ungewohnt, aber nicht zwingend unangenehm empfinde) doch die Öse für den Tragegurt sitzt völlig anders.
Lasse ich das Sax freihändig "baumeln", dann hängt es etwa auf "10 vor 4" - tolle Sache, denn das Mundstück ist so weit vom Gesicht weg, dass es unmöglich ist, es sich schmerzhaft und aus Versehen gegen das eigenen Gesicht zu schlagen/drücken, während man in den Noten blättert, seine Bierflasche öffnet, mit den Mitspielern spricht oder einfach nur wartet.
Auch der unbeteiligte Blick von außen ordnet diese Position als ziemlich "cool" oder "lässig" ein.
Doch wenn ich spiele, habe ich immer das Gefühl mit dem Instrument zu kämpfen, damit es in der richtigen Position bleibt.
Das mag sich seltsam anhören, aber es ist ein ständiger Aufwand, es in einer angenehmen Spielposition zu halten - die Handgelenke sind stärker beansprucht, die Finger werden krampfig und Griffe, die sonst wie von selber laufen, weil das Sax "in Position" bleibt, werden mühevoll, da ständige Kontrolle ausgeübt werden muss.

Vielleicht hat jemand schon einmal ein Auto gefahren, das beim Fahren stets nach links oder rechts "gezogen" hat, oder ein Fahrrad, bei dem die Felgenbremse immer etwas an der Felge gescheift hat.
Eigentlich nur eine Kleinigkeit - doch es hemmt und schränkt den Fahrkomfort deutlich ein.

Einmal mehr stelle ich fest, wie wichtig es ist, ein Saxophon in die Hände zu nehmen, bevor man es kauft.
Wie liegen die Tasten in der Hand? Passen die Abstände zu den eigenen Fingern/Händen? Sind Daumenauflage für den linken Daumen und der Haken für den rechten Daumen bequem, wie sitzt der Drücker für die Oktavklappe?
Harmoniert die Position der Traggurt-Öse mit der eigenen Größe und Instrumentenhaltung, ist das Gewicht des Saxophons genehm?
Passen Sax und Mundstück zueinander, lässt es sich sauber spielen?

Es nützt das teuerste Saxophon mit vergoldeter Oberfläche und Platin-Mundstück nichts, wenn es sich bescheiden spielen lässt.
Dafür kann ein Saxophon aus egal welcher Dekade - mit oder ohne Lack, Beulen und Reparaturen - richtig gut klingen und Spaß machen, wenn Spieler und Instrument zueinander passen.

Dienstag, 29. Dezember 2015

Mehr als flüssig...

...nämlich überflüssig.
Wo ich ja gestern schon am meckern war, mache ich doch heute gleich einmal weiter.
Wie der eine oder andere vielleicht weiß, spiele ich Saxophon. Im Musikzug begleite ich Saxophonlernende soweit, bis sie bei uns mitspielen können. Ein Ersatz für einen "richtigen" Unterricht ist es zwar nicht, aber  - anders ist es fast unmöglich, Nachwuchs in den Musikzug zu bekommen.
Ein Knackpunkt beim Saxophonspiel ist immer das Instrument. Da habe ich schon das eine oder andere Mal drüber geschrieben.
Heute schreibe ich über ein Saxophon, dass ich als völlig überflüssig, ja unnötig erachte.
Wer sich meine Elegie antun möchte, kann HIER einen Blick auf das Corpus Delicti werfen.

Es handelt sich um ein abgespecktes Sopransaxophon.
Um es kurz zu machen - es wurden die tiefen Töne, die ganz hohen Töne und einige Hilfsklappen weggelassen. Das macht das Sax leichter und das Klappenwerk etwas übersichtlicher.
Die Knöpfe, die mit den Fingern gedrückt werden sollen, wurden farbig gestaltet. Somit kann man den Tönen Farben zuordnen und mit bunten Noten arbeiten. Die Farbe, in der eine Note aufgemalt ist, muss folglich gedrückt werden.
Lt. Verkäufer soll das Sax für Kinder ab fünf Jahren geeignet sein.
Der Preis liegt etwa bei der Hälfte eines "normalen" Sopransaxophons (Billigklasse).

Warum ich daran rumzumeckern habe?
Allgemein wird empfohlen, mit dem Saxophonspiel zu beginnen, wenn die bleibenden Schneidezähne ausgewachsen sind. Für alle, die keine Kinder haben - das ist zwischen 8 und 11 Jahren. Der Grund ist wohl, dass man eine Fehlstellung durch den Biss aufs Mundstück verhindern möchte.
Ob diese Einschätzung sinnvoll oder nicht ist, mögen alle Eltern für sich selber entscheiden.

