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Donnerstag, 18. September 2025

Einmal, zweimal - und dann ist auch gut

Lange ist es her. 
Da schrieb ein Herr Boy Lornsen das Buch "Robbi, Tobbi und das Fliwatüt".
 
Eine schöne Geschichte über Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Toleranz und Mut.  
Eine Nebenperson die dort auftaucht, ist ein Sergant (den Namen müsste ich jetzt nachschlagen), der die Angewohnheit hatte, Dinge zweimal zu sagen. 
Zum Beispiel: "Das ist ja verrückt, das ist ja verrückt!" oder auch "So machen wir das, so machen wir das!"
 
Es war als "Spleen" eines englischen Polizeibeamtens gedacht und man hat etwas darüber geschmunzelt. 
Was stelle ich jetzt fest? Die "junge Generation", also die um die 20 herum haben diesen Spleen übernommen. 
Wie oft wird "genau, genau" gesagt oder "so machen wir das, so machen wir das".
 
Wenn ich daraus eine mathematische Reihe ableite, wird über kurz oder lang ein Roboter an mein Fenster klopfen. 
Ist das nun gut oder beängstigend? 

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Endes schwieriges Frauenbild

Nun gibt es ja diese Bewegung, die aus alten Büchern alles tilgen möchte, was aus heutiger Sicht politisch nicht mehr korrekt erscheint. 
So ist der Vater von Pippi Langstrumpf schon länger kein "Negerkönig" mehr, sondern ein "Südseekönig".
So wenig, wie er vormals über die "Neger" geherrscht hat, so wenig herrscht er nun über die Südsee. 
Der eine, wie der andere Begriff passt nicht. Allerdings haben die Eingeborenen ihn zum König gemacht - im Gegensatz zur Südsee. 
Ein Sternchen mit Fußnote wäre schön gewesen, auch Kinder verstehen eine Erklärung wie: Als das Buch geschrieben wurde, war "Neger" eine gebräuchliche Bezeichnung für dunkelhäutige Menschen und nicht unbedingt abwertend gemeint. Heute wird der Begriff vermieden.
Dann könnte eine Reihe alternativer Begriffe genannt werden. 


Schon schwieriger wird es bei Michael Endes "Jim Knopf", denn Lukas schlägt vor, das dunkelhäutige Baby "Jim" zu nennen, weil es ein "Negerkind" ist. 
Wow, das klingt nicht nur heute böse rassistisch, sondern war es damals auch schon. Vor allem, den Namen "Jim" mit der Begründung zu wählen, weil das Kind dunkelhäutig ist. 
Wie will man das "reparieren"? Soll es nun so heißen: "Wir nennen ihn Jim, weil er dunkelhäutig ist"?
Wäre das weniger rassistisch? Ebenso schwierig wäre: "Wir nennen ihn Jim, weil er ausssieht, wie ein Jim"? Der Punkt ist zu verstehen? Nur der Austausch von einzelnen Wörtern macht einen Text nicht weniger rassistisch. 
Aber ist es auch rassistisch gemeint? Sehen wir uns das liebevolle, väterliche und freundschaftliche Verhältnis von Jim und Lukas an. Da spielt die Hautfarbe eigentlich nur in sofern eine Rolle, dass sich Jim bei Lukas wohlfühlt, weil auch Lukas` Haut dunkel ist und da sehen wir schon, wie sehr Ende sich in Jim hineinversetzt hat und nachfühlen kann, wie es einem Farbigen inmitten einer weißen Gesellschaft geht. 
In meinen Augen geht dieser Punkt an Herrn Ende. 

Deutlich schwieriger wird es, wenn wir einen Punkt betrachten, über den selten bis nie etwas zu lesen oder zu hören ist. Die Frauen in Endes Buch. 
 
Es treten in zwei Bänden vier Frauen auf - drei werden im ersten Band vorgestellt und im zweiten Band kommt die Vierte dazu.
Alle anderen Protagonisten sind Männer, siebzehn - sollte ich mich nicht grundlegend verzählt haben. Von der Wilden Dreizehn noch gar nicht zu sprechen, denn mit denen kommen (Spoiler-Alarm!) zwölf weitere dazu. Damit stehen 29 männliche Sprechrollen (große Auftritte habe nicht alle) 4 Frauen gegenüber. 

Die Männer sind großherzig, mutig, karrierbewusst, ausgesprochen einfältig und gehorsam, antiautoritär eingestellt, dienstbeflissen oder intelligent. Nicht alles zugleich, sondern schön auf die guten und auf die bösen Menschen aufgeteilt.

Was bleibt da für die Frauen übrig?

Frau Waas ist liebevoll, ein wenige anarchistisch und auch mutig - sie behält das Negerbaby obwohl sie große Angst hat, dass ihr "Betrug" auffliegt. Aber Ende verleiht ihr auch Eigenschaften, die sie in keinem guten Licht dastehen lassen. Sie ist betulich, wie eine alte Tante. Erscheint ungebildet und weiß nicht, "was für Leute Drachen sind", zwar ist sie gut um Haushalt (nähen, kochen, backen), aber damit wird eher das "Hausfrauenimage" zementiert. Zudem ist sie immer wieder ängstlich und stets besorgt.
Dabei aber auch wieder passiv - sie lässt es einfach geschehen, dass Jim heimlich abhaut. 
Unter uns: Bea hätte die Welt aus den Angeln gehoben, hätte eines ihrer Kinder so etwas gemacht. 
Die Kinder dürfen gerne in die Welt ziehen - aber nicht ohne, dass man weiß, wo sie abbleiben. 

Prinzessin Li-Si erscheint ebensowenig in einem guten Licht. Sie ist zwar sehr intelligent, aber auch listig, aufmüpfig, frech, naseweis, ängstlich und besserwisserisch. 
Sie ist nicht einmal emanzipiert und forsch, weil sie die gleichen Rechte einfordert wie Jim sie sich rausnimmt (auf Abenteuerfahrt gehen), sie möchte es bloß, weil sie trozig ist und das ungerecht empfindet - da hat sie nicht einmal Unrecht und Jim ist da auch nicht sonderlich diplomatisch. 
Aber sie zeigt eher ein unreflektiertes Verhalten, als den Willen zur Veränderung des Status quo an sich. Jim und sie begegnen sich im Konflikt auf Augenhöhe. Vor allem lässt Jim hier ziemlich deutlich den Macker oder Macho raushängen.

Fau Malzahn ist die böse Antagonistin in Person. Boshaft, rachsüchtig, uneinsichtig, rassistisch (aber darüber spricht ja wieder niemand). Als "Goldener Drache der Weisheit" ist sie zwar allwissend, aber schweigsam und spricht nur mit Jim und Lukas. 
Ja, nun ist sie auch dankbar, aber sympathisch macht es sie nicht.
 
