Donnerstag, 18. September 2025
Einmal, zweimal - und dann ist auch gut
Donnerstag, 19. Dezember 2024
Endes schwieriges Frauenbild
Montag, 21. Oktober 2024
"Warum hassen Sie mich"
Samstag, 28. September 2024
Labsal für Seele und Geist
Dienstag, 1. Februar 2022
Der Verlust von ... eigentlich allem
bleibt nicht mehr viel übrig, was wir in dieser Gesellschaft verlieren können.
Somit haben wir alles verloren, auch die kleinen Freuden des Alltags, die eigentlich das Leben so schön machen.
Weihnachtsgebäck - ist ab September zu bekommen. Im Internet bestimmt das ganze Jahr über.
Süßigkeiten, Schokolade, Kuchen, Kekse - jederzeit verfügbar.
Essen - bringt der Lieferservice.
Die große Liebe - Parsh*p wird's schon richten.
Fernsehen - früher war es die "eine" Serie, die einmal in der Woche lief und wenn man die verpasste, war es ein Weltuntergang. Heute kann über einen Streamingdienst bis zum Erbrechen geguckt werden (neudeutsch: binge watching).
Montag, 10. Januar 2022
Wissen ist Nacht!
Dienstag, 28. September 2021
Homosexuelle sind der Untergang des Abendlandes
Na, auch wegen der provokanten Überschrift hierhergeklickt?
Dann sage ich das am besten gleich:
Hier wird einfach ein Gedanke etwas überspitzt und satierisch auf den Punkt gebracht.
Ich schreibe das lieber gleich, weil Satiere, Ironie und selbst blanker Unsinn in Deutschland generell ernst und für bare Münze genommen wird.
Wem verdanken wir einige der besten Stücke Literatur, unvergessliche Musik und bahnbrechende Filme?
Ganz klar, homosexuellen Künstlern.
Thomas Manns "Zauberberg" und "Tonio Kröger"
Tennessee Willams "Katze auf dem heißen Blechdach" oder die "Glasmenagerie"
Freddy Mercurys Musik
...
Jedem werden wohl Beispiele einfallen, sei es in Kunst oder Bildung, Forschung oder Technik.
Die Beatles sind bekannt geworden, weil Brian Epstein von den Jungs fasziniert war und aus einschlägig bekannten Gründen keine Familie gegründet hat.
Also wurden die Beatles seine Familie und er kümmerte sich intensiv um deren Erfolg.
In Manns Werken stecken viele Anspielungen auf seine unterdrückte Neigung und auch bei anderen Künstlern ist die verdrängte Sexualität oft zur Triebfeder ihrer Werke und Arbeiten geworden.
Die Kinder, die aus den evtl. geschlossenen Ehen hervorgingen haben die künstlerischen Neigungen oft geerbt und auf die eine oder ander Weise umgesetzt.
Aber was sehen wir jetzt?
In unserer pluralistischen Gesellschaft darf jeder so homo oder bi oder hetero sein, wie gerne möchte.
Wer mit Latexmaske zur Arbeit geht oder sich als Pferd verkleidet durch die Straßen treiben lassen möchte, kann das tun. Es interessiert irgendwie auch niemanden mehr so richtig.
Wo bleibt jetzt der Untergang?
Ganz einfach, da wo kein Zwang mehr besteht, entsteht auch keine Kunst mehr. Die Kraft, die Energie, die sich vorher kreativ entladen hat, kann nun auf ein normales Leben aufgewendet werden.
Also verarmt die Künstlerlandschaft, weil keiner mehr den Drang verspührt, sich auf einer Metaeben auszutoben - geht jetzt ja auch einfacher.
Zu guter Letzt werden auch die kreativen Gene nicht mehr weitergegeben und in dieser Folge verarmt die Kultur Europas.
Freitag, 11. Dezember 2020
Vom Vorlesen und Keksebacken
Nicht, dass wir immer alls gut und richtig gemacht hätten, aber Vorlesen war immer ein Bestandteil des Abendrituals. Ist es so schwer, sich mal diese Viertelstunde um das Blag zu kümmern und etwas zu lesen? Warum ist das nicht allgemeiner Konsens.
