Freitag, 13. März 2015

Das Saxophon aus dem Onlineshopp

Warum Saxophone online kaufen?

Weil sie günstiger sind?
Weil es ein Geschenk/eine Überraschung ist?
Weil der nächste Musikalienhandel eine Tagesreise entfernt liegt?
Weil man gar keine Ahnung hat, was man da eigentlich macht?
Weil man keine Lust zu warten hat - es muss morgen geliefert sein?
Weil der Musikalienhandel Model XY oder Fabrikat ABC nicht führt?
Weil man gar nicht spielen kann und sich beim Kauf nicht blamieren möchte?

Es gibt viele Gründe, manche sind sinnvoller, als andere.

Wenn man gegenüber dem Kauf im Laden 1000 EUR sparen kann, ist das wirklich schon eine Hausnummer, denn für das Geld kann man sich schon eine Masse Unterricht leisten.
Vor allem erhält man dann in der Regel auch ein Markeninstrument, das ein Meister später auch einstellen/reparieren/überholen wird.

Kauft man einfach ein Instrument, weil es billig ist, geht die Rechnung nicht unbedingt auf.
Der Transport per Paketdienst ist purer Stress für das Instrument, dass ein Wunderwerk der Feinmechanik ist.
Bei der Überholung meines Baris, das ich sehr pfleglich behandle, mußten einige Achsen getauscht werden - was muss wohl repariert werden, wenn ein günstiges Sax mit "weicher" Mechanik durch Deutschland gerüttelt wurde.
Da sind schnell auch Klappenaufgänge verstellt, was sich unmittelbar auf die Intonation (also darauf, ob die Töne so hoch oder tief klingen, wie sie sollen) und den Klang (also ob schön, klar und rund oder dumpf, muffig und unschön) auswirkt.
Bei einem Kauf im Fachgeschäft sollte man erwarten, dass dies geprüft wird, bevor ein Instrument über den Ladentisch geht.
Ist an einem Billig-Instrument etwas kaputt, kann es sein, dass ein Saxdoc nichts daran machen wird, weil er für seine Arbeit Gewährleistung geben muss. Ist es aber ein Gerät, dass eine weiche Mechanik hat, die schnell verbiegt oder sich sonstwie verzieht, dann kann er ein gutes Ergebnis nicht gewährleisten.
Von einer "Neu-Polsterung", die schnell zu einer Generalüberholung wird und zwischen 300 und 800 EUR (je nach Baugröße, Zustand und Aufwand) kostet, reden wir besser gar nicht. Kaufe ich ein Alto für 250 EUR, werde ich keine 300 EUR in neue Polster investieren, oder?

Mit den o.g. Punkten habe ich, glaube ich die Punkte billig, keine Ahnung, keine Lust zu warten und kann nicht spielen erledigt.

Interessanter ist schon der Punkt führt das gewünschte Instrument nicht/mag den Instrumentenkasper nicht - das könnte wirklich eine Sache sein, die bedenkenswert ist.
Solange man sich dann für ein Instrument entscheidet, dass grundsätzlich qualitativ in Ordnung ist, dann ist da wohl nix gegen einzuwenden.

Aber abschließend muss ich doch noch meine immer wieder hervorgeholte  Karte spielen; es ist immer gut, ein Instrument anzuspielen, bevor man es kauft. Denn selbst bei einem Hersteller und einer Modellreihe gibt es eine gewisse Streuung an Klang, Qualität und "Spielgefühl" - davon, was andere empfehlen sollte man sich zwar inspirieren, aber keinsfalls blind verleiten lassen, umgehend genau das Gleiche zu kaufen. Vielleicht mag man den Klang gar nicht, oder die Haptik - also das Gefühl, wie die Mechanik zu bedienen ist und wie die Klappen sitzen - gefällt einem gar nicht.
Ganz zu schweigen davon, dass Amazon mir nicht mal schnell eine Feder tauschen kann, die gebrochen ist oder auch sonstwie mit Rat und Tat zum Thema Saxophon beistehen kann.

Ein Wort noch zu den Bewertungen:
Ein neutrales Bild geben die nicht und was dran ist, weiß man auch erst hinterher - also dann, wenn es eigentlich zu spät ist.

Kommentare:

  1. Ich denke, dass eine günstige Version für Anfänger/ Einsteiger nicht unbedingt die schlechteste Wahl ist. Gerade Kinder verlieren doch manchmal recht schnell das Interesse an einem Instrument und Einsteiger wissen oftmals gar nicht, wie ein ordentliches Saxophon überhaupt klingen muss. Später würde ich dann aber, wie von dir beschrieben, in ein Geschäft gehen und etwas mehr Geld in ein qualitativ hochwertiges Instrument investieren ... und v.a. im Vorfeld testen :)

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  2. Du hast natürlich recht und nicht alle günstigen Instrumente sind schlecht.
    Vor einigen Jahren waren die China-Tröten wirklich nur Edelschrott - jetzt sind sie oft brauchbar.
    Trotzdem halte ich die Variante, ein brauchbares Instrument zu mieten und anschließend beim Vermieter zu kaufen, weil die Miete anteilig auf den Kaufpreis angerechnet wird, für besser.
    Mit einem schlechten Instrument wird ein motivierter Schüler aber ausgebremst und besonders als Anfänger (vielleicht noch als Autodidakt) weiß man gar nicht, dass es nicht die eigene Unfähigkeit ist, sondern dass das Instrument Zicken macht.
    Ist ein schönes Feld, um darüber zu philosophieren.
    ;-)

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