Prinzessin Sursulapitschi, die Meerjungfrau, hat eine etwas beschränkte Sichtweise, wenige Verständnis für die Bedürfnisse anderer, ist dafür aber hilfreich und niedlich. 

Für ein positives oder gar progressives Frauenbild spricht das nicht.
Jim und Lukas werden als antiautoritär, mutig und entschlossen gezeigt. 
Männer der Tat, die allen Widrigkeiten der Welt trotzen, einem ungewissen Schicksal, vielleicht auch dem Tode mit einem grimmig lachenden Gesicht entgegengehen. 

Tja, und die Frauen: FrauWaas versorgt den Haushalt, am Anfang vom zweiten Buch wird erzählt, dass Li-si bei ihr lernt/lernen soll, einen Haushalt zu führen. In den großen Ferien, wohlgemerkt.
Malzahn ist eine Lehererin - hui! Das macht Lust auf Schule und die kleine Sursulapitschi tanzen vergnügt und etwas weltfremd durch ihr Leben. 

DAS ist alles nicht mehr zeitgemäß. Aber alles am "N"-Wort aufzuhängen, greift zu kurz.

Montag, 21. Oktober 2024

"Warum hassen Sie mich"

Kennt noch jemand die Folge aus der Serie "Friends", in der Chandler (durch eine Verkettung unglücklicher Umstände) alleine im Theater in einer One-Woman-Show sitzt, in der eine Schauspielerin eine Darbietung einer frustrierten Frau auf die Bühne bringt?
Chandler fühlte sich wirklich deplatziert - nicht nur, weil es wirklich nur um Frauenthemen ging, sondern auch, weil er alleine in der ersten Reihe saß - komplett im Focus der Darstellerin und da niemand neben ihm saß fühlte er sich auch immer direkt angesprochen.

Ein bisschen so fühlten wir uns auch, als wir zur offenen Vorlesebühne gegangen sind. 
Victor hatte sich in den Kopf gesetzt, dort etwas vorzutragen, was er selber geschrieben hat.
So saßen wir also im leidlich gefüllten, aber hübsch dekorierten Publikumsraum und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
Ein Mittfünzigerin, alternativ gekleidet, betrat die Bühne, sezte sich, sprach eine kurze Begrüßung mit einer Ankündigung, wer alles lesen wolle und dass Hubert mit der Gitarre für etwas musikalische Umrahmung sorgen würde. 
 
Das Spiel begann, es wurde gelesen: Kurzgeschichten, Gedichte, Hörspiele, selbstgeschriebenes, gefundenes und auch etwas frei vorgetragenes. 
Victor war an zweiter Stelle und so hegten wir die Hoffnung, nach der Pause gehen zu können.  
Nicht, dass es langweilig oder enttäuschend gewesen wäre, aber an einem Sonntagnachmittag könnte man bei gutem Wetter auch etwas im Garten tun. 
Doch Victor wollte bleiben und alle anderen auch. Der Raum war nach der Pause so voll, wie vor der Pause. Es gab keine Peinlichkeiten, nichts, wo man schreiend rausrennen wollte, es war alles in Ordnung. Fast schon enttäuschend, dass es keinen Lapsus gab, nichts, über das man hätte etwas meckern können. Professionell, freundlich, die Qualität durchaus vernünftig. Die Atmosphäre durch und durch positiv. Niemand hat gebuht, es wurde immer geklatscht und schließlich gab es später sogar noch direkten Zuspruch für Victor, dem einige gesagt haben, wie sehr sie sich in seinen Gedichten wiedergefunden hätten.

Wir haben uns bei dem Gedanken erwischt, auch zur nächsten freien Vorlesebühne zu gehen - ganz freiwillig.

Samstag, 28. September 2024

Labsal für Seele und Geist

Wer mal etwas wirklich schönes lesen möchte. Keine dicke Schwarte, wie "Harry Potter" oder "Der Schwarm" und wenn es nicht so tiefgehend die "Der Zauberberg" sein soll. 
Dann habe ich eine Empfehlung abseits von Bestsellerlisten und den 0815-Thrillern vom Ramschtisch.

Es war 1919, als Hermann Hesse ins Tessin übersiedelte. Im Gegensatz zu heute, wo jeder Hans und Franz jeden Joghurt auf Insta dokumentiert und jede Reise im WhatsApp-Status plakatiert, is Hesse in aller Stille, als Wanderer auf Schusters Rappen (das ist die poetische Umschreibung für "zu Fuß") über die Alpen gewandert und hat seine Gedanken in kurzen Kapitelchen und einer kleinen Aquarell-Zeichnung festgehalten. Es ist also kein großer Roman, keine wortreiche Beschreibung seines Weges, sondern nicht mehr, als ein paar Gedanken, die ihn begleitet und beschäftigt haben. 
Dabei ist kein Wort zuviel, die Sätze sind kurz, die Gedankenführung klar und ohne Schnörkel. 
Die Tiefe liegt unter der Oberfläche. Wer nicht dran kratzt wird sie nicht stören. 

Das macht die Größe dieses unscheinbaren Buches aus. Es will nicht mehr sein, als es ist und doch kann man eine Metaebene erahnen, den Geist, der auch "Siddhartha" durchdringt, ist spürbar und doch drängt sich nichts in diesem Buche auf. 

Hier komme ich noch einmal auf die Sprache zurück: Erfrischend einfach und klar. Der Text fließt wie von selbst. Es ist kein Wort zuviel, kein Schachtelsatz fordert ein erneuetes Lesen oder eine Wiederholung. Diese kurzen Gedanken sind ein Paradebeispiel für einen gutlesbaren Text und sollten sowohl Schülern als auch Jornalisten als Blaupause für ihre eigenen Absonderungen gelten.

Dienstag, 1. Februar 2022

Der Verlust von ... eigentlich allem

Nach dem Verlust der Kindheit, dem Verlust der Unschuld und dem Verlust des Zusammenhalts
bleibt nicht mehr viel übrig, was wir in dieser Gesellschaft verlieren können.

Somit haben wir alles verloren, auch die kleinen Freuden des Alltags, die eigentlich das Leben so schön machen.

Weihnachtsgebäck - ist ab September zu bekommen. Im Internet bestimmt das ganze Jahr über.
Süßigkeiten, Schokolade, Kuchen, Kekse - jederzeit verfügbar.
Essen - bringt der Lieferservice.
Die große Liebe - Parsh*p wird's schon richten.
Fernsehen - früher war es die "eine" Serie, die einmal in der Woche lief und wenn man die verpasste, war es ein Weltuntergang. Heute kann über einen Streamingdienst bis zum Erbrechen geguckt werden (neudeutsch: binge watching).
Kleine Geheimnisse - der Browserverlauf verrät alles, und wenn nicht der, dann die Werbung, die eingeblendet wird, weil sich die an den Sachen orientiert, die zuletzt angesehen wurden. 