Auch wenn Eltern nicht oder nicht sicher lesen können, dann kann anhand eines Bilderbuches eine Geschichte erzählt werden. Lasst Phantasie zu, gebt dem Kind Raum, die Geschichte mitzugestalten und entwickelt eigene Ansätze. Das gemeinsame Lesen (und Leben) bietet Chancen - nehmt sie wahr.
Dienstag, 2. Juni 2020
When I want Sax...
Die (Auto-)Biographie von Candy Dulfer.
Tatsächlich für einen Schleuderpreis hinterhergeworfen. Die ursprünglichen 25 EUR haben wohl viele abgeschreckt und da sie nur auf niederländisch erhältlich ist, kann der Markt nicht so groß sein.
Mir ist das egal, ich lese dann eben auf niederländisch, was ich zwar nicht kann, aber die Sprache ist mit unserer doch verwandt.
Einige Klippen gilt es zu umschiffen und nicht jeder Satz ist mir klar, aber den großen Zusammenhang kann ich erkennen. Falls mir ein Schlüsselsatz oder ein wichtiger Absatz ganz fremd bleibt, nutze ich dict.cc und übersetze mir die Worte, die mir fehlen.
Doch es gibt auch viele "Vokabeln", die vertraut klingen.
Genau das ist der Schlüssel, wenn einiges laut (und sicherlich sehr falsch :-) ausgesprochen wird, dann erschließt sich oft der Sinn eines Wortes.
"zin" = Sinn
"zag" = sagen
"en" = "and" = und
"daar" = da (oder dort)
Wobei es auch "false friends" gibt. Die sehen und klingen einem deutschen Wort ähnlich,
bedeuten dann aber etwas ganz anderes:
"haar" = "her" = sie (oder ihr) und keinesfalls "haben" oder "hatten"
"hoofd" = Haupt/Kopf und keinesfalls "Heft"
Einige Sachen benötigen einen kleinen Umweg, bevor ich sie verstehe.
"pesten" = ärgern, hier gibt es bei uns tatsächlich de Redewendung: "er pestet rum" und damit ist gemeint, dass jemand, ärgert, piesackt oder einfach nur nervt.
"altijd" = "all time" = immer
"uur" = "Hour" = Uhr
"een keer" = ein Mal - een keer-> eine Kehre-> eine Runde-> ein Mal
Manchmal ergibt sich der Wortsinn aus dem Zusammenhang und man findet eine "Herleitung" für einen Begriff. Dann muss man beim nächsten Mal nur noch kurz oder gar nicht überlegen.
So geht das Lesen immer etwas flüssiger.
Es ist also ein großer Spaß und ich bin gespannt, wass Candy noch alles zu erzählen hat.
Freitag, 7. Februar 2020
Wissen heißt wissen
Gestern Abend habe ich aus einer Laune heraus nach Infos über ein altes Buch gesucht.
"Durch die weite Welt" - ein Jahrbuch für Jungen (?) von 1928 aus der "Franckh'schen Verlagsbuchhandlung".
Nun endlich weiß ich, dass es sich hier um ein Buch aus dem Hause "Kosmos" handelt und die Reihe "Durch die weite Welt" bis in die 1980er hinein fortgesetzt worden ist.
All das sind Informationen, die nett zu wissen sind, mein Leben verändern werden sie nicht.
Doch das Buch ist interessant. Tatsächlich habe ich es von meinem Großvater geerbt, der mir damit das Lesen der deutschen Frakturschrift beibrachte und es mir dann schenkte.
Er wird es als Jugendlicher gekauft oder geschenkt bekommen haben.
Nehme ich es zur Hand, lese ich Geschichten, die in exotischen Ländern spielten, lerne, wie man mit einfachen Chemikalien belichtete Bilder entwicklen kann, wie man die Temperatur einer Flamme berechnet. Es gibt einen Aufsatz über Geheimschriften, kleine Rätsel und launige Artikel, die nicht ganz ernst gemeint sind.
