Mittwoch, 2. April 2014

Seifenblase

Selmer und Keilwerth schwimmen in unruhigem Fahrwasser.
Keilwerth ist seit Jahren schon angeschlagen.
Die Qualität scheint zu schwanken, die 70er waren kein Ruhmesblatt und als "deutsches Traditionsunternehmen" hängt beim Namn  immer ein leicht muffiger Klang in der Luft.
Selmer scheint dagegen über alle Zweifel erhaben zu sein.
Deren Saxophone werden zu Milliarden kopiert und der Ruf ist unantastbar.
Wobei manche auch über Selmer sagen, dass die Instrumente schlampig eingestellt sind und direkt nach dem Kauf eigentlich erstmal zum Saxdoc müssten, bevor sie ordentlich spielen. (Besser direkt beim Saxdoc kaufen, der macht das nämlich VOR dem Kauf schon klar!)
Doch auch bei Selmer wandelt sich vieles. Verkaufte man früher bevorzugt an Profis, Zubehör gab es nur gegen Aufpreis und selbst ein Koffer musste extra gekauft werden, hat man sich zwischenzeitlich schon etwas dem allgemeinen Standard angenähert.
Zudem ist der Mythos MK6 so groß, dass für viele jedes andere Selmer-Modell nur ein matter Abglanz ist.
In Anlehnung daran wurden die "Reference"-Hörner aufgelegt.

Demgegenüber stehen aber lauter Schlitzaugen, die billige Selmer-Klone auf den Markt werfen.
Zu Preisen, die einem beim Ansehen schon wehtun.
Ein Alto für 200 EUR findet eher einen Käufer, als eines für 3000 EUR.
Dabei ist die Qualität gar nicht mal so schrecklich schlecht.
(Nicht verheimlichen wollen wir hier, dass Japaner und Taiwanesen z.T. hochpreisige Instrumente auf Augenhöhe mit Selmer und Keilwerth produzieren, auch wenn diese Instrumente z.T. in Billiglohnländern gefertigt werden.)

Wie können sich die beiden großen Europäer da noch halten?
Vielleicht, weil Saxophonspielen ein wenig in die Mode gekommen ist und die Nachkriegsgenerationen nun anfangen, Jugendträume auszuleben. Endlich saxophonspielen!
Dann soll es doch bitte auch gleich ein Selmer sein oder ein Keilwerth - die großen Namen, die damals den Klang des unerreichbaren hatten.

Doch was bringt die Zukunft?
Wenn jeden Tag von beiden Firmen zusammen nur 50 Saxophone produziert werden - dann müssen im Gegenzuge täglich 50 Stk. verkauft werden - wohlgemerkt von den hochpreisigen Dingern, die Billigware kommt ja noch dazu.
Ob wohl wirklich 1000 Leute im Monat ein neues Profi-Saxophon kaufen?
Damit wäre unser Dorf in etwa drei Monaten komplett mit Saxophonen der besten Qualität ausgerüstet - ergo muss doch irgendwann jeder Erdenbürger ein Horn in den Fingern haben.

Und dann?

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