Der Zauber, der dem Unbekanntem, der Unwägbarkeit innewohnte, den haben wir wegrationalisiert. 
Daraus ist letztendlich eine Leere in uns entstanden, die wir jetzt versuchen, durch lustige Filmchen auf Instagram, durch bunte Bilder auf Pinterest und alberen Postings auf Facebook zu füllen.
 
Wer sich noch an die "Unendliche Geschichte" erinnert, oder auch an "Momo" - das wird jetzt die kalte Wirklichkeit. Immer, wenn ich denken, noch schlimmer kann es ja kaum kommen, holt mich die immer schnellere Entwicklung unbarmherzig wieder ein. 


Montag, 10. Januar 2022

Wissen ist Nacht!

Der Satz "Wissen ist Nacht" spiel im Roman "Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär" eine zentrale Rolle.
Wer das Buch kennt - also das Buch, nicht das Hörbuch - weiß, dass es eine Schwarte ist. 
700 oder 800 Seiten - mit Abzügen bei der B-Note. Es gibt viele Zeichnungen, teilweise über eine ganze Seite, der Schrift ist nicht allzuklein und es gibt einen Rand, an dem Unterüberschriften stehen. 
 
Worauf ich hinausmöchte: Nicht jedes Kind mag lesen. War vor 30 Jahren nicht anders als heute, mit dem Unterschied, dass es außer Fernsehen und Gameboy wenig anderes gab.  
Sofern wir von basteln, Modellbau, Sport, draußen spielen, Freunde treffen, musizieren/Musik hören, zeichnen oder backen/kochen absehen. Das sind halt alles Dinge, die Aktion bedeuten. 
Wer sich nicht langweilen wollte, musste aktiv werden. 
Heute nimmt uns das Smartphone jede Langeweile. 

Alles in allem kein großer Anreiz mehr das Lesen zu kultivieren. 
Hier habe ich in einer Fußnote beschrieben, dass Victor Mühe beim Lesenlernen hatte. 
Vielleicht gibt es sogar einen "richtigen" Beitrag darüber, aber den habe ich nicht gefunden. 
Tatsächlich habe ich viel mit ihm geübt und unser beider Geduld wurde arg strapaziert. 

Er hat lesen gelernt, aber es war nie sein liebstes Hobby. 
Doch irgendwann hat er entdeckt, dass er neues lernen kann, wenn er liest. Neue Welten taten sich auf. Er ist geschichtlich interessiert und so waren plötzlich Bücher im Fokus, in denen deutsches Zeitgeschehen als Roman verarbeitet wurde. 
Siehe da, er liest fleißig, gerne, versteht, was er liest. 
Bücher mit 200, 300, 400 Seiten. 
Das hätte ich vor 10 Jahren noch nicht gedacht. 

Damit möchte ich eines hervorheben: Eltern, lest mit Euren Kindern! Nehmt Euch Zeit. Lest vor, macht neugierig, verbringt "Quality Time" mit den Blagen. Führt sie positiv an Bücher heran. 
Es lohnt sich. Gemeinsam "erlebte" (erlesene) Geschichten verbinden. Das können immer wieder Anknüpfpunkte für Gespräche sein, ihr bleibt im Gespräch und "verliert" die Kinder nicht. 

Das Ergebnis zählt! Selbst wenn Sie Groschenromane lesen oder Fanfic, Disneys lustige Taschebücher oder auch Mangas. Die Fähigkeit einer Handlung zu folgen, geschriebene Inhalte aufzunehmen und zu verstehen sind auch in einer "digitalisierten" Welt unbezahlbar. 
Nehmt Euren Kindern diese Chance nicht sondern eröffnet ihnen durchs Lesen neue Welten. 

Victor liest gerade "Käptn Blaubär", ein Wälzer mit 700 Seiten oder mehr - natürlich ist das keine deutsche Hochliteratur, aber er liest freiwillig und gerne. Zu sagen, er kämpft sich da durch, wäre falsch. Er erobert sich spielend einen Kontinent namens Zamonien und das alles ohne Druck und Ärger. 

Eltern - nehmt Euch Zeit für die Kinder und lest - es zahlt sich tausendfach zurück!

Dienstag, 28. September 2021

Homosexuelle sind der Untergang des Abendlandes

Na, auch wegen der provokanten Überschrift hierhergeklickt?
Dann sage ich das am besten gleich:
Hier wird einfach ein Gedanke etwas überspitzt und satierisch auf den Punkt gebracht.
Ich schreibe das lieber gleich, weil Satiere, Ironie und selbst blanker Unsinn in Deutschland generell ernst und für bare Münze genommen wird.

Wem verdanken wir einige der besten Stücke Literatur, unvergessliche Musik und bahnbrechende Filme?
Ganz klar, homosexuellen Künstlern.
Thomas Manns "Zauberberg" und "Tonio Kröger"
Tennessee Willams "Katze auf dem heißen Blechdach" oder die "Glasmenagerie"
Freddy Mercurys Musik
...
Jedem werden wohl Beispiele einfallen, sei es in Kunst oder Bildung, Forschung oder Technik.

Die Beatles sind bekannt geworden, weil Brian Epstein von den Jungs fasziniert war und aus einschlägig bekannten Gründen keine Familie gegründet hat.
Also wurden die Beatles seine Familie und er kümmerte sich intensiv um deren Erfolg.

In Manns Werken stecken viele Anspielungen auf seine unterdrückte Neigung und auch bei anderen Künstlern ist die verdrängte Sexualität oft zur Triebfeder ihrer Werke und Arbeiten geworden.

Die Kinder, die aus den evtl. geschlossenen Ehen hervorgingen haben die künstlerischen Neigungen oft geerbt und auf die eine oder ander Weise umgesetzt.

Aber was sehen wir jetzt?

In unserer pluralistischen Gesellschaft darf jeder so homo oder bi oder hetero sein, wie gerne möchte.
Wer mit Latexmaske zur Arbeit geht oder sich als Pferd verkleidet durch die Straßen treiben lassen möchte, kann das tun. Es interessiert irgendwie auch niemanden mehr so richtig.

Wo bleibt jetzt der Untergang?
Ganz einfach, da wo kein Zwang mehr besteht, entsteht auch keine Kunst mehr. Die Kraft, die Energie, die sich vorher kreativ entladen hat, kann nun auf ein normales Leben aufgewendet werden.
Also verarmt die Künstlerlandschaft, weil keiner mehr den Drang verspührt, sich auf einer Metaeben auszutoben - geht jetzt ja auch einfacher.