Kurzum ein bunter Strauß an interessanten Dingen, die mal mehr mal weniger relevant für den Alltag sind. Doch - und das ist ein Kern dieses Postings - diese Informationen sind jederzeit abrufbar.
Das Buch hat nicht nur fast 100 Jahre überstanden, einen Weltkrieg, mehrere Umzüge und Besitzerwechsel, doch es steht noch alles so geschrieben, wie einst.
Selbst wenn es den Kosmos-Verlag nicht mehr gäbe - das Buch existierte weiter.
Dagegen habe ich vor einigen Jahren auf YouTube ein Video gesehen, in dem der Saxophonist Gerry Mulligan mit der Sängerin Judy Holliday das Lied ''I can't wait to get married'' geprobt hat.
Dies Video ist verschwunden, gelöscht.
So, was soll uns das alles sagen?
Heute wird gestreamt; also gegen Bezahlung heruntergeladen.
Doch was man sieht, wird nicht erworbenen.
Die ''Online-Musiksammlung'' gibt es nur so lange, wie es auch den Anbieter gibt.
Das gleiche gilt auch für Online-Büchereien.
Es wird gezahlt, ohne die Sachen zu besitzen. Nein, es ist nicht wie mieten oder leasen.
Denn die Ware ist nur solange verfügbar, wie Strom und/oder Internet verfügbar ist.
Ein feiner Unterschied, der einem erst dann auffällt, wenn die bezahlte Leistung nicht mehr verfügbar ist. So steht der Kunde also in direkter Abhängigkeit zum Anbieter - und scheint es nicht zu merken, ja mehr noch. Er erklärt jeden für altmodisch oder gar beschränkt, der dieses System anzweifelt.
Als ich im vergangenen Jahrhundert zur Schule ging, wurde uns immer gesagt, wissen heißt wissen, wo es steht.
Das war und ist natürlich nur die halbe Wahrheit.
Es reichte nicht, nur irgendwie und ein bisschen. Nein, es ging darum, in welchem Buch, in welchem Kapitel, auf welcher Seite.
Die relevanten Informationen mussten dann auch selbst herausgelesen werden.
Heute wird Grundschülern einfach an den Kopf geworfen: Sucht das mal im Internet.
Ohne Anleitung, wie eine zielstrebige Suche aussieht.
Das Resultat sehen wir heute. Google ist die meistgenutzte Suchmaschine, Wikipedia hat alle Enzyklopädien vom Markt gefegt, Telefonnummern hat man nur noch im Telefonspeicher und der Weg zum Bäcker wird ohne den Navi nicht gefunden.
Gewiss, ich übertreibe. Aber nicht sehr.
Der Nachteil an der ganzen Sache ist jedoch, ohne Strom läuft nix.
Akku leer - die Langeweile beginnt.
Sendemast ausgefallen - die Suizidrate steigt.
Strom weg - alles Wissen ist dahin.
Sollte wirklich mal ein "black out" des Stromnetzes in Europa das Licht ausgehen lassen, dann werden Chaos und Anarchie herrschen.
Abgesehen von den tatsächlichen Problemen, wie abtauende Gefriertruhen, kalte Heizungen und geschlossene Läden, wird es für die Menschen schwierig, wenn sie keine Bilder von sich vor der dunklen Ampel, dem verschlossenen Kiosk oder vor einem Autounfall mehr bei Instagram oder Facebook posten können. Online-Spiele fallen aus, "Freunde" und "Follower" sind nicht mehr zu erreichen. Anrufen kann man auch niemanden mehr. Nicht nur, weil das Internet nicht mehr läuft, sondern auch weil niemand mehr die Nummer des jeweils anderen kennt.
Selbst wer ländlich lebt und die fehlende Heizung mit einem Holzofen ausgleichen kann, wird nicht mehr wissen, was er essen soll, denn alles Wissen über Pilze und Wildkräuter steckt in einer App.
Die Grundlagen, um evtl. eine Notstromversorgung mittels Nabendynamo herzustellen sind zwar vorhanden, aber der Bauplan liegt im Netz und beim Elektroversand kann auch nicht bestellt werden.