Machen wir doch mal beim Faktor "Coolness" weiter. Bunte Tasten mögen mit fünf in Ordnung sein. Auch mit acht ist das wohl noch kein Problem - aber mit 10 wird sich ein Spieler in Grund und Boden schämen.
Zudem halte ich den pädagogischen Nutzen für gering - schließlich müssen für den Großteil der Töne mehrere Klappen geschlossen werden. Vielleicht kennt das jemand von der Blockflöte; für ein tiefes D muss alles "zu" sein, nur der rechte kleine Finger lässt sein Loch frei. Male ich jetzt eine schwarze Note (siehe Bild vom Saxophon), muss das Kind trotzdem wissen, dass alle anderen Tasten (außer dem rechten kleinen Finger) auch gedrückt werden müssen. Da sehe ich keinen großen Vorteil zu einer normalen Grifftabelle.
Abgesehen davon sind Grifftabellen immer nur ein Notbehelf - meine Schüler versuche ich dahin zu trimmen, dass sie keine Tabelle brauchen. Alle "seltenen" Griffe werden beim Warmspielen benutzt, da bleiben keine Fragen mehr offen. ;-)

Die Hilfsklappen machen das Leben leichter. Sie können bei einigen Tönen anstelle von komplizierten regulären Griffen genutzt werden oder vereinfachen Grifffolgen bei schnellem Spiel. Die Hilfsklappen haben sich in den letzen 100 Jahren als sinnvoll herausgebildet und viele andere Klappen, Tasten und Hebelchen, die in den 20ern bis 60ern ausprobiert wurden, sind wieder verschwunden.
Das "moderne" Saxophon ist also schon ziemlich optimiert. Wenn man die Hilfsklappen weglässt, fallen so einige Klappen weg, die selten genutzt werden und es dem Anfänger auch mal etwas schwer machen, schließlich muss er sich ja auch erstmal auf dem Instrument zurechtfinden.
Doch nach kurzer Zeit... - da komme ich gleich zu.

Auch die hohen Klappen braucht man eher selten, auf dem Sopran sind die auch besonders hoch.
Die ganz tiefen Töne gehören auch wieder zu denen, die kaum gebraucht werden.
ABER: Hier endet das Saxophon beim D - normalerweise folgen jetzt noch vier Klappen.
Für die Flötenspieler unter Euch: Das tiefe C fehlt auch. Der Ton, auf dem "Alle meine Entchen" beginnt.

Jetzt mag man einwenden, dass die ganz tiefen und die ganz hohen Töne wirklich selten benötigt werden, also eine gute Möglichkeit, Gewicht, verwirrende Tastenanzahl und Kosten zu reduzieren.
Doch jede Saxophonschule (siehe z.B. HIER) kommt früher oder später ans tiefe C und auch drunter, ebenso geht es in die Höhe - alles Töne die dann fehlen. Wie schon erwähnt, selbst bei "Alle meine Entchen" fehlt schon der Anfangston.

Sinnvoll wäre es gewesen, die Tasten  für die hohen und (besonders) für die tiefenTöne so zu gestalten, dass kleine Kinderhände die leichter greifen können. Selbst Jungendlich zwischen 10 und 16, sowie Erwachsene mit kleinen Händen haben da Probleme, weil moderne Saxophon in diesem Punkt einfach dämlich ausgeführt werden.
Denn es liegt auf der Hand - nach einem halben, nach einem oder spätestens im zweiten Jahr fehlen die Töne. Um die Hilfsgriffe mag man ja drumherumkommen, aber die anderen Töne gehören einfach dazu.
Ergo muss nach kurzer Zeit ein "vollständiges" Saxophon gekauft werden.
Bleibt man beim Sopran, kommen zu den bereits ausgegebenen 222 EUR noch weitere 400 EUR dazu.
Schon hat man die 600 EUR-Marke übersprungen und hat ein Instrument im Schrank liegen, dass eigentlich zu nichts zu gebrauchen ist.

Wer sagt da, dass 200 EUR in Ordnung sind, wenn man gar nicht weiß, ob das Kind dauerhaft spielt und dann hätte man weniger Geld aus dem Fenster geworfen, als hätte man gleich ein teures Instrument gekauft.