Weiterhin pflanzen sich diejenigen, die sich dennoch künstlerisch ausdrücken müssen, nicht mehr fort. Für den Einzelnen ist es ein Segen oder eine Befreiung, denn mit einer unterdrückten Sexualität zu leben ist kein Spaß, wieviele Selbstmorde auf das Konto von Unterdrückung Repressalien geht, ist wohl nirgendwo erfasst, müsste aber enorm sein.
 
Doch die Kultur-Gesellschaft zwingt es in die Knie.
Kein künstlerischer Ausdruck, keine frischen Ideen, niemand mehr, der uns den Spiegel vorhält.
Zu guter Letzt werden auch die kreativen Gene nicht mehr weitergegeben und in dieser Folge verarmt die Kultur Europas.  
 
Freue mich auf Eure geschätzten Kommentare zu diesem brisanten Thema.  

Freitag, 11. Dezember 2020

Vom Vorlesen und Keksebacken

Tatsächlich kommen jetzt erstmal einige Absätze Geplänkel, in denen ich mich wie üblich über meine Mitmenschen lustig mache. 
Der wirklich wichtige Teil kommt erst weiter unten. 

Schon immer habe ich gerne gebacken. Plätzchen, Kuchen, Brot. 
Dabei neige ich zu den einfachen Rezepten. Die Sachen müssen Hand und Fuß haben, kein Schickimicki, kein Goldrand und vor allem muss es schmecken. 
Modetorten in quietschbunten Farben, sind bei mir nicht zu finden. 

Der Erfolg gibt mir recht. Mein Kuchen wird gerne gegessen, meine Plätzchen finden regen Absatz. 

Jetzt geht es in die nächste Generation - Yolande sitzt in einer fernen x-beliebigen Universitätsstadt, betreibt Home-Studying (schreibt man das wirklich so?) und backt Weihnachtskekse. 
So kamen auch prompt per Newmedia erst Bilder und später auch Kommentare. 

Sie beschrieb ein mir bekanntes Szenario: Die Kekse kommen gut an, sind schon fast weg und diejenigen, denen ein Döschen geschenkt wurde melden (von sich aus), wie lecker die sind und ob es evtl. noch einen klitzekleinen Nachschub geben könne. 

Dem gegenüber stehen dann die Plätzchen, die uns geschenkt werden. 
Es ist ja lieb gemeint, aber bitte behaltet eure Steinküchlein. Wir brauchen kein Staubgebäck und auch keine Dekokekse ohne Geschmack. 
Warum tut ihr uns und auch euch selbst das an?
Könnt oder wollt Ihr das nicht besser machen?
Schmecken euch die eigenen Kekse, oder seid ihr so freigiebig, weil ihr die loswerden wollt und sie auch euch nicht munden?
Nein, nicht jedes Rezept ergibt leckeres Gebäck. Das ist auch bei mir so, aber ich sortiere aus. 
Schmeckt der Keks nicht fliegt das Rezept ins Altpapier. 
Bei Fehlversuchen, die auf meine Kappe gehen, mache ich Notizen und probiere es ein anderes Mal erneut und bringe (hoffentlich) eine Verbesserung ein. 
Aber Lebensmittelabfälle werden von mir nicht zur Tarnung hübsch eingepackt und verschenkt. 
So misantrophisch bin nicht einmal ich. 
Interessant dabei, dass auch Yoland mir berichtet, wie sehr sich ihre Erfahrung mit meiner o.g. Beschreibung deckt. 

Jetzt zu den wichtigen Dingen im Leben. 
Yolande berichtete aus ihrem Studium, wie ein Prof die Wichtigkeit des Vorlesens bei Kindern herausgestellt hat. 
Das sei nicht nur eine gemütliche Zeit zusammen, sondern es verbessere die Konzentrationsfähigkeit, den Wortschatz, trage zu einer positiven Einstellung zur Sprache im allgemeinen bei und zu guter Letzt haben Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde bessere Noten in Sprachen und Mathematik. 
Jungs profitieren deutlich mehr vom Vorlesen, als Mädchen. 

Nicht, dass wir immer alls gut und richtig gemacht hätten, aber Vorlesen war immer ein Bestandteil des Abendrituals. Ist es so schwer, sich mal diese Viertelstunde um das Blag zu kümmern und etwas zu lesen? Warum ist das nicht allgemeiner Konsens.

Auch wenn Eltern nicht oder nicht sicher lesen können, dann kann anhand eines Bilderbuches eine Geschichte erzählt werden. Lasst Phantasie zu, gebt dem Kind Raum, die Geschichte mitzugestalten und entwickelt eigene Ansätze. Das gemeinsame Lesen (und Leben) bietet Chancen - nehmt sie wahr. 

Nein, nicht jedes Kind wird durch Vorlesen zum Einstein. 
Wahrscheinlich gar kein Kind, wenn es nicht das entsprechende genetische Potential mitbekommen hat.
Aber die Schulzeit wird für alle leichter, wenn Jungemädchenkindjugendlicher mit einem positiven Verhältnis zu Buch und Sprache durchs Leben geht. 
 
In diesem Sinne - raus mit den Büchern und dann wird vorgelesen!

Dienstag, 2. Juni 2020

When I want Sax...

Jetzt habe ich sie.
Die (Auto-)Biographie von Candy Dulfer.
Tatsächlich für einen Schleuderpreis hinterhergeworfen. Die ursprünglichen 25 EUR haben wohl viele abgeschreckt und da sie nur auf niederländisch erhältlich ist, kann der Markt nicht so groß sein.

Mir ist das egal, ich lese dann eben auf niederländisch, was ich zwar nicht kann, aber die Sprache ist mit unserer doch verwandt.

Einige Klippen gilt es zu umschiffen und nicht jeder Satz ist mir klar, aber den großen Zusammenhang kann ich erkennen. Falls mir ein Schlüsselsatz oder ein wichtiger Absatz ganz fremd bleibt, nutze ich dict.cc und übersetze mir die Worte, die mir fehlen.

Doch es gibt auch viele "Vokabeln", die vertraut klingen.
Genau das ist der Schlüssel, wenn einiges laut (und sicherlich sehr falsch :-) ausgesprochen wird, dann erschließt sich oft der Sinn eines Wortes.
"zin" = Sinn
"zag" = sagen
"en" = "and" = und

"daar" = da (oder dort)

Wobei es auch "false friends" gibt. Die sehen und klingen einem deutschen Wort ähnlich,
bedeuten dann aber etwas ganz anderes:
"haar" = "her" = sie (oder ihr)  und keinesfalls "haben" oder "hatten"
"hoofd" = Haupt/Kopf und keinesfalls "Heft"

Einige Sachen benötigen einen kleinen Umweg, bevor ich sie verstehe.
"pesten" = ärgern, hier gibt es bei uns tatsächlich de Redewendung: "er pestet rum" und damit ist gemeint, dass jemand, ärgert, piesackt oder einfach nur nervt.
"altijd" = "all time" = immer
"uur" = "Hour" = Uhr
"een keer" = ein Mal  - een keer-> eine Kehre-> eine Runde-> ein Mal
Manchmal ergibt sich der Wortsinn aus dem Zusammenhang und man findet eine "Herleitung" für einen Begriff. Dann muss man beim nächsten Mal nur noch kurz oder gar nicht überlegen.