Diese hochzivilisierte Welt ist derart abhängig von Strom und Internet, dass einem bei etwas Nachdenken Angst und Bange wird. Wir leben in einem sehr fragilen System.
Vielleicht sollte ich mal anfangen, vorzusorgen...
Montag, 15. Juli 2019
Urmel und ein rechter Seitenhieb
Eine schöne Geschichte um Freundschaft, Anderssein und die Bewahrung der Schöpfung und Geheimnisse .
Bevölkert von Menschen, Tieren, Außerirdischen, Urzeittieren und anderen Geschöpfen.
Die Menschen spielen eher eine Randrolle, im Mittelpunkt das Urmel und Wutz, seine Adoptivmutter.
Die Tiere haben alle einen kleinen Sprachfehler. Während Wutz gerne mal ein "öfföff" einschiebt, worin sich fast jeder Politiker wiederfinden kann, der kaum einen Satz ohne "äh, ähm, ja also" herausbringt, ist Ping Pinguin sehr putzig, wenn er jedes "sch" als "pf" sagt.
Auch Wawa, der Waran zischt jedes "z" besonders scharf heraus.
Die wahre Tragweite wird einem dann bewusst, wenn man diese Texte vorliest.
Da fangen sie an die Probleme, nicht nur dass man entgegen seiner normalen Aussprache allerlei Kauderwelsch zu lesen hat - Schusch, der Schuhschnabel kann kein "i" sprechen und ersetzt es durch ein "ä".
Jetzt versuchen Sä dä Texte zu lesen ohne ämmer mehr einen Tonfall zunehmen bei dem auch das "e" zu einem "ä" wärd. Äch fände es wärkläch schwer, dabei nächt än eine Verballhornung eines deutschen Polätäkers zu verfallen, der unsägläches Leid über dä Welt gebracht hat.
Die Augsburger Puppenkiste hat das Problem elegant gelöst und lässt den Vogel einfach ein "L" statt eines "r" sagen. Schon besteht diese Versuchung gar nicht.
Ob Herr Kruse die Doppeldeutigkeit des Sprachfehlers mit dem "i" bewusst war?
Vielleicht hat er deshalb diesen etwas schrägen Vogel für diese Aufgabe ausgewählt.
Mittwoch, 12. Dezember 2018
Im Zeichen der Neun!
Dabei mag ich es traditionell mit Papier und Stift.
Yolande hat mir unlängst ein Sudoku Taschenbuch geschenkt, dass sie im einem Bahnhofskiosk erworben hat.
Es ist die Ausgabe April/Mai und enthält 500 Sudokus - das wird dreimal erwähnt.
Rein rechnerisch müsste man jeden Tag 8,14 Sudokus lösen, wenn mann in 61 Tagen damit durch sein möchte, um dann die Juni/Juli-Ausgabe kaufen zu können.
Mehr noch!
Das Heft enthält 500 garantiert neue Sudokus!!!
Fantastisch, keines davon wurde vorher schon veröffentlicht.
Wie wunderbar.
Ganz ehrlich, setzte man mir jetzt eines der ersten zwanzig Rätsel erneut vor die Nase, dann würde ich es nicht merken.
Doch anscheinend gibt es hinreichend genügend Leute, die das sehr genau merken.
Also gut, dass es extrs zweimal draufgedruckt ist.
Wer mochte schon alte Sudokus lösen? Die könnte man ja vor acht Jahren schon einmal gelöst haben. Welch Graus!
Donnerstag, 25. Oktober 2018
Das Parfum
Es war in den 80ern ein Beststeller - warum, das frage ich mich bis heute.
Tatsächlich habe ich erst mit 30 Jahren Abstand gelesen und frage mich,
was an diesem eindimensionalen Roman von Patrick Süskind so fasziniert hat.
Der Inhalt ist schnell erzählt.
Der Protagonist Jean-Baptiste Grenouille zieht jeglichen Nutzen, den er haben
kann, aus demjenigen der ihn aufnimmt. Sobald Grenouille weiterzieht
bricht das Unglück über den Gastgeber herein.
Dieses Thema wird sooft wiederholt (nicht mal variiert oder irgendwie aufgebrochen),
bis der Roman die benötigte Anzahl an Seiten erreicht hat.