Viele Musikschulen und Instrumentenhändler bieten eine Mietkauf an.
Gegen monatliche Miete bekommt man ein Saxophon und wenn man dann etwas eigenes kaufen möchte, wird ein Teil der Miete auf den Kaufpreis angerechnet. Das ist allemal sinnvoller.
Oder es wird halt doch ein günstiges Instrument angeschafft, dass später über E-Bay weiterverkauft werden kann. Der Verlust ist zwar auch groß, aber nicht mehr oder weniger, als beim "vereinfachten" Instrument, das später - ich prophezeihe es Euch - wie Blei im Schrank, auf dem Dachboden, im Keller, selbst auf dem Flohmarkttisch liegen wird.

Wer bis hier gekommen ist, den könnte auch DIESER BEITRAG interessieren.

Freitag, 20. November 2015

In den eigenen Schuhen...

Mein Altsaxophon hat Anna, weil die Gurke vom Musikzug derart mistig ist, dass es eine Zumutung ist, darauf zu spielen.
Mittelfristig soll sie auf Tenor umsteigen, aber bis dahin muss sie noch ein wenig sicherer werden und da ich zwei Annas unterrichte, ist es einfacher, wenn wir alle Instrumente einer Stimmung spielen.

Auf der anderen Seite bedeutet es, dass ich kein Alto mehr habe und wenn ich eine s brauche, muss ich es entweder bei Anna "ausborgen" - was mit Fahrerei und Aufwand verbunden ist oder ich muss Yolandes Sax nehmen.

So geschehen auf dem letzten Konzert.
Bei einem Lied werde ich gebeten, Alto zu spielen, umd die eigentliche Altospielerin zu unterstützen.
Jetzt also mit Yolandes wunderhübschem Buffet Crampon-Altsaxophon.

Dummerweise kann ich auf dem nicht so gut spielen.
Oder ihr Sax verträgt sich nicht mit meinem Mundstück.
Oder ich bin es gewohnt, auf dem ollen Amati-Alt richtig Druck zu machen, weil es ein "hard blowing sax" ist, daher puste ich zuviel Luft durch das eher leicht ansprechende Buffet.
Oder, oder, oder...

Auf jeden Fall habe ich Probleme gehabt, einige Töne so zu spielen, wie ich sie hätte haben wollen, ganz zu schweigen davon, dass die Ergonomie meines Saxophons doch anders ist, als die einer modernen Selmer-Kopie, irgendwie passt das alles nicht so recht zu mir.
Das ist so, als sollte man plötzlich in den Schuhen von jemand anderem laufen oder mit einem englischen Auto fahren.

Vielleicht muss ich Anna noch etwas mehr antreiben, damit ich mein Alto bald wiederhabe...

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Materialfrage

Bei einem Workshop mit verschiedenen Musikzügen hat Anna II mir ihr „Musikzug-Sax“ gezeigt.
Beim Putzen ist ihr aufgefallen, dass sich an einigen Stellen, wo der untere große Bogen angesetzt ist, das Material unterm Lack verfärbt. 

Wohlgemerkt ist dieses Saxophon erst ein halbes Jahr alt.
Aber irgendworan muss man ja auch merken, dass es billig ist.

Übrigens war es ihr letzter Workshop mit dem Selmer-Klon, zwischenzeitlich hat sie sich ein
eigenes Saxophon zugelegt und sich für ein Yanagisawa entschieden.
Das ist in etwa so, als stiege man von einem Seat Marbella in die Mercedes E-Klasse um.
Entsprechend fühlt es sich auch an. Das neue Sax lässt sich besser greifen, die Tasten
sitzen da, wo die Finger sie bequem erreichen können und auch das Spielen ist viel
leichter, da das Instrument besser anspricht.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Anna und die Tücken des Materials

Anna 3 quietschte mit ihrem Saxophon und bekam die tiefen Töne nicht.
Tatsächlich hatte sie den S-Bogen so aufgesetzt, dass der Hebel für die Oktavklappe ebendiese etwas anhob, obwohl er das nicht sollte.
Wenn das Saxophon oben nicht dicht ist, dann können unten keine tiefen Töne rauskommen.
Zum Glück war das ein Anwenderproblem und schnell behoben.

