Mittwoch, 3. Juli 2013

nackt bis auf die Unterhose

Victor soll/darf etwas Ergotherapie bekommen.
Er hat es nicht so einfach, sich auf schulische Sachen zu konzentrieren und zieht sich recht viel an blauen Flecken und dergleichen zu. Manchmal hoffen wir, gerade *jetzt* nicht zum Kinderarzt zu müssen, weil das Kind aussieht, als hätten wir es misshandelt (das ist natürlich etwas übertrieben :-)

So, nun gibt es also Ergo und das Vorgespräch hat zwischen der Therapeutin und Françoise statt und es gab einen Fragebogen.
Ehrlicherweise muss man sagen, es ist ein Fragenarbeitsbuch.
Gesundheitliche Vorgeschichte, Tagesablauf, Wochenübersiche, wer verbringt wieviel Zeit mit ihm und was wird in der Zeit angestellt, Vorlieben des Kindes, der Eltern, hat es Freunde, wenn ja, wieviele und warum, was spielt das Kind, wie ist es in der Schule...

Mal unter uns: Ich kenne Eltern, die wären beim Ausfüllen dieses Fragebogen intellektuell überfordert. Schon die Fragestellung ist teilweise komplex und dann soll in einem freien Text geantwortet werden, manchmal auch in Stichpunkten.
Von Eltern, die der deutschen Sprache nicht oder nur teilweise mächtig sind, rede ich besser gar nicht.
Da wird ein Teil der Eltern - und damit auch das Kind - schon gleich in der Schublade "bildungsfern" sein, bevor das Kind überhaupt in der Praxis aufgetaucht ist.

Ob das im Sinne des Erfinders ist?
Vor allem kommt man sich wirklich bis auf die Knochen ausgezogen vor.
Wie lange sieht das Kind am Tag fern?
Statistisch gesehen 4 Stunden. Unsere Kinder kommen im Wochenschnitt auf eine eine knappe Stunde täglich, wenn überhaupt so viel.
Ist das jetzt schlecht, weil wir unter dem Statistikmittelwert liegen?
Oder ist das schlecht, weil wir unseren Kindern vorenthalten, was ihnen dem Bundesschnitt nach zusteht?

Gibt es andere Praxen, die nicht so vorgehen?
Ich weiß es nicht, aber gespannt, bin ich, wie Victor (ich-bin-der-kritische-Kunde-und-es-steht-nicht-in-Ihrer-Macht,-mich-zufriedenzustellen) und die Therapeutin miteinander auskommen.
Ich hoffe natürlich gut, im Sinne, dass es Victor bei seiner persönlichen Entfaltung hilft.

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