So geht das Lesen immer etwas flüssiger.
Es ist also ein großer Spaß und ich bin gespannt, wass Candy noch alles zu erzählen hat.

Freitag, 7. Februar 2020

Wissen heißt wissen

Tante G**gle weiß alles!

Gestern Abend habe ich aus einer Laune heraus nach Infos über ein altes Buch gesucht.
"Durch die weite Welt" - ein Jahrbuch für Jungen (?) von 1928 aus der "Franckh'schen Verlagsbuchhandlung".
Nun endlich weiß ich, dass es sich hier um ein Buch aus dem Hause "Kosmos" handelt und die Reihe "Durch die weite Welt" bis in die 1980er hinein fortgesetzt worden ist.

All das sind Informationen, die nett zu wissen sind, mein Leben verändern werden sie nicht.

Doch das Buch ist interessant. Tatsächlich habe ich es von meinem Großvater geerbt, der mir damit das Lesen der deutschen Frakturschrift beibrachte und es mir dann schenkte.
Er wird es als Jugendlicher gekauft oder geschenkt bekommen haben.
Nehme ich es zur Hand, lese ich Geschichten, die in exotischen Ländern spielten, lerne, wie man mit einfachen Chemikalien belichtete Bilder entwicklen kann, wie man die Temperatur einer Flamme berechnet. Es gibt einen Aufsatz über Geheimschriften, kleine Rätsel und launige Artikel, die nicht ganz ernst gemeint sind.
Kurzum ein bunter Strauß an interessanten Dingen, die mal mehr mal weniger relevant für den Alltag sind. Doch - und das ist ein Kern dieses Postings - diese Informationen sind jederzeit abrufbar.
Das Buch hat nicht nur fast 100 Jahre überstanden, einen Weltkrieg, mehrere Umzüge und Besitzerwechsel, doch es steht noch alles so geschrieben, wie einst.
Selbst wenn es den Kosmos-Verlag nicht mehr gäbe - das Buch existierte weiter.

Dagegen habe ich vor einigen Jahren auf YouTube ein Video gesehen, in dem der Saxophonist Gerry Mulligan  mit der Sängerin Judy Holliday das Lied ''I can't wait to get married'' geprobt hat.
Dies Video ist verschwunden, gelöscht.

So, was soll uns das alles sagen?

Heute wird gestreamt; also gegen Bezahlung heruntergeladen.
Doch was man sieht, wird nicht erworbenen.
Die ''Online-Musiksammlung'' gibt es nur so lange, wie es auch den Anbieter gibt.
Das gleiche gilt auch für Online-Büchereien.
Es wird gezahlt, ohne die Sachen zu besitzen. Nein, es ist nicht wie mieten oder leasen.
Denn die Ware ist nur solange verfügbar, wie Strom und/oder Internet verfügbar ist.
Ein feiner Unterschied, der einem erst dann auffällt, wenn die bezahlte Leistung nicht mehr verfügbar ist. So steht der Kunde also in direkter Abhängigkeit zum Anbieter - und scheint es nicht zu merken, ja mehr noch. Er erklärt jeden für altmodisch oder gar beschränkt, der dieses System anzweifelt.


Als ich im vergangenen Jahrhundert zur Schule ging,  wurde uns immer gesagt,  wissen heißt wissen, wo es steht.
Das war und ist natürlich nur die halbe Wahrheit.
Es reichte nicht, nur irgendwie und ein bisschen. Nein, es ging darum, in welchem Buch, in welchem Kapitel,  auf welcher Seite.
Die relevanten Informationen mussten dann auch selbst herausgelesen werden.

Heute wird Grundschülern einfach an den Kopf geworfen: Sucht das mal im Internet.
Ohne Anleitung, wie eine zielstrebige Suche aussieht.

Das Resultat sehen wir heute. Google ist die meistgenutzte Suchmaschine, Wikipedia hat alle Enzyklopädien vom Markt gefegt, Telefonnummern hat man nur noch im Telefonspeicher und der Weg zum Bäcker wird ohne den Navi nicht gefunden.
Gewiss, ich übertreibe. Aber nicht sehr.

Der Nachteil an der ganzen Sache ist jedoch, ohne Strom läuft nix.
Akku leer - die Langeweile beginnt.
Sendemast ausgefallen  - die Suizidrate steigt.
Strom weg - alles Wissen ist dahin.

Sollte wirklich mal ein "black out" des Stromnetzes in Europa das Licht ausgehen lassen, dann werden Chaos und Anarchie herrschen.
Abgesehen von den tatsächlichen Problemen, wie abtauende Gefriertruhen, kalte Heizungen und geschlossene Läden, wird es für die Menschen schwierig, wenn sie keine Bilder von sich vor der dunklen Ampel, dem verschlossenen Kiosk oder vor einem Autounfall mehr bei Instagram oder Facebook posten können. Online-Spiele fallen aus, "Freunde" und "Follower" sind nicht mehr zu erreichen. Anrufen kann man auch niemanden mehr. Nicht nur, weil das Internet nicht mehr läuft, sondern auch weil niemand mehr die Nummer des jeweils anderen kennt.
Selbst wer ländlich lebt und die fehlende Heizung mit einem Holzofen ausgleichen kann, wird nicht mehr wissen, was er essen soll, denn alles Wissen über Pilze und Wildkräuter steckt in einer App.
Die Grundlagen, um evtl. eine Notstromversorgung mittels Nabendynamo herzustellen sind zwar vorhanden, aber der Bauplan liegt im Netz und beim Elektroversand kann auch nicht bestellt werden.

Diese hochzivilisierte Welt ist derart abhängig von Strom und Internet, dass einem bei etwas Nachdenken Angst und Bange wird. Wir leben in einem sehr fragilen System.
Vielleicht sollte ich mal anfangen, vorzusorgen...