Dann ging es bei Anna 4 weiter - auch bei ihr gingen die tiefen Töne nicht.
Dazu muss man sagen, dass ihr Saxophon ein Zombi ist.
Möhre, Gurke, rottes Horn, Schrott - eigentlich ist ihr Saxophon schon lange tot. Es wird wirklich nur noch so eben am Leben erhalten, weil wir nichts anderes haben.
Also habe ich mir das Teil angesehen und gemerkt, dass die hoch-Fis-Klappe (also auch wieder ganz oben) hakelig war und nicht sicher schloss. Meine Notreparatur mit einem umgebundenen Weckgummi half nur wenig, weil nun die Oktavklappe nicht mehr ordentlich öffnete.

Also habe ich ihr mein Altsaxophon mitgegeben und bin nun auf der Suche nach einem weiteren brauchbaren, aber trotzdem günstigen Insturument.

Durch den Kampf mit dem Material haben wir 30 Minuten Übungszeit verloren.
Von dem Frust, den ein schlechtes Instrument, auf dem man nicht spielen kann verursacht, reden wir gar nicht.

*grummel*

Dienstag, 15. September 2015

Adieu Anna

Anna 2 hat sich verabschiedet.
Nicht so - wir sind übereingekommen, dass sie nun soweit ist, dass sie im Musikzug mitspielen kann.
Damit endet meine "Lehrertätigtkeit" für sie.
Was jetzt käme wäre Feintuning - Arbeiten am Klang, an der Haltung, vom-Blatt-spielen, Rhythmus-Übungen, Atmung.

Alles wichtige Sachen, aber letztendlich sind das Sachen, wo ich selber an mir zu arbeiten habe und daher gar nicht recht weiß, wie ich (z.B. beim Klang) weitergeben kann oder soll, wie es besser geht.

Schön ist, dass wir nun ein zweites Tenor im Musikzug haben und der Klang ein wenig voller ist.

Es bleiben mir Anna 3 und Anna 4, die beide als G-8-Schülerinnen arg zu kämpfen haben, dass sie im Alltag Übungszeiten finden.

Doch Anna 2 hat zum Abschied ein Motivationspäckchen verschenkt:
Klaus Dappers Saxophonbuch für Alto-Sax.
Sie hat mit der Tenor-Variante gearbeitet und fand es gut.
Daher müssen die verbleibenden Annas nun vermehrt "Klaus Dapper" ertragen...

Freitag, 31. Juli 2015

It's not easy, having a good time!

Dieses Zitat von Frank'n'Furter aus der "Rocky Horror Picture Show" die ich tatsächlich fast komplett mitsprechen und -singen kann kam mir gestern wieder in den Sinn. 
Anna war zum üben da und derzeit plagen wir uns mit Quietschern herum. 
Hohe Töne kommen so gar nicht und quietschen in Regionen, die schmerzensgeldpflichtig sind. 
Am Saxophon liegt es nicht, denn wir haben kurzerhand getauscht - ich kann auf ihrem Instrument alles spielen, sie quietscht auf meinem noch immer. 
Auch Ihr Mundstück (das wir selbstverständlich nicht!!! getauscht haben) kann nicht der Grund sein. Ich habe früher drauf gespielt, dann hat Yolande damit spielen gelernt und nun hat Anna das geliehen bekommen, weil es einfach besser klingt, als das Zubehörmundstück. 

Ich bin ja kein Lehrer und habe mit den Problemen anderer wenig Erfahrung. 
Doch nachdem wir am Ansatz rumprobiert haben, Lippenstellung und -spannung korrigiert hatten, wurde es deutlich besser. 
Dafür habe wir fast keinen Stoff geschafft. 
Sind ja auch Ferien, da sollte es auch etwas lockerer zugehen. 

Was ich aber eigentlich wollte und worauf meine Überschrift abzielt:
Seit längerem hätte ich Lust, ein kleines Ensemble aufzubauen, das jenseits des Musikzuges (aber unter seinem Dach) einige Extra-Stücke, Saxophon-Trios und Quartette, einübt, um bei passender Gelegenheit damit etwas aufzutrumpfen. 

Leider ist der Weg dahin doch noch deutlich weiter, als gedacht. 
Meine Hoffnung war, nach dem Sommer (kalendarisch gesehen) mit einfachen Stücken anzufangen. Wenn ich es realistisch betrachte, werde ich noch ein halbes oder ganzes Jahr warten (und daran arbeiten) müssen.

It's not easy, having a good time!

Mittwoch, 22. Juli 2015

Anna 2.1

"Unverhofft kommt oft", sagte Tante Mila immer gerne.