Er endet damit, dass sich Grenouille umbringen lässt.
Das Buch ließ mich ratlos und gelangweilt zurück.
Lt. Wikipedia soll dieses Buch der Postmoderne zugerechnet werden.
Alles an Postmoderne vergleiche ich zunächst mit dem Foucaultschen Pendel
von Umberto Eco, der vielschichtige und undurchsichtigen Geschichte
um drei Lektoren, die Rosenkreuzer und alle Verschwörungstheorien.
Weiterhin vermittelt mir Wikipedia, dass es als Bildungs-, Künstler-, Entwicklungs- und
Kriminalroman gelesen werden kann.
Eine persönliche Reifung oder Entwicklung Grenouilles ist für mich nicht erkennbar.
Kriminalroman - ja, im weiteren Sinne, aber abzüglich Spannung, Raffinesse oder Esprit.
Es gibt viele gute Bücher, die nie gedruckt wurden.
"Das Parfum" gehört eindeutig nicht dazu.
Montag, 11. Juni 2018
Jim Knopf und Lukas - eine Rezension
Habe erst jetzt geschafft, zuendezuschreiben. Der Schluss ist also etwas knapp ausgefallen...
Hier geht es um den Spielfilm, der um Ostern ins Kino kam.
Die erste Verfilmung mit "echten" Schauspielern, nach der Trickfilmserie und zwei Verfilmungen der Augsburger Puppenkiste.
Halten wir mal fest, die Adaption durch die Puppenkiste hat zum einen schon einen Kultstatus, prägte Generationen von Kindern und hat Maßstäbe gesetzt. Einerseits durch die werkgetreue Umsetzung, dann aber auch durch die Musik, die mit einfachsten Mitteln, eingängigen Melodien und einprägsamen Texten das Geschehen untermalt.
Über die Zeichentrickserie schweige ich lieber.
Die Eröffnung des Filmes ist schon fast klassisch: Kamerazoom auf die bekannte Insel mit den zwei "Bergen", die im Buch von Herrn Ende gar nicht so genannt wird.
Dazu die Melodie der Augsburger Puppenkiste, die wohl jeder kennt. Eine schöne Hommage an selbige.
Die Story ist die bekannte. Jim kommt an, er wird größer, Emma muss gehen.
Sehr schön umgesetzt, die Einstellungen wo Jim mit Lukas auf der Lok herumfährt, wie Herr Ärmel (gut besetzt mit CMH) mal zufällig, mal absichtlich den Streichen von Jim zum Opfer fällt.
Auch der namensgebende Knopf kommt vor.
Der König ist etwas sehr auf Klamauk gemacht, etwas mehr Tragik und Tiefe hätten ihm gutgetan.
Annette Frier als Frau Waas ist auch gut getroffen, insgesamt wirkt sie weniger "hausfraulich-betulich" als im Buch, wo sie doch sehr klischeehaft und etwas ungebildet daherkommt (das hat sie mit Tante Paula aus Lornsens "Robbi, Tobbi und das Fliewatüt" gemein).
Aber schon bei den ersten Szenen tritt zu Tage, was den ganzen Film etwas überschattet:
Die Zeit reicht nicht aus.
Ja, es gibt viele Details, ja, es ist alles sehr liebevoll und mit viel Verve ausggestaltet und gespielt, aber es kommt viel zu kurz.
Man muss nicht gleich den Hobbit draus machen und ein Kinderbuch zu drei 2-Stunden-Filmen auswalzen. Doch ein Zweiteiler hätte mehr Raum für die Geschichte gebracht.
Doch wo hätte man den ersten Teil enden und den zweiten Teil beginnen lassen?
Dafür geht es mit ordentlich Action weiter. Die Überfahrt nach Mandala gestaltet sich im Buch außerordentlich gemütlich, fast schon langweilig.
Der Film kürzt das alles sehr ab und lässt die drei mit einer großen Welle prompt am nächsten Strand landen. Dafür ist Ping sehenswert (leider wieder zu wenig Zeit für all das, was zu entdecken gewesen wäre). Sehr kurz ist auch die liebenswerte Nebengeschichte mit Ping-Pong, dem sich Kennenlernen, Essen, der Stunde der Grille und der Rettung durch den Kaiser ausgefallen.
