Es schneit. An sich ist das nichts sonderbares, denn es ist Winter.
Nun stellt es sich aber so dar, dass die Gewohnheiten des Alltages plötzlich nicht mehr so gelebt werden können, wie man es gewohnt ist.
Es stand an, die Restmülltonne der Abfuhr bereitzustellen.
Also bin ich mit meiner Schneeschaufel bewaffnet an die Straße gestiefelt und habe einen Stellplatz für die Tonne geschaffen. Weil ich ausgesprochen nett bin, habe ich die Lücke genügend groß gestaltet, um mindestens zwei Tonnnen aufstellen zu können. Meine Nachbarin hat ihre Tonne etwas unglücklich auf ihrem Weg geparkt und es stand zu befürchten, dass die Müllabfuhr diese nicht geleert hätte.
Kein Problem für mich und ihre Tonne habe ich neben meine gestellt.
Am Morgen des Folgetages war die Müllabfuhr trotz der widrigen Wetterbedingungen pünktlich um halb sieben bei uns "durch" und als ich zur Arbeit sollte, wollte ich die Tonne wieder bei uns reinstellen.
Ups, es standen nun drei Tonnen da - der Platz war doch etwas knapp, die dritte stand auf der Straße und war randvoll, sogar der Deckel stand auf.
Meine Tonne war zwar geleert worden, aber es befanden sich schon wieder zwei Tüten mit Müll darinnen, die nicht aus unserem Haushalt stammten.
Irgendwer hat nach der Abfuhr seine volle Tonne dazugestellt und weiteren Müll in den geleerten Tonnen verteilt.
Das wäre die offensichtlichste Erklärung.
Die zweite wäre, die dritte Tonne kam vor der Abfuhr und besagter jemand hat seinen Müll bei uns "oben drauf" gepackt.
Da die Müllwerker angehalten sind, einen prüfenden Blick in die Tonnen zu werfen, damit kein falscher Müll mitgenommen wird, kann es sein, dass die dritte Tonne wegen "Fehlbefüllung" nicht geleert wurde und ggfls. fehlbefüllte Tüten anschließend in den anderen Tonnen verteilt wurden. Beim Schreiben merke ich schon, wie sehr sich das nach Blödsinn anhört.
Unser Haushalt ist knapp mit Müll. Die Kinder sind aus dem Haus und viel fällt bei uns nicht an. Die Zeiten, wo wir die 60L knackevoll hatten, sind lange schon vorbei. Daher kann ich damit leben, dass wir zwei Tüten mit "Fremdmüll" bis zur nächsten Leerung beherbergen müssen.
Trotzdem konnte ich nicht umhinkommen, mir den Müll genauer anzusehen. Tatsächlich hatte ich auf einen Brief(-umschlag) mit Anschrift gehofft, denn dann hätte ich den Kram freundlich zurückgebracht. Aber der Gefallen wurde mir nicht getan. Sollte ich den Müll allerdings analysieren, stächen zwei Punkte heraus:
Es ist ein Raucherhaushalt - unüberriechbar.
Anscheinend ist das Bildungsniveau niedrig oder Mülltrennung ist besagter Person ganz egal, vielleicht auch unbekannt.
Ich habe eine pfandfähige Dose gefunden - die Mülltüte ist transparent, war also leicht zu durchschauen. Außerdem noch eine Energiesparbirne.
Das sind beides keine Sachen, die man wegschmeißen sollte. Das eine bringt unfassbar viel Geld, das andere sollte einer Entsorgungsstelle zugeführt werden (damit wird das Problem von giftigen Leuchtmitteln nicht gelöst, aber immerhin bin ich meine Sorge los).
Den Rest habe ich wieder in meiner Tonne versenkt. Doch die Müllmenge hätte sich noch gut reduzieren lassen: Verpackung, Lebensmittel, Metalle (aka Besteck), Papier. Da der ganze Kram dermaßen nach Kippen stank, habe ich davon Abstand genommen.
Was bleibt, ist der Ärger, dass jemand so dummdreist ist und seinen Müll anderen zuschiebt. Ich habe dann aufgehört, mich zu ärgern, denn nichts anderes machen wir "zivilisieren" Kulturen; unser Plastikmüll, unsere Altkleider und die Online-Fehlkauf-Retouren verklappen wir im globalen Süden und dann wundern wir uns, wenn Umweltflüchtlinge zu uns kommen.
In diesem Sinne ist der gute Vorsatz für dieses Jahr: Weniger Artikel zu konsumieren, die in Verpackungsmüll eingewickelt, gekauft werden müssen.