So haben wir bei einer lokalen Festivität mit dem Musikzug gespielt.
Vor einigen Jahren wurde hier eine Alt-Sax-Spielerin rekrutiert, kurz danach kam ich beim gleichen Fest dazu.
Nun hat eine Freundin einer Bekannten von einer Freundin angemerkt, dass sie vor langen Jahren auch einmal Alt-Sax gespielt hätte - es läge noch bei ihr im Schrank und wenn sie uns so hört (wir klingen recht gut :-) da hätte sie Lust, bei uns mitzuspielen.

Da sie seit über 10 Jahren nicht mehr gespielt hat und sich bei den Noten und Ansatz nicht mehr sicher ist, kommt sie einfach montags mit dazu, wenn die anderen Annas zum Üben kommen.

Was ist draus geworden?
Der Ansatz war sofort wieder da - also musste ich da gar nichts mehr erklären oder berichtigen.
Die Noten jedoch sitzen gar nicht mehr. Aber da fordern die Jahre ihren Tribut - so wie bei einer Sprache, die man seit Jahren nicht mehr benutzt hat.
Ich hoffe, dass sie so motiviert wie beim ersten Mal üben dabeibleibt, dann wird sie sich ganz bald wieder auf den Notenlinien auskennen.
Denn ihr Klang ist gut, das Saxophon ist in Ordnung, sofern sie etwas Gefühl für Melodie und Takt bekommen hat, wird sie in Kürze in unseren Reihen sitzen und mitspielen.

Anna 2 kommt zwar nicht zum Üben, da sie derzeit abends arbeiten muss, aber sie übt daheim fleißig und fordert regelmäßig Nachschub an Notenmaterial.

Anna 3 und 4 üben mehr oder weniger.
Da ist es auch mehr, dass der Kampf mit dem Instrument, dem Mundstück und dem Blatt im Vordergrund steht.
Ich hoffe, dass mir die beiden "kleinen" Annas noch erhalten bleiben, denn in diese beiden setze ich die meiste Hoffnung auf ein langfristiges Mitspielen im Musikzug.
Das ist ja der Grund für den ganzen Zinober; Nachwuchs für den Musikzug, sonst sind wir bald wieder eine Rentnertruppe und spielen nur noch Polka und Märsch...

Mittwoch, 17. Juni 2015

Annas Sommerloch

Die drei Annas mache Fortschritte - die einen langsamer, die andere schneller.
Anna III und IV üben etwas, albern rum, haben zwar Lust, zu spielen doch viel tun dafür ist nicht drin.
Da versuche ich mit Motivation und Lob, etwas Humor und etwas trietzen dazu zu bringen, voranzukommen.
Immerhin möchte ich mit den beiden nach dem Sommer anfangen, Stückchen einzuüben. Kleinigkeiten mit zwei bis drei Stimmen, ich habe sogar einiges mit fünf Stimmen in der Hinterhand und würde diese Sachen gerne mal hören.

Anna III hat zum alten Saxophon ein Mundstück von mir bekommen und kommt damit besser zurecht als mit dem Standard-Billig-Mundstück was zum Saxophon gehört (wundert mich nicht). Anna IV hat ja ein neues billiges Saxophon von uns bekommen und spielt begeistert mit ihrem Standard-Billig-Mundstück.
Es klingt sogar einigermaßen - würde mit einem ordentlichen Mundstück aber deutlich besser klingen...

Anna II macht sehr schnell Fortschritte.
Wie sie mal sagte, hätte sie jahrzehntelang gezögert und nun hätte sie halt die Möglichkeit Saxophon zu spielen, also übt sie jeden Tag etwa eine Stunde.

Sie schafft es, an einem Abend zwei Lektionen aus der Instrumentenschule durchzuackern und beim nächsten Male alle Hausaufgaben erledigt und geübt zu haben. Ganz zu schweigen davon, dass sie auch noch eine eigene Saxophonschule gekauft hat, die sie "nebenbei" auch noch durcharbeitet.

Derart unterschiedliche Tempi kann ich nicht  "intern differenzieren", also habe ich die drei getrennt.
Im Sommer übt der Musikzug nicht (weil er jedes Wochenende Auftritte hat), daher kann ich am eigentlichen Übetag über unseren Musikraum verfügen und lass erst die zwei kleinen Annas, dann die große Anna antanzen.
Ich hoffe, die Kleinen etwas antreiben zu können, so dass wir am Ende des Sommers das Motivations- und Übungsloch überwunden haben und wieder alle drei zusammen spielen können.