Komplett unter den Tisch gefallen ist der Brief, den Lukas nach Lummerland schickt, um mitzuteilen, dass es ihnen bis dato gut ergangen ist.
Das Tal der Dämmerung brachte wieder etwas Action, nachdem der 1000-Wunderwald in einer Szene abgehakt war. Doch wirklich, die Fahrt durch die Schlucht fand ich gut. Die Echogeschichte erschließt sich einem nur, wenn man das Buch kennt, aber trotzdem ist diese Sequenz gut umgesetzt.
Gem. Romanvorlage liegt Emma nun im Sterben, bzw. ist schon fast tot, da der Taktierbolzen gebrochen ist, der nur von innen, also im Kessel gelöst werden kann.
Auch hier bleibt der Film hinter Buch und Puppenkiste zurück - die Zeit ist wieder der begrenzende Faktor - das Buch ist düsterer und dramatischer, die Puppenkiste deutlich lustiger.
Gefallen hat mir die Fahrt durch die Wüste, denn die wurde von Herrn Ende doch etwas sehr ausgewalzt. Hier ist sie kurz und knapp und endet glücklicherweise rasch mit dem Treffen des Scheinriesens Herrn Tur Tur.
Wirklich, dieser Herr Tur Tur rührte mir das Herz. Er wirkte als tragische, zerbrechliche Gestalt. Im Herzen unendlich dankbar für etwas menschliche Gesellschaft. Ende überzeichnet ihn etwas zu sehr ins ängstliche hinein. Demnach kam auch der Abschied sehr, sehr schnell.
Es ging ins Dunkle hinein - die Region der schwarzen Felsen mit dem Mund des Todes.
Schwierig, das umzusetzen, wo man doch dort gar nichts sehen kann, aber auch das gelang ganz nett. Warum der Mund des Todes nun unbedingt mit der Form eines Totenkopfes umkleidet sein muss, hat sich mir nicht ganz erschlossen - auch ein Drachenkopf wäre hübsch gewesen, oder einfach nur ein Loch - die eigene Vorstellung ist schlimmer, als alles was gezeigt werden kann.
Nun, die drei kommen wohlbehalten an und treffen den Halbdrachen Nepomuk.
Etwas Klamauk für die Jüngsten, wenig Inhalt für die Älteren - auch hier wurde wieder Potential verschenkt.
Die Drachenstadt war wieder sehenswert. Hier fehlte wieder etwas die Zeit.
Frau Malzahn gefiel mir gut, auch wenn mich die Schulszene nicht recht überzeugte.
Im Buch gibt es dann noch eine gemütlich, entspannte Pause, bis es an die Abreise geht, im Film ist kaum Zeit, um Atem zu holen und ein feuerspeiender Drache unternimmt noch einen letzten Versuch, die Kinder, Lok, Lukas und Frau M. aufzuhalten. Wenn das Buch schon keine Action bietet, muss halt etwas improvisiert werden.
Die Flussfahrt ist kurz und schmerzlos, die Wilde 13 wird eingeführt, ganz, wie es im Buch ist, dann folgt eine Wilde Schussfahrt und zack ist die Bande in Peking.
Ein emotionales Wiedersehen, ein schneller Abschied und die Kinder sind abgeschoben, der zukünftige goldene Drache der Weisheit gibt Answeisung, eine schwimmende Insel einzufangen und dann gibt es schon Kuchen auf Lummerland und Emma bekommt ihre kleine Molly.
Fazit: Süßer Familienfilm - a mixed bag of everything.
Weniger wäre vielleicht mehr gewesen, oder mehr wäre mehr gewesen - der Stoff reicht für einen Zweiteiler, aber s.o. - es geht nicht immer alles.
Bin auf den zweiten Teil gespannt, der nächstes Jahr (?) in die Kinos kommen soll.
Donnerstag, 10. Mai 2018
Die Zukunft ist grau
Es wird als Kinderbuch, bestenfalls als "Jugendroman" bezeichnet.