Montag, 15. Juli 2019

Urmel und ein rechter Seitenhieb

Urmel aus dem Eis.
Eine schöne Geschichte um Freundschaft, Anderssein und die Bewahrung der Schöpfung und Geheimnisse .
Bevölkert von Menschen, Tieren, Außerirdischen, Urzeittieren und anderen Geschöpfen.
Die Menschen spielen eher eine Randrolle, im Mittelpunkt das Urmel und Wutz, seine Adoptivmutter.
Die Tiere haben alle einen kleinen Sprachfehler. Während Wutz gerne mal ein "öfföff" einschiebt, worin sich fast jeder Politiker wiederfinden kann, der kaum einen Satz ohne "äh, ähm, ja also" herausbringt, ist Ping Pinguin sehr putzig, wenn er jedes "sch" als "pf" sagt.
Auch Wawa, der Waran zischt jedes "z" besonders scharf heraus.

Die wahre Tragweite wird einem dann bewusst, wenn man diese Texte vorliest.
Da fangen sie an die Probleme, nicht nur dass man entgegen seiner normalen Aussprache allerlei Kauderwelsch zu lesen hat - Schusch, der Schuhschnabel kann kein "i" sprechen und ersetzt es durch ein "ä".
Jetzt versuchen Sä dä Texte zu lesen ohne ämmer mehr einen Tonfall zunehmen bei dem auch das "e" zu einem "ä" wärd. Äch fände es wärkläch schwer, dabei nächt än eine Verballhornung eines deutschen Polätäkers zu verfallen, der unsägläches Leid über dä Welt gebracht hat.

Die Augsburger Puppenkiste hat das Problem elegant gelöst und lässt den Vogel einfach ein "L" statt eines "r" sagen. Schon besteht diese Versuchung gar nicht.

Ob Herr Kruse die Doppeldeutigkeit des Sprachfehlers mit dem "i" bewusst war?
Vielleicht hat er deshalb diesen etwas schrägen Vogel für diese Aufgabe ausgewählt.

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Im Zeichen der Neun!

Tatsächlich löse ich gerne Sudokus.
Dabei mag ich es traditionell mit Papier und Stift.
Yolande hat mir unlängst ein Sudoku Taschenbuch geschenkt, dass sie im einem Bahnhofskiosk erworben hat.
Es ist die Ausgabe April/Mai und enthält 500 Sudokus - das wird dreimal erwähnt.
Rein rechnerisch müsste man jeden Tag 8,14 Sudokus lösen, wenn mann in 61 Tagen damit durch sein möchte, um dann die Juni/Juli-Ausgabe kaufen zu können.
Mehr noch!
Das Heft enthält 500 garantiert neue Sudokus!!!
Fantastisch, keines davon wurde vorher schon veröffentlicht.
Wie wunderbar.
Ganz ehrlich, setzte man mir jetzt eines der ersten zwanzig Rätsel erneut vor die Nase, dann würde ich es nicht merken.
Doch anscheinend gibt es hinreichend genügend Leute, die das sehr genau merken.
Also gut, dass es extrs zweimal draufgedruckt ist.
Wer mochte schon alte Sudokus lösen? Die könnte man ja vor acht Jahren schon einmal gelöst haben. Welch Graus!

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Das Parfum

Eine erschöpfende Kurzkritik.

Es war in den 80ern ein Beststeller - warum, das frage ich mich bis heute.
Tatsächlich habe ich erst mit 30 Jahren Abstand gelesen und frage mich,
was an diesem eindimensionalen Roman von Patrick Süskind so fasziniert hat.

Der Inhalt ist schnell erzählt.
Der Protagonist Jean-Baptiste Grenouille zieht jeglichen Nutzen, den er haben
kann, aus demjenigen der ihn aufnimmt. Sobald Grenouille weiterzieht
bricht das Unglück über den Gastgeber herein.

Dieses Thema wird sooft wiederholt (nicht mal variiert oder irgendwie aufgebrochen),
bis der Roman die benötigte Anzahl an Seiten erreicht hat.
Er endet damit, dass sich Grenouille umbringen lässt.

Das Buch ließ mich ratlos und gelangweilt zurück.
Lt. Wikipedia soll dieses Buch der Postmoderne zugerechnet werden.
Alles an Postmoderne vergleiche ich zunächst mit dem Foucaultschen Pendel
von Umberto Eco, der vielschichtige und undurchsichtigen Geschichte
um drei Lektoren, die Rosenkreuzer und alle Verschwörungstheorien.
Weiterhin vermittelt mir Wikipedia, dass es als Bildungs-, Künstler-, Entwicklungs- und
Kriminalroman gelesen werden kann.
Eine persönliche Reifung oder Entwicklung Grenouilles ist für mich nicht erkennbar.
Kriminalroman - ja, im weiteren Sinne, aber abzüglich Spannung, Raffinesse oder Esprit.

Es gibt viele gute Bücher, die nie gedruckt wurden.
"Das Parfum" gehört eindeutig nicht dazu.

Montag, 11. Juni 2018

Jim Knopf und Lukas - eine Rezension

Dieser Beitrag "liegt" schon seit April!!!
Habe erst jetzt geschafft, zuendezuschreiben.  Der Schluss ist also etwas knapp ausgefallen...


Hier geht es um den Spielfilm, der um Ostern ins Kino kam.
Die erste Verfilmung mit "echten" Schauspielern, nach der Trickfilmserie und zwei Verfilmungen der Augsburger Puppenkiste.

Halten wir mal fest, die Adaption durch die Puppenkiste hat zum einen schon einen Kultstatus, prägte Generationen von Kindern und hat Maßstäbe gesetzt. Einerseits durch die werkgetreue Umsetzung, dann aber auch durch die Musik, die mit einfachsten Mitteln, eingängigen Melodien und einprägsamen Texten das Geschehen untermalt.

Über die Zeichentrickserie schweige ich lieber.

Die Eröffnung des Filmes ist schon fast klassisch: Kamerazoom auf die bekannte Insel mit den zwei "Bergen", die im Buch von Herrn Ende gar nicht so genannt wird.
Dazu die Melodie der Augsburger Puppenkiste, die wohl jeder kennt. Eine schöne Hommage an selbige.
Die Story ist die bekannte. Jim kommt an, er wird größer, Emma muss gehen.
Sehr schön umgesetzt, die Einstellungen wo Jim mit Lukas auf der Lok herumfährt, wie Herr Ärmel (gut besetzt mit CMH) mal zufällig, mal absichtlich den Streichen von Jim zum Opfer fällt.
Auch der namensgebende Knopf kommt vor.
Der König ist etwas sehr auf Klamauk gemacht, etwas mehr Tragik und Tiefe hätten ihm gutgetan.
Annette Frier als Frau Waas ist auch gut getroffen, insgesamt wirkt sie weniger "hausfraulich-betulich" als im Buch, wo sie doch sehr klischeehaft und etwas ungebildet daherkommt (das hat sie mit Tante Paula aus Lornsens "Robbi, Tobbi und das Fliewatüt" gemein).
Aber schon bei den ersten Szenen tritt zu Tage, was den ganzen Film etwas überschattet:
Die Zeit reicht nicht aus.
Ja, es gibt viele Details, ja, es ist alles sehr liebevoll und mit viel Verve ausggestaltet und gespielt, aber es kommt viel zu kurz.
Man muss nicht gleich den Hobbit draus machen und ein Kinderbuch zu drei 2-Stunden-Filmen auswalzen. Doch ein Zweiteiler hätte mehr Raum für die Geschichte gebracht.
Doch wo hätte man den ersten Teil enden und den zweiten Teil beginnen lassen?

