Donnerstag, 7. November 2013

Inkonsequent

Die Macher der Rechtschreibreform sind angetreten, um die Rechtschreibung einfacher und logischer zu gestalten.
Beim "ß" ist es halbwegs gelungen.
Die sonstige Bilanz ist aber eher mies.
Selbst nach über 10 Jahren weiß keiner, der sich damit nicht eingehend beschäftigt hat, warum Wörter auseinander oder zusammen geschrieben werden. Das "ß" haben viele ganz fallen lassen und auch bei der Groß- und Kleinschreibung ist die Unsicherheit im Volke groß.
Wie ich es nun an zwei Schülern beobachte wurde anscheinend im Deutschuntericht auch gleich der Rechtschreibuntericht wegreformiert, denn Rechtschreibung findet praktisch nicht statt.

Was die Konsequenz der Schreibung anbelangt, so war diese nie kohärent, zu lange wird schon geschrieben, zu viele Entwicklungen haben über Jahrhunderte hinweg stattgefunden.
Auch manche Reform hat stattgefunden.
In der Kaiserzeit sind aus Thür und Thor Tür und Tor geworden, die uns heute ganz selbstverständlich vorkommen. Der Thron dagegen wurde aufgrund eines kaiserlichen Vetos nicht angetastet.
Einen Kaiser haben wir nicht mehr, aber der Thron ist auch dieses Mal unbeschadet durch die Reform gekommen.

Was auch nicht angetastet wurde, sind kleine Sonderfälle, die uns, die wir lesen können nicht stören, aber denjenigen, die es lernen sollen das Leben schwer  machen:
"bloß" endet mit einem scharfen "ß" - und "los" klingt genauso - nur sieht es anders aus.
Dafür ist das "As" zum "Ass" geworden, weil das große "A" kurz ist und darum ein "ss" folgen muss.
Nun sieht es dem englischen "Arsch" zwar zum verwechseln ähnlilch, aber das ist bestimmt gewollt, denkt doch jeder sofort an die "Arschkarte".
Der "Weg" ist das Ziel und steht so, wie er dort steht auch richtig.
Doch "fehlt" etwas, dann schreiben wir ebenso "weg" wie beim "Weg" aber sprechen es als "wegg".

Schrecklich viel einfacher ist es durch die Reform also nicht geworden.

Rufer im Wind, der ich bin.

Kommentare:

  1. Schöner Artikel! Über Recht-schreibung rege ich mich, neben Recht-sprechung, am liebsten auf!
    Meine einzigen Berührungspunkt mit der Rechtschreibreform (als sie passierte, war ich grad wegg) sind: 1. Ich traue mich seitdem (seit dem?) nicht mehr, Deutschnachhilfe zu geben. 2. schreib ich nun "Ihre" im Bewerbungsanschreiben klein, so wie sonst auch "Du" - oder weiterhin groß, weil es mir höflicher vorkommt bzw. damit man es von "ihre" unterscheiden kann? Eine ewige Frage, die ich mir jedes Mal auf neue stelle...

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  2. Ohne so richtig Ahnung zu haben, antworte ich so:
    "Ihr/Ihre/Ihnen" als Anrede wird weiterhin großgeschrieben.

    Ich muss zwangsläufig Deutsch"nachhilfe" geben, denn da gibt es zwei Schüler in meinem Umfeld, die dann und wann Fragen haben - aber sattelfest bin ich in der neuen Rechtschreibung auch nicht.

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