Meiner Meinung nach ist es ein Buch für Erwachsene - sie sollten es nur lesen, solange sie noch Kinder sind und die Botschaft des Buches ihr Leben lang im Herzen tragen.
Wenn ich mich umsehe, scheint es, als hätte es niemand außer mir gelesen.
Freitag, 23. März 2018
Das Leben ist eine einzige große Selbstoptimierungs-Gaudi
Tatsächlich ist Selbstoptimierung der Hype schlechthin, die Sau, die jeden Tag erneut durchs Dorf getrieben wird und immer nur anderes genannt wird.
Sind es hier die Mandals für Erwachsene, die sie zur Entspannung ausmalen sollen, sind es dort die "wearables", die mit dem Smartphone vernetzt sind und mir über Atemfrequenz, Puls und Schrittzahl mitteilen, wieviel Kalorien ich schon verbraten habe.
Trink-Apps zeigen mir, ob ich genügend getrunken habe, andere geben an, ob ich genug oder zuviel gegessen habe. Bücher wollen mich zu leichterem Leben animieren und Doku-
Soaps zeigen mir, was andere alles falsch machen.
Auch meine Zeit, die ich jeden Tag neu zugeteilt bekommen, wird gefüllt, damit jede Minute, jede Sekunde optimal gefüllt ist.
Nicht mehr nur Musik im Radio, während ich autofahre, nein, ein Hörbuch muss es sein: Klassiker neu entdeckt, statt entspanntem Sonntagsnachmittagsschläfchen wird tiefenentspannt Enkelmanns Motivations-CD gehört. Keine Briefe mehr mit der Schneckenpost - es gibt je E-Mails, noch besser Whatsapp - das geht den ganzen Tag nur noch plingpling. Jeder will immer und jederzeit mit mir in Kontakt sein.
Erinnert sich noch jemand an das Buch "Momo" von Michael Ende.
Die Gespräche, die die grauen Männer führten, wo sie die Menschen zum "Zeitsparen" aufforderten.
Jede und jeder halte mal inne und überlege sich, wann die grauen Männer bei ihr oder ihm waren.
Dann einmal überlegen, wieviel Zeit die angeblichen Zeitsparer kosten.
Zeit hatten wir im Überfluss - bis die Selbstoptimierer und Zeitsparer kamen...
Mittwoch, 7. Februar 2018
Die Doppelvier im wirklichen Leben.
Ich bin ja bekennender Zamonien-Fan.
Dass die Qualität der letzten Bücher siginifikant nachgelassen hat, muss auch ich eingestehen, aber die ersten Bände (Blaubär, Ensel&Krete, Rumo, Stadt der träumenden Bücher), waren wirklich gut.
Wie wegweisend manche der angeschnittenen Themen sind, wie unterschwellig Wissen und Kritik angebracht wird - das erschließt sich manchmal erst auf den zweiten Blick.
Im Buch "Ensel und Krete" wird berichtet, wie die beiden Protagonisten Ensel und Kretel eine spontane Flucht absprechen: bei VIER wollen sie springen, um dem bösen Laubwolf zu entkommen.
Warum "vier"??
In einem Einwurf (den sogenannten "Mythenmetz'schen Abschweifungen") erklärt der "Autor" Hildegunst von Mythenmetz dann das zamonische Bildungssystem mit allen Irrungen und Wirrungen - leider ein Stück Realsatiere, wenn man selber erlebt, was in der Schulpolitik alles an sinnvollen Sachen beschlossen wird.
Kurz und gut, die zamonische Urmathematik beruhte auf der Zahl 4, denn die Zamonier haben vier Finger. Dass nach der Vier die Doppelvier (= acht) und nicht etwa die Fünf kommt, ist bestimmt der nötigen Überspitzung der Schulinhalte für diesen Roman zuzuschreiben.
Doch beim Lesen dieses Artikels erschien mir die 4 als Grundlage für ein Zahlensystem gar nicht
mehr so abwegig: klick mich an
In dem Artikel werden allerlei Zahlen und Dinge, die wir so hinnehmen beleuchtet und erklärt.