Dafür geht es mit ordentlich Action weiter. Die Überfahrt nach Mandala gestaltet sich im Buch außerordentlich gemütlich, fast schon langweilig.
Der Film kürzt das alles sehr ab und lässt die drei mit einer großen Welle prompt am nächsten Strand landen. Dafür ist Ping sehenswert (leider wieder zu wenig Zeit für all das, was zu entdecken gewesen wäre). Sehr kurz ist auch die liebenswerte Nebengeschichte mit Ping-Pong, dem sich Kennenlernen, Essen, der Stunde der Grille und der Rettung durch den Kaiser ausgefallen.
Komplett unter den Tisch gefallen ist der Brief, den Lukas nach Lummerland schickt, um mitzuteilen, dass es ihnen bis dato gut ergangen ist.

Das Tal der Dämmerung brachte wieder etwas Action, nachdem der 1000-Wunderwald in einer Szene abgehakt war. Doch wirklich, die Fahrt durch die Schlucht fand ich gut. Die Echogeschichte erschließt sich einem nur, wenn man das Buch kennt, aber trotzdem ist diese Sequenz gut umgesetzt.
Gem. Romanvorlage liegt Emma nun im Sterben, bzw. ist schon fast tot, da der Taktierbolzen gebrochen ist, der nur von innen, also im Kessel gelöst werden kann.
Auch hier bleibt der Film hinter Buch und Puppenkiste zurück - die Zeit ist wieder der begrenzende Faktor - das Buch ist düsterer und dramatischer, die Puppenkiste deutlich lustiger.

Gefallen hat mir die Fahrt durch die Wüste, denn die wurde von Herrn Ende doch etwas sehr ausgewalzt. Hier ist sie kurz und knapp und endet glücklicherweise rasch mit dem Treffen des Scheinriesens Herrn Tur Tur.
Wirklich, dieser Herr Tur Tur rührte mir das Herz. Er wirkte als tragische, zerbrechliche Gestalt. Im Herzen unendlich dankbar für etwas menschliche Gesellschaft. Ende überzeichnet ihn etwas zu sehr ins ängstliche hinein. Demnach kam auch der Abschied sehr, sehr schnell.

Es ging ins Dunkle hinein - die Region der schwarzen Felsen mit dem Mund des Todes.
Schwierig, das umzusetzen, wo man doch dort gar nichts sehen kann, aber auch das gelang ganz nett. Warum der Mund des Todes nun unbedingt mit der Form eines Totenkopfes umkleidet sein muss, hat sich mir nicht ganz erschlossen - auch ein Drachenkopf wäre hübsch gewesen, oder einfach nur ein Loch - die eigene Vorstellung ist schlimmer, als alles was gezeigt werden kann.

Nun, die drei kommen wohlbehalten an und treffen den Halbdrachen Nepomuk.
Etwas Klamauk für die Jüngsten, wenig Inhalt für die Älteren - auch hier wurde wieder Potential verschenkt.
Die Drachenstadt war wieder sehenswert. Hier fehlte wieder etwas die Zeit.
Frau Malzahn gefiel mir gut, auch wenn mich die Schulszene nicht recht überzeugte.
Im Buch gibt es dann noch eine gemütlich, entspannte Pause, bis es an die Abreise geht, im Film ist kaum Zeit, um Atem zu holen und ein feuerspeiender Drache unternimmt noch einen letzten Versuch, die Kinder, Lok, Lukas und Frau M. aufzuhalten. Wenn das Buch schon keine Action bietet, muss halt etwas improvisiert werden.
Die Flussfahrt ist kurz und schmerzlos, die Wilde 13 wird eingeführt, ganz, wie es im Buch ist, dann folgt eine Wilde Schussfahrt und zack ist die Bande in Peking.
Ein emotionales Wiedersehen, ein schneller Abschied und die Kinder sind abgeschoben, der zukünftige goldene Drache der Weisheit gibt Answeisung, eine schwimmende Insel einzufangen und dann gibt es schon Kuchen auf Lummerland und Emma bekommt ihre kleine Molly.

Fazit: Süßer Familienfilm - a mixed bag of everything.
Weniger wäre vielleicht mehr gewesen, oder mehr wäre mehr gewesen - der Stoff reicht für einen Zweiteiler, aber s.o. - es geht nicht immer alles.
Bin auf den zweiten Teil gespannt, der nächstes Jahr (?) in die Kinos kommen soll.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Die Zukunft ist grau

"Momo" von Michael Ende.
Es wird als Kinderbuch, bestenfalls als "Jugendroman" bezeichnet.

Meiner Meinung nach ist es ein Buch für Erwachsene - sie sollten es nur lesen, solange sie noch Kinder sind und die Botschaft des Buches ihr Leben lang im Herzen tragen.

Wenn ich mich umsehe, scheint es, als hätte es niemand außer mir gelesen.

Freitag, 23. März 2018

Das Leben ist eine einzige große Selbstoptimierungs-Gaudi

Vor einiger Zeit las ich meine Überschrift als Kommentar unter einem Bericht über den Einfluss von Morgenritualen auf unseren (Tages-)Erfolg.

Tatsächlich ist Selbstoptimierung der Hype schlechthin, die Sau, die jeden Tag erneut durchs Dorf getrieben wird und immer nur anderes genannt wird.

Sind es hier die Mandals für Erwachsene, die sie zur Entspannung ausmalen sollen, sind es dort die "wearables", die mit dem Smartphone vernetzt sind und mir über Atemfrequenz, Puls und Schrittzahl mitteilen, wieviel Kalorien ich schon verbraten habe.
Trink-Apps zeigen mir, ob ich genügend getrunken habe, andere geben an, ob ich genug oder zuviel gegessen habe. Bücher wollen mich zu leichterem Leben animieren und Doku-
Soaps zeigen mir, was andere alles falsch machen.

Auch meine Zeit, die ich jeden Tag neu zugeteilt bekommen, wird gefüllt, damit jede Minute, jede Sekunde optimal gefüllt ist.
Nicht mehr nur Musik im Radio, während ich autofahre, nein,  ein Hörbuch muss es sein: Klassiker neu entdeckt, statt entspanntem Sonntagsnachmittagsschläfchen wird tiefenentspannt Enkelmanns Motivations-CD gehört. Keine Briefe mehr mit der Schneckenpost - es gibt je E-Mails, noch besser Whatsapp - das geht den ganzen Tag nur noch plingpling. Jeder will immer und jederzeit mit mir in Kontakt sein.

