Montag, 11. Juni 2018

Jim Knopf und Lukas - eine Rezension

Dieser Beitrag "liegt" schon seit April!!!
Habe erst jetzt geschafft, zuendezuschreiben.  Der Schluss ist also etwas knapp ausgefallen...


Hier geht es um den Spielfilm, der um Ostern ins Kino kam.
Die erste Verfilmung mit "echten" Schauspielern, nach der Trickfilmserie und zwei Verfilmungen der Augsburger Puppenkiste.

Halten wir mal fest, die Adaption durch die Puppenkiste hat zum einen schon einen Kultstatus, prägte Generationen von Kindern und hat Maßstäbe gesetzt. Einerseits durch die werkgetreue Umsetzung, dann aber auch durch die Musik, die mit einfachsten Mitteln, eingängigen Melodien und einprägsamen Texten das Geschehen untermalt.

Über die Zeichentrickserie schweige ich lieber.

Die Eröffnung des Filmes ist schon fast klassisch: Kamerazoom auf die bekannte Insel mit den zwei "Bergen", die im Buch von Herrn Ende gar nicht so genannt wird.
Dazu die Melodie der Augsburger Puppenkiste, die wohl jeder kennt. Eine schöne Hommage an selbige.
Die Story ist die bekannte. Jim kommt an, er wird größer, Emma muss gehen.
Sehr schön umgesetzt, die Einstellungen wo Jim mit Lukas auf der Lok herumfährt, wie Herr Ärmel (gut besetzt mit CMH) mal zufällig, mal absichtlich den Streichen von Jim zum Opfer fällt.
Auch der namensgebende Knopf kommt vor.
Der König ist etwas sehr auf Klamauk gemacht, etwas mehr Tragik und Tiefe hätten ihm gutgetan.
Annette Frier als Frau Waas ist auch gut getroffen, insgesamt wirkt sie weniger "hausfraulich-betulich" als im Buch, wo sie doch sehr klischeehaft und etwas ungebildet daherkommt (das hat sie mit Tante Paula aus Lornsens "Robbi, Tobbi und das Fliewatüt" gemein).
Aber schon bei den ersten Szenen tritt zu Tage, was den ganzen Film etwas überschattet:
Die Zeit reicht nicht aus.
Ja, es gibt viele Details, ja, es ist alles sehr liebevoll und mit viel Verve ausggestaltet und gespielt, aber es kommt viel zu kurz.
Man muss nicht gleich den Hobbit draus machen und ein Kinderbuch zu drei 2-Stunden-Filmen auswalzen. Doch ein Zweiteiler hätte mehr Raum für die Geschichte gebracht.
Doch wo hätte man den ersten Teil enden und den zweiten Teil beginnen lassen?

Dafür geht es mit ordentlich Action weiter. Die Überfahrt nach Mandala gestaltet sich im Buch außerordentlich gemütlich, fast schon langweilig.
Der Film kürzt das alles sehr ab und lässt die drei mit einer großen Welle prompt am nächsten Strand landen. Dafür ist Ping sehenswert (leider wieder zu wenig Zeit für all das, was zu entdecken gewesen wäre). Sehr kurz ist auch die liebenswerte Nebengeschichte mit Ping-Pong, dem sich Kennenlernen, Essen, der Stunde der Grille und der Rettung durch den Kaiser ausgefallen.
Komplett unter den Tisch gefallen ist der Brief, den Lukas nach Lummerland schickt, um mitzuteilen, dass es ihnen bis dato gut ergangen ist.

Das Tal der Dämmerung brachte wieder etwas Action, nachdem der 1000-Wunderwald in einer Szene abgehakt war. Doch wirklich, die Fahrt durch die Schlucht fand ich gut. Die Echogeschichte erschließt sich einem nur, wenn man das Buch kennt, aber trotzdem ist diese Sequenz gut umgesetzt.
Gem. Romanvorlage liegt Emma nun im Sterben, bzw. ist schon fast tot, da der Taktierbolzen gebrochen ist, der nur von innen, also im Kessel gelöst werden kann.
Auch hier bleibt der Film hinter Buch und Puppenkiste zurück - die Zeit ist wieder der begrenzende Faktor - das Buch ist düsterer und dramatischer, die Puppenkiste deutlich lustiger.

Gefallen hat mir die Fahrt durch die Wüste, denn die wurde von Herrn Ende doch etwas sehr ausgewalzt. Hier ist sie kurz und knapp und endet glücklicherweise rasch mit dem Treffen des Scheinriesens Herrn Tur Tur.
Wirklich, dieser Herr Tur Tur rührte mir das Herz. Er wirkte als tragische, zerbrechliche Gestalt. Im Herzen unendlich dankbar für etwas menschliche Gesellschaft. Ende überzeichnet ihn etwas zu sehr ins ängstliche hinein. Demnach kam auch der Abschied sehr, sehr schnell.

Es ging ins Dunkle hinein - die Region der schwarzen Felsen mit dem Mund des Todes.
Schwierig, das umzusetzen, wo man doch dort gar nichts sehen kann, aber auch das gelang ganz nett. Warum der Mund des Todes nun unbedingt mit der Form eines Totenkopfes umkleidet sein muss, hat sich mir nicht ganz erschlossen - auch ein Drachenkopf wäre hübsch gewesen, oder einfach nur ein Loch - die eigene Vorstellung ist schlimmer, als alles was gezeigt werden kann.

Nun, die drei kommen wohlbehalten an und treffen den Halbdrachen Nepomuk.
Etwas Klamauk für die Jüngsten, wenig Inhalt für die Älteren - auch hier wurde wieder Potential verschenkt.
Die Drachenstadt war wieder sehenswert. Hier fehlte wieder etwas die Zeit.
Frau Malzahn gefiel mir gut, auch wenn mich die Schulszene nicht recht überzeugte.
Im Buch gibt es dann noch eine gemütlich, entspannte Pause, bis es an die Abreise geht, im Film ist kaum Zeit, um Atem zu holen und ein feuerspeiender Drache unternimmt noch einen letzten Versuch, die Kinder, Lok, Lukas und Frau M. aufzuhalten. Wenn das Buch schon keine Action bietet, muss halt etwas improvisiert werden.
Die Flussfahrt ist kurz und schmerzlos, die Wilde 13 wird eingeführt, ganz, wie es im Buch ist, dann folgt eine Wilde Schussfahrt und zack ist die Bande in Peking.
Ein emotionales Wiedersehen, ein schneller Abschied und die Kinder sind abgeschoben, der zukünftige goldene Drache der Weisheit gibt Answeisung, eine schwimmende Insel einzufangen und dann gibt es schon Kuchen auf Lummerland und Emma bekommt ihre kleine Molly.

Fazit: Süßer Familienfilm - a mixed bag of everything.
Weniger wäre vielleicht mehr gewesen, oder mehr wäre mehr gewesen - der Stoff reicht für einen Zweiteiler, aber s.o. - es geht nicht immer alles.
Bin auf den zweiten Teil gespannt, der nächstes Jahr (?) in die Kinos kommen soll.

Keine Kommentare:

Kommentar posten