Für alle Ungeduldigen sei hier erwähnt; das Zahlensystem kommt in dem Artikel gleich an zweiter Stelle. Anscheinend hat sich Herr Moers mal wieder mehr Gedanken um die Kleinigkeiten seiner Bücher gemacht, als man das beim ersten Lesen vermutet.
Als letzten Gedanken möchte ich noch erwähnen, dass die Flucht Ensels und Kretels daran scheiterte, dass die beiden bis vier gezählt haben.
Bei einer drei wäre die Flucht sicher geglückt...
Mittwoch, 23. August 2017
Der Donnerschlag und Schluss
Ja, ich war im Urlaub und auch sonst habe ich reichlich um die Finger - wenig Zeit für meinen Blog.
Aber eines habe ich geschafft: Der Zauberberg ist durchgelesen.
Im Gegensatz zu allen anderen Menschen, die ich kenne, halte ich den Z. für gut lesbar - vielleicht weil ich einige Passagen nur überspringe und mir das Gelaber der Herren Settembrini nd Naphta einfach nicht antue.
Wie dem auch sei.
Nach dem Tode Peperkorns geht das Buch rasch dem Ende entgegen.
Nicht nur, weil die Seitenzahl abnimmt, auch weil es inhaltlich schnell dahinfließt.
Es gibt noch eine kurze Sequenz des Paranomalen mit dem Medium Elli Brandt, aber das ist nach wenigen Seiten vorbei und wird nicht mehr aufgegriffen.
Auch die Gereiztheit und die Langeweile der Patienten im Zauberberg dient nur noch dem Zweck schnell dem "Donnerschlag", also dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, entgegenzueilen.
Wobei der erste Weltkrieg auch nur die Funktion hat, das Buch beenden zu können.
Im Krieg "verlieren wir unseren Helden aus den Augen". Ob er das "Stahlgewitter" überstehen wird, wird angezweifelt, bleibt aber dennoch offen.
Ja, und nach der allgemeingängigen Interpretation negiert der Krieg das Ergebnis dieses "Bildungsromans" - ob Mann hier einen Bildungsroman schreiben wollte, kann ich nicht sagen.
Es war ein langes, aber kurzweiliges Lesevergnügen, etwas schade, das es vorbei ist. Nun muss ich mir etwas anderes suche, das ich häppchenweise lesen kann, ohne dass mir der rote Faden verloren geht.
Montag, 3. Juli 2017
"flüssiges Brot"
Jeden Tag ein paar Minuten vorm Schlafengehen - manchmal auch tagelang gar nicht.
Immerhin bin ich jetzt zu meinem Lieblingsteil gekommen, gleichzeitig auch zum Höhepunkt der Handlung (in meinen Augen).
Bergfest, sozusagen, nach diesem Ereignis geht der Zauberberg steil dem Ende entgegen.
Wir befinden uns am Beginn des letzten Drittels.
Pieter Peeperkorn tritt auf.
In seinem Gefolge Hans' große Liebe Clawdia Chauchat, die nun zwar zum greifen nahe und doch unsagbar ferne ist.
Ich liieebe Mynheer Peperkorns Auftreten, seine abgerissene Rede, die Art, mit der er bedeutungsloses in den Raum wirft und dabei den Anschein erweckt, er habe etwas inhaltsschweres, großartiges und wichtiges von sich gegeben.
"Pieter Peeperkorn labt sich an einem Schnaps" - diesen Satz möchte ich am liebsten jedes Mal sagen, wenn ich einen Klaren trinke.
"Erledigt...!"
Samstag, 18. März 2017
Die Türkei
Joachim Ziemsen und Hans Castorp begegnen zum ersten Mal dem Scholastiker Naphta, der sich ein Streitgespräch mit Settembrini leistet:
Settembrini: "Die Türkei als National- und Verfassungsstaat, - welche ein Triumph der Menschlichkeit!"
"Liberalisierung des Islams", spottete Naphta. "Vorzüglich. Der aufgeklärte Fanatismus - sehr gut."
Dem ist so gar nichts hinzuzufügen.
Gar nichts.