Erinnert sich noch jemand an das Buch "Momo" von Michael Ende.
Die Gespräche, die die grauen Männer führten, wo sie die Menschen zum "Zeitsparen" aufforderten.
Jede und jeder halte mal inne und überlege sich, wann die grauen Männer bei ihr oder ihm waren.
Dann einmal überlegen, wieviel Zeit die angeblichen Zeitsparer kosten.

Zeit hatten wir im Überfluss - bis die Selbstoptimierer und Zeitsparer kamen...

Mittwoch, 7. Februar 2018

Die Doppelvier im wirklichen Leben.


Ich bin ja bekennender Zamonien-Fan.

Dass die Qualität der letzten Bücher siginifikant nachgelassen hat, muss auch ich eingestehen, aber die ersten Bände (Blaubär, Ensel&Krete, Rumo, Stadt der träumenden Bücher), waren wirklich gut.

Wie wegweisend manche der angeschnittenen Themen sind, wie unterschwellig Wissen und Kritik angebracht wird - das erschließt sich manchmal erst auf den zweiten Blick.

Im Buch "Ensel und Krete" wird berichtet, wie die beiden Protagonisten Ensel und Kretel eine spontane Flucht absprechen: bei VIER wollen sie springen, um dem bösen Laubwolf zu entkommen.
Warum "vier"??
In einem Einwurf (den sogenannten "Mythenmetz'schen Abschweifungen") erklärt der "Autor" Hildegunst von Mythenmetz dann das zamonische Bildungssystem mit allen Irrungen und Wirrungen - leider ein Stück Realsatiere, wenn man selber erlebt, was in der Schulpolitik alles an sinnvollen Sachen beschlossen wird.

Kurz und gut, die zamonische Urmathematik beruhte auf der Zahl 4, denn die Zamonier haben vier Finger. Dass nach der Vier die Doppelvier (= acht) und nicht etwa  die Fünf kommt, ist bestimmt der nötigen Überspitzung der Schulinhalte für diesen Roman zuzuschreiben.
Doch beim Lesen dieses Artikels erschien mir die 4 als  Grundlage für ein Zahlensystem gar nicht
mehr so abwegig: klick mich an

In dem Artikel werden allerlei Zahlen und Dinge, die wir so hinnehmen beleuchtet und erklärt.
Für alle Ungeduldigen sei hier erwähnt; das Zahlensystem kommt in dem Artikel gleich an zweiter Stelle. Anscheinend hat sich Herr Moers mal wieder mehr Gedanken um die Kleinigkeiten seiner Bücher gemacht, als man das beim ersten Lesen vermutet.

Als letzten Gedanken möchte ich noch erwähnen, dass die Flucht Ensels und Kretels daran scheiterte, dass die beiden bis vier gezählt haben.
Bei einer drei wäre die Flucht sicher geglückt...

Mittwoch, 23. August 2017

Der Donnerschlag und Schluss

Da wäre ich also wieder.
Ja, ich war im Urlaub und auch sonst habe ich reichlich um die Finger - wenig Zeit für meinen Blog.

Aber eines habe ich geschafft: Der Zauberberg ist durchgelesen.
Im Gegensatz zu allen anderen Menschen, die ich kenne, halte ich den Z. für gut lesbar - vielleicht weil ich einige Passagen nur überspringe und mir das Gelaber der Herren Settembrini nd Naphta einfach nicht antue.

Wie dem auch sei.
Nach dem Tode Peperkorns geht das Buch rasch dem Ende entgegen.
Nicht nur, weil die Seitenzahl abnimmt, auch weil es inhaltlich schnell dahinfließt.
Es gibt noch eine kurze Sequenz des Paranomalen mit dem Medium Elli Brandt, aber das ist nach wenigen Seiten vorbei und wird nicht mehr aufgegriffen.
Auch die Gereiztheit und die Langeweile der Patienten im Zauberberg dient nur noch dem Zweck schnell dem "Donnerschlag", also dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, entgegenzueilen.
Wobei der erste Weltkrieg auch nur die Funktion hat, das Buch beenden zu können.
Im Krieg "verlieren wir unseren Helden aus den Augen". Ob er das "Stahlgewitter" überstehen wird, wird angezweifelt, bleibt aber dennoch offen.
Ja, und nach der allgemeingängigen Interpretation negiert der Krieg das Ergebnis dieses "Bildungsromans" - ob Mann hier einen Bildungsroman schreiben wollte, kann ich nicht sagen.

Es war ein langes, aber kurzweiliges Lesevergnügen, etwas schade, das es vorbei ist. Nun muss ich mir etwas anderes suche, das ich häppchenweise lesen kann, ohne dass mir der rote Faden verloren geht.

Montag, 3. Juli 2017

"flüssiges Brot"

Kann sich noch wer daran erinnern? Seit einigen Monaten lese ich an Manns "Zauberberg".
Jeden Tag ein paar Minuten vorm Schlafengehen - manchmal auch tagelang gar nicht.

Immerhin bin ich jetzt zu meinem Lieblingsteil gekommen, gleichzeitig auch zum Höhepunkt der Handlung (in meinen Augen).
Bergfest, sozusagen, nach diesem Ereignis geht der Zauberberg steil dem Ende entgegen.
Wir befinden uns am Beginn des letzten Drittels.

Pieter Peeperkorn tritt auf.
In seinem Gefolge Hans' große Liebe Clawdia Chauchat, die nun zwar zum greifen nahe und doch unsagbar ferne ist.
Ich liieebe Mynheer Peperkorns Auftreten, seine abgerissene Rede, die Art, mit der er bedeutungsloses in den Raum wirft und dabei den Anschein erweckt, er habe etwas inhaltsschweres, großartiges und wichtiges von sich gegeben.

"Pieter Peeperkorn labt sich an einem Schnaps" - diesen Satz möchte ich am liebsten jedes Mal sagen, wenn ich einen Klaren trinke.

"Erledigt...!"

Samstag, 18. März 2017

Die Türkei

Erschreckende Aktualität im "Zauberberg", der bekannterweise Mitte der 20er Jahre erschien.
Joachim Ziemsen und Hans Castorp begegnen zum ersten Mal dem Scholastiker Naphta, der sich ein Streitgespräch mit Settembrini leistet:
Settembrini: "Die Türkei als National- und Verfassungsstaat, - welche ein Triumph der Menschlichkeit!"
"Liberalisierung des Islams", spottete Naphta. "Vorzüglich. Der aufgeklärte Fanatismus - sehr gut."

Dem ist so gar nichts hinzuzufügen.
Gar nichts.